3 Gründe, warum Krampusläufe die beschissenste Tradition ever sind

In Österreich ist es Tradition, dass Gestalten mit Hörnern, Krallen, Ruten und einer schirchen Fresse um die Häuser ziehen, um Kindern (und Erwachsenen wie mir) Angst zu machen und ich verstehe nicht warum.

Krampus

Ich erinnere mich, als ob’s gestern gewesen wär: Sobald ich die Glocken scheppern gehört hab, war ich weg. Unter der Bank beim Esstisch, auf dem Stockbett oben oder gemeinsam mit meiner Schwester auf dem Klo eingesperrt. Herausgelockt haben mich erst besänftigende Worte vom Herrn Nikolaus ("Wenn ich dabei bin, dürfen sie eh nix tun. Auf den Herrn Nikolo hat der Krampus zu hören!") und die Aussicht auf ein Sackerl voll mit Schokolade (um später zu sehen, dass sie mich mit Mandarinen und Nüssen abschaßeln).

Als Kind mochte ich das ganze Spektakel wahrscheinlich wegen der Verarsche mit den "Süßigkeiten", die dann Mandarinen waren und aufgrund der Angst nicht. Aber auch jetzt gilt noch: Ich verstehe diese "Tradition" nicht nur nicht – ich hasse sie. Das hat Gründe:

1. Dieses absurde Belohnungs-und-Bestrafungs-Prinzip

Wer brav ist, bekommt ein Sackerl voller "Süßigkeiten"; wer schlimm war, wird vom Krampus bestraft. Abgesehen davon, dass das Wort "brav" generell ein deppertes ist (Können wir alle ein bisserl weniger brav sein bitte?), ist diese Form der Pädagogik ohnehin ja mehr als problematisch. Dazu kommt die Angst, die unterschwellig mittransportiert wird, denn: Der Nikolo weiß natürlich von all den Hausübungen, die du nicht brav gemacht hast, von allen Kindern, die ausgelacht hast, weil sie auf die Pappn gefallen sind (bis heute: LOL), kurzum: Von all deinen "Sünden". Wer brav ist und sich im System einordnet, wird belohnt – oder wie man heute sagen würde: Du bist deine Produktivität. Und damit kann ich bis heute nicht. Wahrscheinlich war ich einfach schon als Kind ein kapitalismushassendes Gfrastsackl.

2. Die Aggressivität

Alle Jahre wieder… berichten Medien um die Krampuszeit von Schlägereien und Sachbeschädigungen. Die Krampusse – und oft auch die betrunkenen Besucher*innen (meistens Männer, samma uns ehrlich) verhalten sich aggressiv, die Unfälle bei Krampusläufen scheinen sich zu häufen. Ja nein, darauf kann ich gut verzichten.

3. Die toxische Männlichkeit

Anschließend an Punkt 2: Es sind meist junge Männer, die sich hinter Masken und unter Fell-Onesies verstecken, um so ein toxisches Bid von Männlichkeit auszuleben. "Im Krampus lässt sich eine Männlichkeit ausleben, die immer schon sanktioniert war", erklärt etwa der Sozialanthropologe Matthäus Rest gegenüber VICE. Verzichtbar, wenn ihr mich fragt. Von toxischer Männlichkeit haben wir auch ohne Krampusumzüge immer noch genug – nur halt ein bisserl besser getarnt. (Ist aber auch nicht besser, nur for the record.)

 

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