3 gängige und gut gemeinte Aussagen über Frauen, die alles andere sind als gut

Sexismus ist dann am gefährlichsten, wenn er mit einem Lächeln daherkommt. Diese drei Zuschreibungen an Frauen zeigen, wie viel Sexismus in Klischees über Geschlechterrollen versteckt sein kann.

5 unterschiedlich aussehende Frauen sitzen beisammen

1. Die Annahme, dass Frauen sich von Natur aus besser um andere kümmern

Viele Menschen sind der Ansicht, dass Frauen bestimmte Eigenschaften besitzen, die Männer nicht haben: Etwa die sogenannte bessere "weibliche Intuition", dass sie besser kommunizieren und organisieren könnten, dass Frauen sanfter und liebevoller und sich natürlich besser um Kinder kümmern könnten als Männer.
Solche Attribute klingen super, reduzieren Frauen aber auf Stereotype, in die viele nicht passen und nicht passen wollen. Darüber hinaus sprechen sie Männern diese Qualitäten ab. Das Klischee, dass Frauen die besseren Elternteile sind trifft Mütter, die nicht bei ihren Kindern zuhause bleiben und Väter, die das tun.
Einem Menschen gewisse Charaktereigenschaften nur auf Grund seines Geschlechtes zu- oder abzuschreiben, ist schlicht in jede Richtung falsch.

3 Strategien dagegen:

1. Verabschiede dich von der Vorstellung, dass Frauen sanfte Kümmerer und Männer harte Krieger sind. Denk darüber nach, was das für Menschen bedeutet, die nicht diesen Vorstellungen entsprechen. Und ob diese Stereotype vielleicht auch dich selbst in eine Rolle gedrängt haben.

2. Sprich einem Vater nicht ab, dass er sich um seine Kinder kümmert oder dass er das "nicht so gut kann wie die Mama". Und verwende auf keinen Fall das Wort "Babysitter", wenn ein Papa die Care-Arbeit in der Familie übernimmt.

3. Beobachte dein Arbeitsumfeld: Welche Eigenschaften werden Männern zugestanden und Frauen nicht? Werden Frauen als aggressiv oder kaltherzig beschrieben für ein Verhalten, das für Männer total okay wäre?

2. Die Erwartung, dass jede Frau Mutter sein will und in dieser Rolle aufgeht

Während in Serien und Filmen ständig Sexismus verbreitet wird, sind einige der sexistischsten Medien tatsächlich jene Shows, die als besonders "familienfreundlich" bezeichnet werden: Das klassische "Vorabendprogramm" und ihre Dauerbrenner-Serien wie "How I met your Mother" oder "Big Bang Theory" produzieren sexistische Mann-Frau-Rollen. Ein weiteres Beispiel, bei dem der Sexismus für viele Zusehende bisher vielleicht so gar nicht offensichtlich war, ist "Modern Family", einer weltweit sehr erfolgreichen Serie über eine erweiterte Familie, die zwar "modern" betitelt wird, aber haufenweise Klischees füttert. Die Figur der Claire Dunphy muss sich nicht nur um ihren Clown von Ehemann Phil kümmern, sondern trägt den vollen Mental Load der Familie, organisiert und versorgt die Kinder. Der Dank dafür, die Dinge so normal wie möglich am Laufen halten zu wollen, ist ein Stempel als Nervensäge. Ihre Familie verhält sich ihr gegenüber respektlos und oberflächlich, während sie sich um jedes Anliegen kümmert und ihre Geduld und Hingabe als selbstverständlich angesehen werden.
Was das vermittelt? Dass Frauen, egal wie man sie behandelt, sich so zu verhalten haben, wie es ihrer Rolle entspricht.

3 Strategien dagegen:

1. Erweitere deinen Serien-Horizont und versuch es mal mit diesen Empfehlungen: Frauenpower: Diese Serien gefallen allen, die starke Frauen lieben.

2. Beobachte, wie Frauen in den Medien dargestellt werden. Was fällt dir auf? Hilfreich sind auch die Studien der MaLisa-Stiftung von Schauspielerin Maria Furtwängler, die sich mit eben diesem Thema beschäftigen.

3. Unterzieh deine Lieblingsserien und -filme dem Bechdel-Test. Erstes Kriterium ist ein Gespräch zwischen zwei weiblichen Charakteren, das sich nicht um einen Mann dreht. Traurig, aber wahr: Bereits daran scheitern viele der erfolgreichsten Kino-Hits.

Lies dazu auch: Gilmore Girls, Friends & Co.: Meine (ehemaligen) Lieblingsserien triefen nur so vor Sexismus und Rassismus!

3. Der Glaube, dass eine Frau einen Mann braucht, der sich um sie kümmert

Wenn es um das Aufbrechen und Hinterfragen patriarchaler Strukturen geht, gibt es einige, ja unzählige Baustellen, aber eine Sache ist besonders zäh: Männliche Pflichten gegenüber Frauen.

Für lange Zeit war diese "Pflicht" das Argument dafür, Männern mehr zu bezahlen als Frauen - ersterer hätten mit ihrem Gehalt schließlich Frauen und Kinder zu versorgen, während das Gehalt einer Frau ja schließlich nur Spaßgeld sei, zusätzlich zu dem, was Vater oder Ehemann verdienen.

Dieses Argument ist freilich keines, das heutzutage noch jemand laut aussprechen würde. Was jedoch nach wie vor nicht versteckt wird, ist das Mindset, welches Verhalten von Männern Frauen gegenüber erwartet wird: Viele Frauen rechnen damit, dass Männer im Restaurant die Rechnung übernehmen, schwere Sachen tragen und sich daheim ums "Handwerkliche" kümmern. Und viele Frauen mögen dieses klassische Gentleman-Verhalten, in dem viele Menschen, Männer wie Frauen, ein Zeichen von Respekt sehen - wie könnte jemand, der etwas Nettes für eine andere Person tut, denn je etwas anderes sein als gut?

Das Problem ist: Diese Argumente zielen am Problem vorbei. Natürlich ist nichts falsch daran, jemandem die Tür aufzuhalten oder zum Essen einzuladen. Das Problem entsteht dort, wenn diese Dinge aus der Annahme heraus passieren, Frauen wären inkompetent (beim Löcher Bohren zum Beispiel), hilflos (bei technischen Dingen) und unbedingt angewiesen auf die Hilfe eines Mannes. Und das ist ein großer Unterschied.

Die Realität ist, dass die Identifikation von Ungleichheit dort, wo sie wirklich existiert, nicht heißt, sie jeder Situation zwischen Männern und Frauen umzustülpen.

3 Strategien dagegen:

1. Glaub nicht, dass es reicht, dass Frauen und Männer gesetzlich gleichgestellt sind und Frauen gesetzlich gleich viel verdienen wie Männer. Informiere dich über den Gender Pay Gap und unterhalte dich darüber mit Freund*innen.

2. Frag dich selbst, ob deine zwischenmenschlichen Interaktionen auf Respekt basieren oder dem, was in Sachen männlichem/weiblichem Verhalten erwartet wird.

3. Wenn du ein Mann bist, der davor zurückscheuen würde, eine Frau um Hilfe bei einer körperlichen Aufgabe zu bitten, oder der nie von einer Frau erwarten würde, die Rechnung zu übernehmen, probier mal aus, wie sich diese Dinge anfühlen würden.
Wenn du eine Frau bist, die es gewohnt ist, dass der Mann das Dinner bezahlt, interpretiere das Gegenteil nicht als fehlendes romantisches Interesse an dir. Probier aus, was passiert, wenn du die Rechnung übernimmst.

"Aber das ist doch nett gemeint!" Das Problem an Klischees über Geschlechterrollen

Was diesen "wohlwollenden Sexismus" so gefährlich macht ist genau das, was ihn so schwer identifizierbar macht: Die Tatsache, dass er mit einem Lächeln daherkommt, als humorvoll und vielleicht sogar respektvoll verkleidet daherkommt. Viele Menschen sind mittlerweile sensibilisiert gegenüber klar sexistischen Angriffen, aber: "Solange Sexismus nicht als etwas verstanden wird, dass sowohl ablehnend und feindlich als auch gütig und wohlwollend sein kann, wird genau diese zweite Art von Sexismus die treibende Kraft hinter der Ungleichheit der Geschlechter in dieser Gesellschaft sein", stellen Wissenschafter*innen der US-amerikanischen Northwestern University im Journal "Sex Roles" fest.

Sexismus mag als auch in subtilen Formen stattfinden, seine Folgen sind aber alles andere als unmerklich.

 

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