3 Dinge, die passieren, wenn man einen Tag lang nicht lügt

Kleine und große Notlügen entfleuchen uns jeden Tag. Was aber passiert, wenn man einen Tag lang radikal ehrlich ist? Ein Selbsttest.

Es klingt erst einmal unspektakulär. ­Einen Tag nicht lügen – was ist schon dabei? Doch schnell wird mir klar, dass es gar nicht so einfach ist. Die meiste Zeit über verbreiten wir kleine Unwahrheiten, ohne es überhaupt zu merken. Statt mir die Lüge zu verbieten, muss ich mich heute also bewusst zwingen, die Wahrheit zu sagen.

Es ist Samstagvormittag und ich ­fahre mit meiner Freundin auf die Mariahilfer Straße. Als sie in der U-Bahn neugierig auf mein Handy schauen will, merke ich, dass mich das stört. Heute bin ich streng und sehe auch „seine Meinung verschweigen“ als Unehrlichkeit. Also sage ich ihr freundlich, dass ich das nicht möchte. Akzeptiert sie ­problemlos. Fühlt sich gar nicht schlecht an. Erste Lektion: Die Wahrheit sagen kann ganz befriedigend sein.

Ohne Notlüge muss man wirklich nett sein

Ein junger, leicht bedröhnt wirkender Punk am U-Bahn-Ausgang fragt mich nach einem Euro. Fast reflexartig setze ich an, „Sorry, hab kein Kleingeld“ zu sagen – krame dann aber doch 50 Cent aus meiner Tasche. Zweite Lektion: Wer nicht lügt, muss „wirklich“ nett sein, statt nur so zu tun. Zur aufdringlichen Spendenkeilerin sage ich dafür „Kein Inter­esse“. Tatsächlich lässt sie schneller von mir ab, als wenn ich „Keine Zeit“ sage. Lektion drei: Ehrlichkeit kann einem manchmal auch etwas ersparen. 


Am Ende des Tages bin ich froh, mich selbst nicht mehr so streng beobachten zu müssen. Und zumindest zu KeilerInnen kann ich in Zukunft radikal ehrlich sein. 

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