2 Minuten, 2 Millionen: So läuft es hinter den Kulissen der Startup-Show

Wer streitet mit wem und wie viel Geld ist hier wirklich im Spiel? Am 7. September startet die PULS4-Startup Show 2 Minuten, 2 Millionen wieder – 2M2M-Projektleiterin Caroline Klinger im Interview über Cash, Frauenquoten und dem ultimativen Grund, sich als Frau für den Live-Pitch am WIENERIN Gründerinnentag zu bewerben.

Caroline Klinger, "2 Minuten, 2 Millionen"

Liebe Caro, die Puls4 Startup Show 2 Minuten, 2 Millionen ist quasi die Millionenshow für Gründer*innen – wie viel Geld wurde denn seit Beginn bereits vergeben bzw. investiert?

Caroline Klinger: Es sind mehr als 60 Millionen Euro.

Ist das wirklich alles Cash? Wie viel davon sind Mediakooperationen?

In der Frühjahrsstaffel haben wir mehr als 8 Millionen ausgegeben, davon waren etwas mehr als 2 Millionen Mediabudget und 6 Cash – und so ist auch sonst der Schnitt, also es ist überwiegend echtes Investment.

Und die Investor*innen nehmen auch wirklich selbst Geld in die Hand?

Ja, das ist deren eigenes Geld. Das glauben viele nicht, weil man denkt, das wäre nur Show, aber es ist Geld.

Es ist aber dennoch eine Show – wie geht es hinter den Kulissen wirklich zu?

Die Sendung ist erstaunlich wenig Show, dafür mag ich sie so gern. Sie ist authentisch, das macht sie sehr lebensnah. Es kommen Menschen, die Innovation anbieten und Geld suchen zu Menschen, die Geld haben und investieren möchten. Viele Startups sind bei Investor*innen, die in der Szene weniger verwurzelt sind, tatsächlich unbekannt, manchmal aber kennt man sich schon von Veranstaltungen oder anderen Gelegenheiten – das stimmt schon. Wir laden die Investor*innen aber auch immer ein, uns interessante Startups zu schicken, aber sie wissen wirklich nicht, wer in die Show kommt. Die Startups werden von uns bestmöglich vorbereitet, sie kriegen ein Pitch Coaching, damit der Auftritt gut sitzt und es für die Zuseher*innen interessant ist. Das ist der Show-Teil.

Noch mal hinter die Kulissen geblickt – was wir sehen, ist Pitch und Backstage, aber wenn ihr aufzeichnet, ist das ja viel mehr – was passiert konkret?

Wir zeichnen pro Tag etwa zehn Startups auf, die sitzen auch stundenlang und müssen warten, bis sie dran sind, das ist sehr anstrengend.

Wenn jemand das Startup entsetzlich fand, und ein anderer noch gefühlt 1000 Fragen stellt, dann bringt das schon manchmal Leute zur Weißglut.

Und die Investor*innen? Die sind ja auch die ganze Zeit da – den ganzen Tag. Wird oft gestritten? Wie hält man deren Stimmung aufrecht?

Es ist anstrengend, auch für sie. Wir starten um 8 Uhr und es sind intensive Arbeitstage mit stundenlangen Produktionszeiten. Wir versuchen, sie bei Laune zu halten, mit gutem Essen – was aber nicht immer leicht ist, Leo Hilllinger etwa isst manchmal nur Gemüse und Gurken (lacht). Aber wir versuchen inhaltlich die Zusammenstellung der Startups abwechslungsreich zu halten, damit immer wieder etwas anderes kommt.

Stimmt es, dass Hans-Peter Haselsteiner seine Post ins Studio geliefert bekommt?

Nein, er nimmt sie selbst mit, aber es hat ein eigenes Eckerl, in das er sich während der Umbauzeiten zurückzieht, um die Post zu erledigen.

Worüber streiten die Investor*innen – backstage?

Jeder tickt anders und manchmal ärgert sich jemand, der das Startup entsetzlich fand, weil jemand anderer noch gefühlt 1.000 Fragen stellt. Dann bringt das schon manchmal Leute zur Weißglut, dann wird es schnippischer, aber im Prinzip verstehen sich alle sehr gut.

Am 7. September geht es in die zweite Hälfte der 8. Staffel – ihr habt die Investor*innenrunde erweitert, aber noch immer sind es hauptsächlich Männer. Gibt es keine Frauen, die Geld haben in Österreich?

Es gibt Frauen, die Geld haben, aber diese Frauen wollen meist nicht ins Rampenlicht. Wenn's ums Geld geht, dann ist es schwierig, Frauen vor die Kamera zu bringen. Auch Katharina Schneider hat lange gehadert, bis sie überzeugt war, dass sie sich als Investorin auf die Bühne setzt, aber seitdem nützt sie jeden Aufzeichnungstag, um Frauen Mut zu machen, sich zu zeigen – eben auch im Rampenlicht.

Ein großer Punkt ist eben die Finanzierung, nicht nur bei Shows wie der euren, sondern auch im täglichen Gründungs-Alltag. Marie Hèlène Ametsreiter, Partnerin bei Speedinvest, beschrieb kürzlich in einem Leadersnet-Interview das Dilemma so. Sie sagte, Frauen täten sich bei Investor*innen schwerer, weil "Männer weiblichen Gründerinnen einfach weniger zutrauen als ihren männlichen Gegenstücken" – teilst du ihre Meinung?

Ganz und gar nicht, bei uns ist es anders, bei uns sind alle begeistert, wenn kompetente Frauen reinkommen – da gibt es eine große Sehnsucht, weibliche Gründerinnen zu unterstützen.

Woher kommt diese Sehnsucht?

Ich glaube, weil nach wie vor viel weniger weibliche Gründerinnen am Markt sind.

Wie hoch ist eure Frauen-Quote?

Unser Schnitt steigt stetig, wir haben seit der 6. Staffel um 15 Prozent mehr Frauen dabei. Aktuell ist es so, dass auf zwei Männer eine Frau kommt.

Seit der 6. Staffel haben wir 15 Prozent mehr Frauen dabei - wir haben jetzt eine Quote von 30 Prozent.

von Caroline Klinger

Rund 30 Prozent oder 2:1 – das ist besser als die Realität – da sind Frauen noch in weniger als 20 Prozent der Startups als Gründerinnen vertreten. Wie viel Aufwand betreibt ihr, um diese Frauenquote zu erreichen?

Erst mal: Selbstständig sein ist hart, viele geben dafür Lebensraum und Freizeit auf und investieren alles in diese Selbstständigkeit und mit der Rolle als Mutter ist das oft nicht vereinbar. Ich glaube, als Frau ist es schwieriger das alles zu leisten. Und was tun wir, um es besser zu machen? Wir sind ein großes weibliches Team, wir haben eine weibliche Leitung, eine Regisseurin, eine Produzentin und eine doppelte weibliche Führung bei der Puls4-Sendungsverantwortung und alle legen Wert darauf, dass die Frauen nicht zu kurz kommen.

Müsst ihr aktiv nach Frauen suchen?

Anfangs war das so, mittlerweile zum Glück nicht mehr. Und das hat auch mit der schönen Kooperation mit der WIENERIN zu tun, man merkt, dass hier Frauen zu Wort kommen, dass Unternehmerinnen vorgestellt werden und das ist wie ein Schneeball-System.

Apropos Kooperation: 2 Minuten, 2 Millionen ist auch heuer Partner des WIENERIN Gründerinnentages, der am 8. September in der WKO über die Bühne geht. Gründerinnen können bei einem Live-Pitch vor einer Jury, in der du auch sitzen wirst, eine Wildcard für das 2 Minuten, 2 Millionen Casting zu gewinnen – warum sollte man als junge Gründerin hier bewerben?

Jeder Pitch ist eine Schulung, gibt Selbstvertrauen und die Möglichkeit zu üben – also schon allein deshalb ist es gescheit, sich anzumelden. Das Event ist toll, ich war letztes Jahr dabei, da sind sehr viele enthusiastische Menschen vor Ort und online, und man hat den unmittelbaren Austausch. Die Wildcard ist eine tolle Möglichkeit, letztes Jahr hat MyBioma gewonnen, die Gründerin (Barbara Sladek) hat zwar aus persönlichen Gründen nicht teilgenommen und wir haben Brüsli genommen. Die bekamen das Rewe-Ticket haben insgesamt extrem reüssiert. Also ja, bewerben ist eine gute Idee. Und was man nicht vergessen darf: Man kriegt bei einem Pitch ein knallhartes ehrliches Feedback. Das ist enorm wichtig, denn außerhalb der eigenen Blase schaut die Business-Idee dann manchmal anders. Menschen, die einem nah stehen, trauen sich oft nicht zu sagen: "Das ist totaler Schrott, den du machst!".

Das ist ein totaler Schrott, den du machst!

von Caroline Klinger

Wer ist denn bis jetzt eure erfolgreichste weibliche Gründerin?

Das ist Instahelp mit der Gründerin Bernadette Frech. Sie war in der sechsten Staffel und hat ein Investment von SevenVentures bekommen – 1,5 Millionen TV-Werbung für Österreich, Schweiz und Deutschland und im Nachhinein ist dann auch noch Florian Gschwandtner eingestiegen und die Investorengruppe um Toto Wolf – Instahelp hat sich mittlerweile verdreifacht.

Bernadette war auch schon beim Gründerinnentag der WIENERIN – Instahelp ist eine Plattform, die Coaching beim Thema mentale Gesundheit anbietet – das ist auch aktuell auch sehr zeitgeistiges Thema, oder?

Ja, durch Covid hat das Thema noch einmal mehr Bedeutung bekommen und für den Erfolg denke ich ist es wichtig, sich anzusehen, was hat jemand in der Show bekommen, aber auch, wie ist die Entwicklung dann gelaufen. Und Instahelp ist hier ein tolles Beispiel.

So, jetzt verrate uns noch ein bisschen, was wir ab 7. September bei 2 Minuten, 2 Millionen sehen werden – was wird uns überraschen?

Ich darf jetzt nicht sagen, welches Startup es ist, aber es wird eine Idee geben, mit dem für mich wichtigsten Zukunftsgedanken. Inspirierend.

Wie lange wird es "2 Minuten, 2 Millionen" noch geben?

Hoffentlich noch sehr lange, wir arbeiten bereits an der 9. Staffel.

Fernsehen funktioniert über Quoten – wie viele Menschen schauen 2M2M?

"2 Minuten 2 Millionen" hat enorm viele Stammseher*innen! Die letzte Staffel der PULS 4-Start-Up-Show "2 Minuten 2 Millionen" erreichte 2,5 Millionen Zuseher*innen.

 

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