25 Prozent der Österreicherinnen fürchten sich vor Armut im Alter

Frauen sind generell stärker von Armut betroffen als Männer. Das ist nicht nur faktische Realität, sondern wird von den Österreicherinnen im alltäglichen Leben auch so wahrgenommen, wie eine aktuelle Umfrage der SPÖ-Bundesfrauen zeigt.

Armut

"Armut wird in der Mitte der Gesellschaft ankommen, wenn diese Pläne durchgesetzt werden", sagt Gabriele Heinisch-Hosek bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Die Bundesfrauenvorsitzende der SPÖ kritisiert die geplanten Kürzungen der schwarzblauen Regierung im Sozialbereich als "zynisch" und "widerlich". Das "Ende der sozialen Sicherheit" betreffe besonders Frauen und Kinder.

Fragt man die Österreicherinnen selbst, sehen auch sie Frauen generell viel stärker von Armut betroffen oder gefährdet. Eine von den SPÖ-Frauen beauftragte Umfrage, durchgeführt von der Triple M Matzka Markt- und Meinungsforschung, zeigt: Armut und Armutsgefährdung sind schon längst ein Thema für Frauen in Österreich.

25 Prozent haben Angst vor Armut

In einer repräsentativen Online-Umfrage wurden 513 Österreicherinnen Ende März zum Thema Armut befragt. Die Wohn- und Lebenssituation der befragten Frauen ist dabei, ganz typisch für Österreich, ein kleines bisschen unter dem landesweiten Schnitt.

Erschreckend: Nur 42 Prozent, also weit weniger als die Hälfte, der Befragten kommt sehr gut mit dem Einkommen aus. Das schlägt sich auch in der Zukunftsperspektive nieder. Ein Viertel der Befragten hat selbst Angst davor, in der Pension arm oder armutsgefährdet zu sein. Unter den Alleinerzieherinnen sind es sogar 40 Prozent. Allein im letzten Jahr empfinden vier von zehn Frauen eine Verschlechterung der Lebenssituation von in Armut lebenden Frauen in Österreich.

Was empfinden die Österreicherinnen als "Armut"?

Für die Österreicherinnen bedeutet Armut vor allem, nichts zu essen zu haben. Das hat auch Studienleiterin Christina Matzka überrascht. "Ich dachte, in Österreich ist das Essen kein Thema mehr", sagte sie bei der Präsentation der Ergebnisse. "Aber die Befragten empfanden gerade Lebensmittel als sehr zentral." Weitere Assoziationen betreffen etwa unleistbares Wohnen, hohe Fixkosten und Obdachlosigkeit.

Von Armut betroffen sind in den Augen der Österreicherinnen besonders Alleinerziehende, ältere Menschen und solche mit Mindestpension, Teilzeitbeschäftigte und Kranke. All diese gefährdeten Gruppen hätten den besonders hohen Frauenanteil gemein, betont Matzka. Die Befragten schätzen, dass 40 Prozent der Alleinerzieherinnen und gut jedes vierte Kind arm oder armutsgefährdet ist. Damit liegen sie leider ziemlich richtig: Tatsächlich sind etwa 18 Prozent der Kinder unter 18 arm oder armutsgefährdet.

Beinahe jede zweite der Befragten kennt jemanden, der oder die arm oder armutsgefährdet ist. Unter den Alleinerzieherinnen sind es sogar 57 Prozent. "Alleinerzieherinnen, die selbst stärker von Armut betroffen sind, bewegen sich auch in einem sozialen Milieu, das stärker von Armut geprägt ist", erklärt Matzka.

Wie kommt es zu Armut?

Als häufigsten Grund für Armut und Armutsgefährdung sehen die Befragten eine Arbeitslosigkeit. Knapp dahinter liegen Scheidungen oder Trennungen oder Krankheiten. "Das sind Dinge, die jeden Menschen in Österreich treffen können", betont Matzka. Gerade für Frauen sind Trennungen aus finanziellen Gründen häufig schwierig. Viele müssten sich die Frage stellen, ob sie sich "eine Trennung leisten können." Besonders in Gewaltbeziehungen ist das gefährlich.

Die Regelungen zur neuen Sozialhilfe verschärfe die Situation für Frauen in Gewaltbeziehungen zusätzlich, warnte erst kürzlich der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser. "Frauen können nach einer Beziehung in Gewalt kein eigenständiges Leben führen, weil ihnen die Grundlagen fehlen", sagte Barbara Prettner vom Frauenhaus Neunkirchen im Interview mit der WIENERIN. (>>> hier nachlesen)

Was tun gegen Frauenarmut?

Ganze 90 Prozent sehen die Dringlichkeit von Maßnahmen gegen Frauenarmut. Sie wollen Lohngerechtigkeit, soziale Unterstützung und leistbare und verfügbare Kinderbetreuung. Außerdem halten die Befragten die (höhere) Anrechung von Kindererziehungs- und Pflegeleistungen für die Pension als wichtigstes Instrument für die Armutsvermeidung, knapp gefolgt von einer Unterhaltsgarantie für alleinerziehende Mütter.

Für die befragten Österreicherinnen ist die Sache klar: Nun ist die Politik am Zug. Sie sei in erster Linie verantwortlich für die Lage der Frauen verantwortlich und auch in der Lage, etwas dagegen zu tun. Gabriele Heinisch-Hosek appelliert an die Regierung, und besonders an Familienministerin Juliane Bogner-Straußund Sozialministerin Beate Hartinger-Klein, den Zynismus sein zu lassen und Frauen endlich ernst zu nehmen.

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