23-Jähriger wird nach sechs Jahren in Österreich abgeschoben

Ehsan Batoori wird nach sechs Jahren in Österreich nach Kabul abgeschoben. Seine Freunde in Österreich können es nicht fassen. Wir haben mit ihnen geredet.

Es ist eine Geschichte, die viele Fragezeichen hinterlässt: Mohammad Ehsan Batoori, ein 23-jähriger gebürtiger Afghane, der seit sechs Jahren in Österreich lebt, sitzt derzeit in Schubhaft und wartet auf seine Abschiebung nach Afghanistan. Warum er dorthin abgeschoben werden soll, ist vor allem jenen, die Ehsan persönlich kennen, ein Rätsel.

Freundlich, aufgeschlossen, hilfsbereit - so wird Ehsan beschrieben

Maximilian Ullrich ist ein guter Freund von Ehsan. Seine Familie hatte sich dazu entschieden, den jungen Mann aufzunehmen. "Der erste Eindruck seiner freundlichen, aufgeschlossenen und hilfsbereiten Art hat sich über die Jahre stetig fortlaufend bestätigt und er ist in kürzester Zeit zu einem integralen Bestandteil unserer Familie und unserem Freundeskreis geworden", sagt Maximilian über seine Freundschaft zu Ehsan.

gestern waren wir noch bis halb 4 tanzen. jetzt sitzt mein bruder ehsan, fußballer, sänger, organisator & aktivist, der seit 6 jahren in wien lebt, im schubhaftzentrum rossauer lände - er soll nach kabul deportiert werden - obwohl er dort niemanden hat & hier bestens "integriert" ist - und ununterbrochen anderen menschen beim einleben in österreich hilft. gerade arbeiten wir zb an einem projekt, wo wir afghanische und tschetschenische jugendliche zusammenbringen um gemeinsam zu kickn (eshans idee um frieden und kooperation zwischen den buben zu schaffen) . wir werden alle juristischen mittel nutzen, die uns jetzt noch zur verfügung stehen (dazu mehr am montag) - sollte sich der staat österreich aber trotz unserer beschwerden weigern, diesem wunderbaren menschen ein leben in frieden zu gestatten - dann kennen wir auch andere wege und mittel (demos usw).. i swear. hier ein ausschnit aus einem videoprojekt von eshan, julia, hannah und mir #FreeEshan #StopDeportation #Afghanistan_is_not_save

Posted by Rick Reuther on Sonntag, 26. März 2017

Er sei noch immer beeindruckt darüber, wie entschlossen und schnell Ehsan Deutsch gelernt hat und wie interessiert er an der österreichischen Kultur und Mentalität gewesen sei. Das zeigte sich auch in seinem sozialem Engagement. Er war etwa Teil des Vereins "Afghanische Jugendliche – Neuer Start in Österreich" und hat ein Fußballturnier unter dem Motto "Von Kabul bis Wien" organisiert, um die interkulturelle Kommunikation zwischen österreichischen und afghanischen Jugendlichen zu stärken. Ehsan sei ein Vorzeigebeispiel einer "erfolgreichen Integration, eines engagierten, tüchtigen, hilfsbereiten und arbeitswilligen jungen Mannes, wie es Österreich selten gesehen hat", so Maximilian.

"Seine Abschiebung wäre ein enormer Verlust für uns alle"

"Er hat sich stets sehr offen zu vielen sonst umstrittenen Themen gezeigt, die bestehenden Zustände in Afghanistan kritisiert und sich für die Gleichberechtigung und Stärkung der Frauen ausgesprochen." Er sei sogar zu einem "echten Wiener" geworden. " Seine Abschiebung wäre ein enormer Verlust für uns alle und es wäre schlichtweg ungerecht, ihm keine Chance zu geben, seinen Traum eines neuen Lebens in Österreich zu verwirklichen."

Ehsans Festnahme ist laut Ullrich rechtswidrig ist, da sie auf einen Bescheid des Bundesamts für Fremdenwesen und Asyl (BFA) von 2012 gestützt ist, gegen den längst Einspruch erhoben wurde. Der letzte Bescheid vom BFA wurde vom Bundesverwaltungsgericht zurückgewiesen. Gäbe es genug Zeit, um eine Maßnahmenbeschwerde gegen den Rückführungsversuch einzulegen, könnte die Abschiebung womöglich verhindert werden. Ein Aufenthaltstitel nach Art. 8 EMRK (Europäische Menschenrechtskonvention), hinsichtlich der weitreichenden Integration und Schutzes des Privatlebens, steht Ehsan außerdem zu, argumentiert Rick Reuther von "Asyl in Not - Unterstützungskomitee für politisch verfolgte Ausländer/innen" - und ebenso ein Freund von Ehsan.

Er richtet auf Facebook direkt einen Appell an Bundeskanzler Christian Kern: "Ehsan Batoori bewundert Sie und Ihr Wirken sehr. Er war zwar nicht wahlberechtigt, hat aber immer für Sie und Ihre Politik geworben. Ich glaube sogar, Sie sind mitunter ein Grund, weshalb er in letzter Zeit immer so fesche Anzüge getragen hat."

Hunderte Personen von einer Abschiebung bedroht

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch soll Ehsans Flug nach Afghanistan gehen. Und Ehsan ist nicht der Einzige, der derzeit von einer Abschiebung nach Afghanistan bedroht ist, wie der "Kurier" berichtet. Derzeit sitzen 336 Personen in Schubhaft. Während NGOs die Rückführungen scharf kritisieren, argumentiert das Bundesasylamt, dass es in Afghanistan und speziell in Kabul keine "relevante Gefährdungslage" gäbe. Das sehen Hilfsorganisation anders. Den in Afghanistan lebenden AuslandsösterreicherInnen sowie ÖsterreicherInnen, die sich aus anderen Gründen in Afghanistan aufhalten, wird etwa vom Außenministerium dringend angeraten, das Land zu verlassen.

Auch auf Facebook steigen der Widerstand und der Protest gegen die Abschiebungen nach Afghanistan derzeit stetig. Es wurde sogar eine Petition mit dem Titel "Stoppt die Abschiebungen nach Afghanistan" eingerichtet, die sich an den Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen richtet.

Update: Wie wir soeben von Maximilian Ullrich erfahren haben, hat die Anwältin von Ehsan nun bestätigt, dass er nicht am 29.3. abgeschoben wird. Damit gibt es neue Hoffnung, ihn rechtzeitig rauszuholen. Der Charter nach Afghanistan startet in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch dennoch mit anderen in Schubhaft Sitzenden.

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