14-Jähriger schreibt augenöffnendes Gedicht

Der 14-jährige Royce Mann erkärt beim Poetry Slam seiner Mittelschule so simpel und einleuchtend das Konzept weißer, männlicher "Privilegien".

Es ist ein Gedanke, bei dem sich viele Erwachsene schwer tun, ihn zu verstehen, geschweige denn ihn einleuchtend zu erklären. Aber der 14-jährige Royce Mann hat es geschafft ein gewaltiges Gedicht darüber zu schreiben. Warum haben es Frauen, Schwarze, Menschen mit Migrationshintergrund schwerer auf der Welt? Es sind einfach nicht dieselben Rechte, die jedem Menschen zugestanden werden, aufgrund willkürlicher Faktoren wie Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft.

Der Mittelschüler beweist, dass man keinen Doktor in Kulturanthropologie braucht, um das, was weitläufig als "white male privilege" bezeichnet wird, zu beschreiben. Der 14-Jährige machte bei einem Poetry Slam seiner Schule in Atlanta, Georgia mit und sein Beitrag ist beeindruckendes Zeugnis eines reflektierten Jungens. Er spricht nicht nur über die Rechte, die er vielen anderen Bevölkerungsmitgliedern voraus hat, sondern auch darüber wie sehr Gedanke weh tut, sie aufzugeben. Das Ergebnis ist gewaltig und beeindruckend.

Liebe Frauen, es tut mir leid.

Liebe schwarze Menschen, es tut mir leid.

Liebe asiatische Amerikaner, liebe indigene Einwohner, liebe eingewanderte Menschen, die nach einem besseren Leben suchen, es tut mir leid.

Liebe alle Menschen, die nicht ein weißer Mittelklasse-Junge sind, es tut mir leid.

Ich habe das Leben ganz oben auf der Leiter begonnen, während ihr auf der ersten Stufe anfangen musstet.
Jetzt sage ich, ich würde jede Sekunde mit euch tauschen. Aber wenn ich wirklich in der Situation wäre, würde ich?

Wahrscheinlich nicht, denn ehrlich gesagt ist es ziemlich geil priviligiert zu sein.

Ich sage nicht, dass ich möchte, dass es so bleibt, dass wir auf unterschiedlichen Sprossen der Leiter stehen.
Ich sage nicht einmal, dass auch nur ein kleiner Teil von mir will, dass es so ist.

Ich sage nur, ich liebe es verdammt noch einmal priviligiert zu sein und ich bin nicht bereit, das herzugeben.

Ich liebe es, weil ich "verdammt noch einmal" sagen kann, ohne dass einer von euch mir vorwirft, dass alle mit meiner Hautfarbe schmutzig reden.

Ich liebe es, weil ich nicht jeden Morgen eine Stunde damit verbringe mich zu schminken, um den Standards anderer Leute zu genügen.

Ich liebe es, weil ich darüber nachdenke, was für ein Essen auf meinem Teller ist, anstatt mich darüber zu sorgen, überhaupt Essen auf dem Teller zu haben.

Ich liebe, dass wenn ich einen Polizisten sehe, ich jemanden sehe, der auf meiner Seite ist.

Um ehrlich zu sein, habe ich Angst davor, wie es wäre, wenn ich nicht ganz oben auf der Leiter wäre.

Wenn es umgekehrt wäre, und ich nicht mein kleines Weißer-Junge-Sicherheitsdeckchen hätte.

Wenn ich ein Leben leben würde, das auf dem basiert, was ich nicht habe, anstatt auf dem, was ich habe. Ein Leben, in dem, wenn ich versagen würde, ihr mit: "Hab ich's doch gesagt" reagieren würdet.

Wenn ich dein Leben hätte.

Als ich geboren wurde, war meine Erfolgsgeschichte schon geschrieben. Du hast einen Stift und kein Papier dazu bekommen.

Ich fand das schon immer unfair, aber ich habe mich nie getraut, etwas zu sagen.

Jetzt realisiere ich, dass genug von diesem Sicherheitsdeckchen zum Teilen da ist.

Jeder sollte mein Privilegien haben. Eigentlich sollten es nämlich Rechte sein, und nicht Privilegien.

Alle sollten ihre Geschichte schon geschrieben haben, sodass sie sie nur mehr lesen müssen. Genug gesagt.

Nein, nicht genug gesagt.

Es ist peinlich, dass wir noch immer in einer Welt leben, in der wir andere nach ihrem Gehaltsscheck, ihrer Hautfarbe oder ihren Chromosomen beurteilen.

Es ist peinlich, dass wir unseren Kindern sagen, dass nicht ihre Persönlichkeit, sondern ihre Chromosomen entscheiden, was sie anziehen und wie sie ihre Haare schneiden sollen.

Aber am peinlichsten ist, dass wir es nicht zugeben. Dass wir so tun, als lebten wir in einer gerechten Welt, in einem gerechten Land.

Frauen können wählen? Ihr werdet es nicht glauben, aber Frauen können auch ein Land regieren, ein Unternehmen führen und einen Ball scharf werfen.

Ich weiß, es waren nicht wir 14-jährigen, weißen Buben, die das System gemacht haben, aber wir profitieren jeden Tag davon. Aber wir bemerken unsere Privilegien oft nicht, da sie nicht als etwas, das wir dazubekommen auffallen, sondern als Ungerechtigkeiten, die wir hinnehmen.

Aufgrund meines Geschlechts kann ich jede Sportart im Fernsehen anschauen und mir denken, das könnte eines Tages ich sein.

Aufgrund meiner Hautfarbe kann ich in einem eleganten Restaurant essen, ohne dass das Personal davon ausgeht, dass ich das Besteck stehlen werde.

Aufgrund des Gehalts meiner Eltern kann ich in eine Schule gehen, die meine Träume näher bringt, anstatt weiter weg.

Liebe weiße Jungen, es tut mir nicht leid. Es ist mir egal, dass ihr denkt, Feministinnen verlangen zu viel oder dass die Black Lives Matter-Bewegung zu stark wurde, weil das ist Blödsinn.

Ich weiß, dass Veränderung Angst machen kann, aber Gleichberechtigung sollte es nicht.

Liebe weiße Jungen, es ist Zeit, sich wie eine Frau zu benehmen. Stark zu sein und Veränderung zu bewirken. Zeit, die Angst loszulassen.

Es ist Zeit, die Leiter zu nehmen und zu einer Brücke zu machen.

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