14 Formen von häuslicher Gewalt, die nichts mit Schlägen zu tun haben

Häusliche Gewalt hat erschreckend viele Gesichter - und nicht alle davon sind physisch. Welche Verhaltensweisen auf eine missbräuchliche Beziehung hindeuten.

Formen von Gewalt, die nicht physisch sind

Häusliche Gewalt gehört zum Alltag viel zu vieler Frauen* und Mädchen. Diese Gewalt kann viele Erscheinungsformen haben - und sie ist nicht immer physisch. Als Gesellschaft mögen wir bei häuslicher Gewalt an Schläge und Blutergüsse denken, letztlich geht es Täter*innen aber immer um: Macht und Kontrolle. Und die kann eine Person auch anders ausüben, als mit physischer Gewalt.

Manche dieser Kontrollmechanismen sind offensichtlicher, manche subtiler - aber alle davon sind potentiell gefährlich und müssen ernst genommen werden:

1.) Er*Sie kontrolliert ständig, wo du bist

Was anfangs oft als Aufmerksamkeit und Interesse in einer frischen Beziehung wahrgenommen wird, kann sich in ein gefährliches Muster der Kontrolle entwickeln.

2.) Und vor allem: Mit WEM du dort bist

Das Ziel dahinter ist einfach: Kontrolle über dein Leben und das Auslösen von Schuldgefühlen in dir.

3.) Du "darfst" keinen Kontakt mehr zu Freund*innen oder Familienmitgliedern haben

Sobald dein sicheres Umfeld nicht mehr präsent ist, wird es leichter, dich zu kontrollieren. So wird es auch schwieriger für dich, Hilfe zu finden und aus einer missbräuchlichen Beziehung auszubrechen.

4.) Er*Sie will über deine Finanzen bestimmen

Finanzielle Abhängigkeit ist eine Grundlage für Kontrolle und Macht über eine Person. Missbräuchliche Verhaltensweisen gehen von Einschränkungen des verfügbaren Geldes ("Zu deinem Besten, weil du nicht mit Geld umgehen kannst!") oder der Arbeitszeit ("Du musst nicht soviel arbeiten, ich kann für uns beide sorgen!") bis hin zum gezielten Zerstören der Kreditwürdigkeit - etwa indem sie deine Konten bewusst überziehen oder dir Geld stehlen.

5.) Oder die Passwörter zu deinen Social Media Accounts haben

Social Media Accounts sind sehr privat und intim - und ein perfekter Weg, um dein Leben und deine Kontakte zu kontrollieren.

6.) Alles ist Grund für Eifersucht

Missbräuchliche Beziehungen sind häufig von Eifersucht geprägt - bis hin zum ständigen Vorwurf, untreu gewesen zu sein. Als Beschuldigte bringt dich das in eine konstante Erklärungsnot und eine defensive Position.

7.) ... auch, wenn du mal nicht zurückschreibst oder das Telefon abhebst

Neue Technologien können kontrollierendes Verhalten auf eine völlig neue Stufe heben: Durch die scheinbar ständige Erreichbarkeit kann ein*e missbräuchliche Partner*in tatsächlich fast den ganzen Tag einnehmen und Streits und Rechtfertigungsversuche vom Zaun brechen, wenn eine Textnachricht oder ein Telefonanruf mal unbeantwortet bleibt.

8.) Trotzdem: Du bist "nicht gut genug"

In einer missbräuchlichen Beziehung kann und wird alles an dir schlecht sein: dein Aussehen, deine Intelligenz, dein Stil oder deine Freund*innen. Angriffe auf das Selbstwertgefühl sind eine Form von emotionalem Missbrauch und ein Weg, um Kontrolle über den*die Partner*in zu gewinnen.

9.) Und "Treuepflicht" gilt nur für dich

Missbräuchliche Partner*innen sind häufig untreu, schieben die Schuld daran aber gerne ab, um die*den Betroffenen zu verletzen und ein Schuldgefühl in ihm*ihr auszulösen.

10.) Sex wird zur Bedingung

Sexualisierte und häusliche Gewalt haben häufig mit Vergewaltigungen und Nötigung zu tun. Eine missbräuchliche Beziehung kann sich aber auch anders zeigen - wenn Partner*innen ihr Recht auf Sex als gegeben empfinden und das auch so einfordern. Täter*innen stützen sich oft auf Genderstereotype, um ihren Willen durchzusetzen und framen Sex als Ausdruck von Liebe und Zuneigung.

11.) Deine reproduktiven Rechte werden eingeschränkt

Pille oder Spirale oder doch Kondom? Eine Form von häuslicher Gewalt ist die Einschränkung der Entscheidungsfreiheit in der Verhütung. Manche Partner gehen so weit und beschädigen oder verstecken etwa die Antibabypille um die Kontrolle über ihre Partnerin zu wahren. Die Entscheidung über den Körper muss aber immer die eigene bleiben - wird das nicht akzeptiert, ist es bereits ein Warnsignal.

12.) An allem bist sowieso du Schuld

Was Täter*innen besonders gerne tun: Dir die Schuld an ihrem missbräuchlichen Verhalten geben. Immerhin hättest du sie provoziert oder es durch deine eigenen Handlungen auch irgendwie verdient. Victimblaming passiert leider nicht nur durch Dritte, sondern auch in einer missbräuchlichen Beziehung - und es ist immer, immer, immer falsch.

13.) Und eigentlich bildest du dir das alles nur ein..!

Gaslighting ist eine besonders häufige Form von emotionalem Missbrauch. Täter*innen überzeugen ihre Partner*innen davon, dass sie es wären, die "verrückt" sind. Betroffene hinterfragen irgendwann ihre eigene Wahrnehmung und trauen ihrer Einschätzung nicht mehr. Das Ziel der Gaslighter*innen ist einfach: Ihre Opfer sollen die Realtität nicht mehr korrekt einschätzen können, so sind sie leichter zu kontrollieren.

 

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