13 Lügen, die wir Mädchen nicht mehr über Sex erzählen dürfen

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Es gibt wohl nichts, das für Mädchen und Frauen mit mehr Scham behaftet ist als Sexualität. Die Beziehung zum eigenen Körper, zu anderen Körpern - die Gesellschaft erfährt große Genugtuung daraus, die Sexualität junger Frauen zu kontrollieren und bestimmt, was sich ziemt und was nicht.

Die Sexualerziehung, die junge Menschen in der Schule erfahren, lässt aus vielen Gründen zu wünschen übrig - ein Beispiel etwa ist die auch im Jahr 2019 fehler- und lückenhafte Darstellung und Benennung von Geschlechtsteilen. Die Aussparung von Geschlechtsidentitäten abseits biologischer Zugehörigkeiten sei da noch gar nicht erwähnt.

Wissen ist Macht - es ist also höchst an der Zeit, Mädchen eine gesündere, offene Beziehung zum Thema Sex zu ermöglichen. Indem wir aufhören, ihnen zum Beispiel die folgenden Märchen darüber zu erzählen.

13 Sex-Lügen, die wir Mädchen nicht mehr erzählen dürfen

1. Sex tut manchmal weh

Sex soll nicht weh tun und schon gar nicht müssen Schmerzen während des Sex ausgehalten werden. Weder bei der vaginalen Penetration noch bei der analen – vor allem bei letzterem kann das nicht oft genug gesagt werden: Einvernehmlicher, respektvoller und einfühlsamer Analverkehr fühlt sich gut an. Dafür braucht es Zeit und Vertrauen und keine Betäubungscremes.

Tatsächlich existieren Krankheiten wie Vaginismus und Vulvodynie, wenn auch wenig bekannt. Wenn Sex also trotz bester Voraussetzung schmerzhaft bleibt, kann eine solche Diagnose dahinterstecken.

2. Frauen denken nicht oft an Sex und finden zwanglosen Sex nicht gut

Frauen mögen Sex - genauso wie Männer das tun. Das ist kein Trend, sondern Fakt. Der Glaube von der nicht an Sex interessierten Frau (siehe auch Punkt 8, Stichwort "frigide") hält sich auch deshalb, weil Frauen als der vernünftige Teil einer Beziehung porträtiert werden. Männer sind kindisch, abenteuerlustig, spielerisch. Frauen organisieren und kümmern sich.
Genauso wie es nicht fair ist, Männern zu vermitteln, dass sie "unmännlich" seien, wenn sie nicht jede freie Minute an Sex denken und jede Möglichkeit, solchen zu haben, annehmen, ist es schlicht falsch, jungen Mädchen zu erzählen, es schicke sich nicht, als Frau viel Lust auf Sex zu haben - und diese auch auszuleben.

3. Alle Frauen werden mit einer Vagina geboren

Einige der Dinge in dieser Liste beziehen sich auf die Anatomie von Menschen, die bei der Geburt als weiblich zugeordnet wurden. Damit sollen Themen angesprochen werden, die bis dato als Tabu gelten, das Ziel ist aber keinesfalls Exklusion.
Geschlechtsidentität ist nicht gleich biologisches Geschlecht. Trans-Frauen sind Frauen.

4. Deine Jungfräulichkeit ist wichtig und wertvoll

Abgesehen von der Tatsache, dass die ganze Idee von Jungfräulichkeit ziemlich dubios ist, ist es nicht weiter überraschend, dass es medizinisch keine Möglichkeit gibt, zu sagen, ob jemand Jungfrau ist oder nicht. Auch nicht an einem "zerrissenen" Jungfernhäutchen.

Das Hymen reißt üblicherweise im Laufe der Pubertät. Das kann beim Trampolinspringen, beim Reiten, bei jedem Sport passieren. Manche Frauen werden überhaupt ganz ohne geboren.
Trotz der Tatsache, dass die Hälfte der Frauen während des ersten penetrativen Sex überhaupt nicht blutet, wurden Blutstropfen auf den Laken zum fixen Beweis für das Verlieren der Jungfräulichkeit.
Der Mythos hält sich hartnäckig, was einen ganzen Markt bedient: künstliche Jungfernhäutchen, die chirurgische Wiederherstellung desselben - Patriarchat und Kapitalismus, what a team. Am schlimmsten daran: dass junge Mädchen über ihre Jungfräulichkeit bewertet werden.

5. Blut und Schmerzen: Das erste Mal tut immer weh

Ein Großteil der Schmerzen, den junge Mädchen und Frauen während der ersten sexuellen Erlebnisse erfahren, kommt von erhöhter Muskelanspannung auf Grund von Nervosität.
Ist Blut im Spiel, kommt es oft von kleinen Einrissen in der Vagina wegen fehlender Feuchtigkeit und unerfahrenen Bewegungen und nicht dem Einreißen des „Jungfernhäutchens“.
Nennen wir es "self-fulfilling prophecy": Wenn wir damit aufhören, Mädchen zu sagen, dass sie sich vor dem ersten Mal fürchten müssen, und ihnen stattdessen beibringen, auf ihren Körper zu hören und ohne Scham auszuprobieren, wären die Dinge in Zukunft bestimmt für alle Beteiligten um einiges angenehmer.

6. Zu viel Sex leiert deine Vagina aus

Jaja, das Patriarchat denkt sich vielerlei aus, um jungen Frauen einzutrichtern, dass zu viel Sex sie für den „Einen“ unattraktiv machen würde.
Und wie so oft sind das schönste Beweismittel auch hier: Fakten. Tatsächlich sind Frauen genauso wie Männer übrigens unterschiedlich, was Größe, Form und natürlich auch Aussehen ihrer Geschlechtsorgane betrifft.

Die Vagina ist wie ein Gummiband. Deshalb hinterlässt auch die vaginale Geburt eines Kindes keine "bleibenden Schäden". Viele Frauen berichten, dass sie sich nach einer solchen anders fühlen (und dieses Gefühl ist auf Grund von Emotionen, Geburtserlebnissen, Beckenbodenmuskulatur und nicht zuletzt Empathie der/des PartnerIn extrem subjektiv), was ihre Scheide betrifft, aber wir sollten jungen Frauen viel mehr beibringen, dass Unterschiede normal sind. Und kein Mangel.

7. Kondome hat immer der Mann dabei

Niemand braucht sich in Sachen Schutz und Sicherheit auf jemand anderen verlassen. Die Person, die am besten dafür sorgt, bist du. Kondome in der Tasche zu haben, macht dich zu nichts anderem als einem intelligenten, verantwortungsbewussten Menschen.

8. Wenn die Frau keinen Sex will, ist sie selber schuld, wenn ihr Freund sie betrügt

Der Mythos der "frigiden Frau" baut auf der überholten – oder besser: einfach dummen – Behauptung auf, dass Frauen dafür zu sorgen haben, dass ihre Männer befriedigt sind. Wenn sie das nicht tun, "holt er es sich woanders". Tipp: Statt einfach aus Faulheit und Bequemlichkeit Untreue auf Gender-Stereotype zu schieben, versucht es doch mal mit persönlicher Verantwortung. Männer haben es schließlich wirklich nicht verdient, wie Tiere behandelt zu werden, die sich nicht unter Kontrolle haben.

9. Sex ist gleichbedeutend mit Penetration

Das bekannte Narrativ von der Jungfräulichkeit, die durch Penis-in-Vagina-Penetration endet, greift aus vielen, vielen Gründen zu kurz. Angefangen beim Mythos Jungfernhäutchen bis hin zum Ignorieren von oralem und analem Sex, den Erfahrungen und der Sexualität von LGBTQIA+-Menschen und nicht zuletzt dem individuellen Verständnis von Intimität.
Sex ist so viel mehr als das bloße Zusammenstecken zweier bestimmter Körperteile.

10. Wenn du einmal mit Sex angefangen hast, kannst du nicht mehr "nein" sagen

Das ist im Großen wie im Kleinen schlicht falsch: Wer mit 15 sein erstes Mal erlebt hat und danach erst mal keinen Sex mehr möchte, muss das nicht. Wer schmust und fummelt, muss nicht zwingend auch noch den nächsten Schritt gehen. Wie sagte Amber Rose einst so treffend: "Und wenn ich splitterfasernackt neben einem Typen liege und er hat schon das Kondom übergestreift und ich sage 'hey, ich will das nicht, ich hab es mir anders überlegt', dann heißt das genau eines: nein."

11. Sexuelle Belästigung ist normal

Auch wenn sie sich für viele junge Mädchen und Frauen heutzutage als unausweichlicher Teil des Lebens anfühlt: Sexuelle Belästigung ist nicht die Norm. Und nichts, womit man als Frau rechnen sollte und schon gar nicht muss. Nichts von dem, was jemand trägt oder tut, rechtfertigt sexuelle Belästigung. Niemals.

12. Alle tun es – so früh wie möglich

In etwa jede zweite junge Frau erlebt ihren ersten Geschlechtsverkehr im Alter zwischen 16 und 18 Jahren (zur Statistik). Das heißt, dass die Hälfte der Mädchen früher oder später den ersten Sex erlebt. Und manche haben weder mit 15 noch mit 22 Lust darauf. Und all das ist völlig in Ordnung.

Spaß an Sex zu haben heißt nicht, "es" ständig zu tun oder jeden dazu ermutigen. Sex-Positivity heißt, zu verstehen, dass Sex immer sicher, frei von Scham und, vor allem, aus den freiwilligen, individuellen und informierten Gründen passieren sollte.

13. Wenn dir jemand etwas kauft, nett zu dir ist oder etwas für dich tut, schuldest du ihnen Sex

Egal, ob es ein Drink oder eine Diamantenkette ist: Sex schuldet man niemandem. Nie.

 

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