12 Tipps gegen Gewalt am Oktoberfest

O’grapscht is‘! Das größte Volksfest der Welt ist nicht nur ein sehr feuchtfröhliches, sondern auch ein gefährliches. Zumindest für Frauen – denn seit Jahren steigen die Zahlen sexueller Übergriffe auf der „Wiesn“.

Das Bier fließt in Massen, die Weißwürste braten vor sich hin, die Stimmung ist ausgelassen. Doch das Oktoberfest, das derzeit in München über die Bühne geht, zeigt auch heuer wieder sein hässliches Gesicht: die Zahl der sexuellen Übergriffe auf Frauen steigt stetig. Einige Fälle aus der Polizeistatistik des letzten Jahres zeigen: Grapschen – und Schlimmeres – steht hier an der Tagesordnung. Männer, die Frauen unter dem Rock fotografierten, Männer, die gegen den Willen der Frauen versuchten, sie auf das Dekollete zu küssen, Griffe auf die Genitalien – die Liste ist lang. In zwei Fällen wurde sogar wegen Vergewaltigung ermittelt.

Sichere Wiesn

Damit auch Frauen ihren Wiesn-Besuch genießen können, gibt es die Aktion „Sichere Wiesn“. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind vor Ort als Ansprechpersonen für betroffene Frauen da und sollen für mehr Sicherheit sorgen. Dahinter stecken drei Vereine, die sich in München gegen Gewalt an Frauen einsetzen: Frauennotruf, Imma – Initiative für Münchner Mädchen und Amyna – Institut zur Prävention von sexuellem Missbrauch.

Im Jahr 2013 hat die Anlaufstelle 156 Opfer betreut, im Jahr 2014 waren es schon 221 (200 Frauen und 21 Mädchen), „deren Eigenschutzfähigkeit auf unterschiedliche Weise eingeschränkt war“, wie im Jahresbericht zu lesen ist. Die Frauen wurden in den 16 Wiesntagen vom Team des Security Point stabilisiert, beraten und begleitet. Knapp die Hälfte aller Klientinnen (48 Prozent) kam aus dem Ausland. Auch in punkto Partnerschaftsgewalt passierte viel – viele Frauen, die von ihren Freunden und Ehemännern angegriffen und geschlagen wurden, meldeten sich im vorigen Jahr bei der Anlaufstelle.

Um die Anzahl der Übergriffe zu verringern und Frauen zu schützen, hat die Initiative 12 nützliche Tipps für Frauen und Mädchen ausgearbeitet:

12 Tipps, um sich vor Übergriffen zu schützen

1. Vorher einen Treffpunkt mit FreundInnen vereinbaren, falls jemand verloren geht.

2. WiesnProtect"-App herunterladen: Von der Aktion "Sichere Wiesn" gibt es eine App, die wichtige Informationen liefert. So finden Oktoberfestbesucherinnen alle wichtigen Telefonnummern, eine separate Notruf-Funktion, den MVG-Fahrplan, eine Ortsbestimmung und den Security Point auf der Karte.

3. "Survival Kit": Tragen Sie etwas Geld, Handy, Schlüssel und ggf. Hoteladresse am Körper. Pfefferspray und andere Verteidigungswaffen sind in den Zelten nicht erlaubt.

4. Achtung, K.O.-Tropfen! Es gab mehrere Verdachtsfälle auf dem Oktoberfest – Getränke sollten daher nie unbeaufsichtigt bleiben.

5. Wiesn-Bier: Das Bier auf dem Oktoberfest ist besonders stark. Wenn Sie Bier trinken, bestellen Sie zwischendurch Wasser oder Radler und fühlen Sie sich nicht gezwungen, immer mitzutrinken.

6. Nein-Sagen, wenn man etwas als unangenehm empfindet. Grapschen und blöde Anmache muss sich niemand gefallen lassen. Manchmal kippt auch eine nette, witzige Situation. Ein klares "Stopp!" oder "Lassen Sie das!" macht klar, dass die Grenze erreicht ist.

7. Keine Angst vor Peinlichkeiten: Betroffene sollten laut und deutlich sagen, wenn sie etwas nicht wollen oder sich über jemanden oder etwas ärgern. Zum Beispiel: "Nehmen Sie Ihre Hände von mir weg!"

8. Schließen der Zelte bei Überfüllung: Verlassen Sie das Zelt zusammen mit einer vertrauten Person. Es kann sein, dass man nicht wieder hineingelassen wird.

9. Fahrgeschäfte: Auch hier gibt es sexuelle Übergriffe. Am besten, Sie fahren mit einer vertrauten Person. Wenn Ihnen etwas Unangenehmes passiert, sollten sie den Security Point aufsuchen.

10. Im Notfall sollten Sie immer zum Helfen auffordern – am besten eine konkrete Person: "Sie mit dem roten Pulli ...!" Oder holen Sie direkt Hilfe vom Personal des Zeltes. Verteidigen sich, wenn nötig und rufen Sie die Polizei (110).

11. Heimweg planen: Vor allem wer sich in München nicht auskennt, sollte seinen Weg zur Unterkunft vorab genau planen. Außerdem: Niemand sollte das Oktoberfest alleine oder mit einem Unbekannten verlassen. Wer sich unsicher fühlt, sollte sich einer Frauengruppe anschließen.

12. Nicht zum Schlafen hinlegen! Wer müde oder betrunken ist und seine Freunde verloren hat, sollte zum Security Point kommen.

Aktuell