1.000 Träume und kein Plan?

Scanner - vielseitige Dilettanten?

Zugleich begleitet Scanner oft Angst, weil sie sich nie für nur eine Sache entscheiden können. Viele fürchten das Urteil ihrer Mitmenschen. Oder hadern damit, ob es den einen, den einzig richtigen Job für sie überhaupt gibt. Barbara Sher kennt die „Bin ich noch normal?“-Befürchtungen und beruhigt: Mit Scannern ist alles in Ordnung. Sie bricht eine Lanze für die Multitalente, die in unserer Arbeitsgesellschaft oft schräg angeschaut werden, weil es nicht in das Bild passt, heute hier und morgen fort zu sein.

Scanner, sagt Sher, seien hochintelligent, sie haben nur ein „Problem“: die anderen. Sie müssten aufören, sich anpassen zu wollen und sich mit der Mehrheit zu vergleichen – jene, die ihnen mangelndes Sitzfleisch unterstellt. Oder vorwirft, dilettantisch zu arbeiten, in nichts wirklich Experte zu sein. Gertrud Lehner kennt diese Vorurteile. Mit 16 machte sie einen Test bei der Berufsberatung. Das Ergebnis: Sie hat viele Talente und Interessen. Doch das verhieß aus Sicht der Berufsberater nichts Gutes. Statt ihn positiv zu deuten – „Gertrud kann alles“ –, sagte man ihr: „ Mit deinem Ergebnis kann man nichts anfangen. Für dich gibt es nichts, was genau passen würde.“ Dabei kommt es nur auf die Perspektive an, weiß Lehner heute. „Es tut gut, ständig anderes anzupacken. Es macht einen offener, man traut sich alles zu. Die Gesellschaft aber meint, Scanner können sich nirgends einfügen.“

Jobs für Scanner
Die wichtigste Erkenntnis aus dem Scanner-Handbuch: Pfeifen Sie auf die Mehrheit – den „einen wahren“ Job zu finden, würde ja nur bedeuten, ein Leben lang dasselbe
zu machen. Langweilig, oder? Es gibt unterschiedliche Modelle, die Ihre Sehnsüchte befriedigen. Sie können etwa Saison-Jobs machen (z. B. mal Fotograf, mal Bademeister, mal Reiseleiter).

Auch das „Arzt-Modell“ kann helfen: Dabei teilen Sie bestimmte Tage für den Job sowie die Interessen ein. Beim „Schirm-Beruf“ verwerten Sie ein Thema mehrfach, z. B.
als Autor, Journalist, Informationsbroker. Wichtig: Nicht jeder muss im Beruf die Erfüllung finden, von dieser Bürde sollten sich Scanner freimachen! Statt des Traumberufs darf es auch der Job sein, der den Traum finanziert.

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