1.000 Träume und kein Plan?

Sie müssen nicht nach DEM Traumberuf suchen, denn: Mit vielen Talenten ist man ein „Scanner“ – und muss sich gar nicht entscheiden.

Sie müssen nicht nach DEM Traumberuf suchen, denn: Mit vielen Talenten ist man ein „Scanner“ – und muss sich gar nicht entscheiden.

Text: Mareike Müller

Manchmal wird Gertrud Lehner beim Lesen ihres Lebenslaufs selbst ganz schwindlig: Die 48-jährige Mutter zweier Kinder aus Seefeld in Tirol hat bisher bereits mehr Jobs gehabt, als normalerweise in ein ganzes Leben passen. Sie hat eine Ausbildung als Schneiderin und eine Lehre zur Fotokauffrau. Sie war Gouvernante im Hotel und Restauratorin. Sie hat in einem Kinderheim, einer Bäckerei und in einem Sanitätshaus gearbeitet sowie einen Buchhaltungskurs belegt. In einem Drogeriemarkt übernahm sie die Filialleitung, jetzt hat sie gerade eine Ausbildung zur Hörgeräteakustikerin abgeschlossen.

Und eigentlich wär sie auch gern Fotografin. Deshalb knipst sie in ihrer Freizeit und schweißt die Bilderrahmen für ihre Fotoausstellung selbst zusammen. „Ein einziger Beruf hat mich nie gereizt“, sagt Lehner. „Ich kann mir vieles vorstellen, mich für alles begeistern. Also probiere ich es aus.“ Beim Vorstellungsgespräch neulich hat sie sich trotzdem für ihren „Kraut und Rüben“-Lebenslauf entschuldigt. Weil’s so aussehen könnte, als hätte sie kein Durchhaltevermögen. Oder als würde sie ständig wechseln, weil sie in keinem Beruf richtig gut wäre.

Wissen ist Motivation
Scanner nennt die US-amerikanische Autorin und Karriereberaterin Barbara Sher Menschen wie Gertrud Lehner. In ihrem Buch "Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast" (dtv premium, € 15,50) beschreibt sie, wie dieser Menschentyp tickt: Sie sind neugierig auf viele Dinge, die nicht miteinander in Verbindung stehen. Einmal finden sie Teppichknüpfen interessant. Im nächsten Monat brennen sie fürs Tangotanzen. Und während sie in der Arbeit sitzen, liebäugeln sie mit ganz anderen Berufen. Hebamme wär doch interessant. Oder Tourguide in Afrika. Oder vielleicht sollte man doch Landschaftsplanerin werden, der Professor an der Uni hat schließlich immer das gute, räumliche Auge gelobt.

Was Scanner auch noch auszeichnet: Sie wollen Spaß haben. Und sie lernen schneller als die meisten Menschen. Neues Wissen ist für sie eine Riesenmotivation, aus der sie Kraft ziehen.

Sind Scanner nichts anderes als vielseitige Dilettanten?
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