10 min mit … Rolando Villazón

Der 36-jährige Mexikaner hat die Opernbühnen der Welt erobert. Bis sein Körper streikte. Der Tenor über sein Burn-out, wo er Kraft schöpft und worüber er lachen kann.

Der 36-jährige Mexikaner hat die Opernbühnen der Welt erobert. Mit seiner Stimme und seinem Humor. Bis sein Körper streikte. Der Tenor über sein Burn-out, wo er Kraft schöpft – und worüber er lachen kann..

Interview Johanna Jenner Foto Felix Broede/DG (Deutsche Grammophon)

Am 27. Juni werden Sie Wien verzaubern, wenn Sie mit Anna Netrebko und Placido Domingo in Schönbrunn ein Konzert geben. Was finden Sie an Wien bezaubernd?
Ich liebe die Sachertorte. Ich liebe die Stadt, die Architektur. Und ganz besonders liebe ich es, wie wichtig die klassische Musik für die Menschen ist.

Heute lieben Sie Ihren Beruf. Dabei wollten Sie einmal Priester werden …
Ja, ich besuchte sogar ein Priesterseminar. Ich überlegte es mir doch anders. Dann arbeitete ich ein Jahr als Clown. Wir sind von Party zu Party gezogen und haben Sketche vorgeführt. Schauspieler wollte ich auch einmal werden. Ich wollte nicht immer Sänger werden, ich wusste nur, dass ich auf der Bühne sein wollte. Dann habe ich die Stimme gefunden oder die Stimme mich. Mit 20 Jahren war klar: Ich werde Opern­sänger. Die Oper ist Schauspielen, ein bisschen Clown sein und Singen.

Apropos Clown: Sie werden als „Mr. Bean der Oper“ bezeichnet, Sie zeichnen Karikaturen und bringen andere Menschen zum Lachen. Über was können Sie lachen?
Am liebsten lache ich über mich selbst. Das macht auch der Clown den ganzen Tag. Außerdem gibt es immer einen Witz in jeder Situation. Das heißt aber nicht, dass man mit Humor vor der Realität davonlaufen soll. Die Realität ist oft traurig, da brauchen wir nur die Zeitungen aufzuschlagen. Humor muss dazu da sein um die Realität zu unterstreichen. Wir sollten nicht die Augen verschließen und denken: „Oh, what a wonderful world“ (singt). Deswegen liebe ich auch die Maske vom Clown: Er ist traurig und trotzdem lacht er. Der Humor sollte kein Versteck sein, er muss unsere Ritterrüstung sein. Mit Spaß und Humor können wir Blumen in dem dunklen Dschungel der Realität pflanzen. Ach, was rede ich ...

Was tun Sie für Ihre gute Laune?
Ich spiele viel. Mit meinen Kindern und auf der Bühne. Ich suche die ganze Zeit das Kind in mir und möchte dieses Kind zum Lachen bringen. Und ich singe. Ich singe überall. Unter der Dusche oder vor dem Fenster meiner Frau. Das habe ich viermal gemacht: um ein Uhr in der Nacht vor dem Fenster mit Mariachis gesungen. Wir Mexikaner machen das. Und singen: „Dulce amor mia vida“ (singt). Meiner Frau hat das gefallen. Ach ja und ich singe Schlaflieder für meine Kinder. Die wollen aber lieber, dass ich ihnen Gutenachtgeschichten vorlese. Dann sage ich: „Nein, ich singe jetzt.“ Dann sagen sie: „Nein, nein, Geschichte, Geschichte!“

(...)

Wie Rolando Villazón nach seinem Burn-out wieder Kraft tankte, lesen Sie in der Juni-Ausgabe der WIENERIN.

Villazon_2007_09_rand

Rolando Villazón: „Ich singe überall. Unter der Dusche oder vor dem Fenster meiner Frau.“

Links:
extern_link Rolando Villazón

Aktuell