10 Kilo abgenommen, ganz ohne Mühe

14 Jahre lang versuchte Journalistin Sylvia Margret Steinitz zu ihrer schlanken Teenagerfigur zurückzufinden. Stattdessen wanderte der Zeiger der Waage stetig nach rechts. Dann musste sie aus gesundheitlichen Gründen Gewicht verlieren. Und fand einen neuen Zugang zu ihrem Körper und nahm ab.

Für diesen Artikel durfte die Autorin drei Monate lang das Personal-Training-Programm von b-inform sowie für einen Monat das Coaching von Kollmann - Raum für Glück und Erfolg testen. Diese Anbieter stellen lediglich Beispiele für die vorgestellten Methoden dar. Bitte prüfen Sie entsprechende Angebote in Ihrer Umgebung.

Alles gut, dachte ich lange. Der Zeiger der Waage war, im Gegensatz zu den Jahren davor, nicht mehr weiter nach rechts gewandert. Und schließlich hatte ich Karriere in einem Lifestyle-Umfeld gemacht, Affären gehabt, mich ver- und wieder entlobt. Die Kilos hatten dabei keinen Unterschied gemacht. Dumme Bemerkungen lachte ich weg, beleidigende Äußerungen quittierte ich mit einem frechen Konter.

Aber irgendwann erkannte ich: Wenn man vier Kilo vom Hunderter entfernt ist, dann geht es nicht mehr darum, welche Kleider einem noch passen oder ob man sich selbst zum Role Model aufschwingt. Es geht darum, dass es dem Körper möglicherweise zu viel wird. Und ja, auch der Psyche. "Big is beautiful" ist dann eine Option, wenn du rund genauso gut oder besser aussiehst als schlank. Dazu brauchst du aber die richtige Grundfigur: Sanduhr statt Zylinder. Ich bin Letzteres. Sie denken, eine emanzipierte Frauenmagazinredakteurin sei immun gegen Figurzwänge? Kriegt ein Arzt nie Grippe? Nein, die Kilos mussten runter. Und genau hier setzte mein Problem an.

Es gibt, grob betrachtet, zwei Stresstypen. Die einen schwinden unter Stress dahin. Die anderen schütten vermehrt das Hormon Cortisol aus, das zur Gewichtszunahme führt, auch wenn sie nicht viel mehr essen. Kommt der Druck, kommen die Kilos, kommt die Unzufriedenheit. Kein Wunder, wenn man voller Zeug ist, das befiehlt: Renn! Kämpf! Flieh! Das gilt übrigens auch und vor allem für den Stress, der beim Abnehmen entsteht. Und das Auf und Ab auf der Waage schiebt man dann fälschlich auf den Jo-Jo-Effekt.

Ich bin so ein Cortisol-Typ.

Das ist natürlich doppelt blöd in einer Gesellschaft, die auf vielen Ebenen ausschließlich über Druck funktioniert, vor dem man sich mitunter durch Verstärkung der eigenen Hülle zu schützen versucht. Ich fuhr im Alltag gut damit. Aber mein Körper irgendwann nicht mehr. Im Spital bekam ich meinen Patientenbogen in die Hand. Darauf stand: "Pat. befindet sich im üg. EZ." Das ist Mediziner-Sprech für "Die Patientin ist zu dick." In diesem Moment wusste ich: Ich muss was tun. Doch wie gesagt: Das "müssen" ist (bei mir) gefährlich.

DIE PROFIS.

Dann traf ich die Wiener Trainerin Mara Tanzer. "Sie denken falsch", sagte sie. "Sie glauben, Sie müssten alles alleine schaffen. Müssen Sie aber nicht. Sie nehmen für berufliche Ziele ja auch einen Coach. Warum dann nicht für dieses wichtige Ziel?" Das war einleuchtend. Meine erste Erkenntnis:

Wenn Sie sich alleine im Kreis bewegen, suchen Sie sich Hilfe.

Skeptisch, aber ergeben trat ich in Tanzers Studio b-inform an. Sie versprach auf ihrer Webseite "einen gesunden, trainierten Körper, strahlendes Aussehen und innere Stärke". Innere Stärke? Konnte ich brauchen. Tanzer teilte mich zu zwei Trainingseinheiten pro Woche von nur 30 und 45 Minuten ein. Ich wunderte mich. Und als ich nach der ersten Session nicht mal schwitzte, fragte ich vorsichtig nach: "Sind Sie sicher, dass ich auf die Art abnehme?" Sie lachte. "Sie werden am Anfang sogar zunehmen - nämlich Muskeln. Vergessen Sie die Kilos. Schmeißen Sie Ihre Waage weg. Sie wollen einen gesunden, starken Körper? Daran arbeiten wir." Dann erklärte sie: "Typen wie Sie verausgaben sich, halten ein paar Wochen brav durch - und sind dann weg." Ich lächelte ertappt. "Sie kommen nur dann gerne, wenn Sie die gestellten Aufgaben sicher bewältigen können", sagte die Trainerin. Ich nickte. "Also werden wir so arbeiten." Ich gewann eine neue Einsicht:

Bleiben Sie immer in der Erfolgs(erlebnis)-Zone.

Wir starteten "soft". Acht Wiederholungen einer Übung - am Rücken liegend einen Ball hochwerfen und mit den Beinen auffangen - absolvierte ich bravourös. "Sehr gut!", lobte Mara Tanzer, und ich fühlte mich bereits stark und schlank. Das Ball-Werfen wurde zu meiner Lieblingsübung. Ich hatte Erfolgserlebnisse und nach einem Monat den gesunden Ehrgeiz entwickelt, auch andere Übungen ähnlich gut schaffen zu wollen. Nach zwei Monaten erkannte ich, wie schlecht ich beieinander gewesen war. Hätte man mir diesen Umstand anfangs vor Augen gehalten, ich hätte wohl gleich wieder aufgegeben. Und das führt mich zum nächsten Tipp:

Suchen Sie einen Personal Trainer, der Sie erkennt und motiviert.

Ich, die immer gegen Personal Trainer gemotschkert hatte (hauptsächlich wegen des Schummelausschlusses), bin inzwischen bekehrt. Ja: Personal Trainer kosten Geld. Und manchmal muss man für ihre Finanzierung auch sparen. Ich legte vor allem für Vacu-Former-Sessions Geld zur Seite. Denn mir haben sie geholfen. Nicht nur ursächlich, sondern auch begleitend: Dieses Umsorgt-Werden, die Wertschätzung des Körpers, den man doch so "urghhh" findet, löste in mir das Bedürfnis aus, mich mehr um mich zu kümmern. Und das führt mich zum nächsten Tipp:

Achten Sie auf Ihre Schönheit und Ihr Wohlbefinden.

Besonders, wenn man abnimmt, sollten Schönheitsbehandlungen begleitend eingesetzt werden. Ich begann zu schätzen, dass ich das alles unter einem Dach vorfand. Für jedes Treatment zu einer anderen Adresse zu fahren, hätte mich so genervt, dass ich es gelassen hätte: Cortisol-Typ eben. Zu viel der Organisation bereitet uns Stress.

Das Studio wurde zum Hort meiner Selbstüberarbeitung, zur Oase für meinen Körper, an dem 25 Jahre Berufstätigkeit nicht spurlos vorübergegangen waren. Plötzlich fiel mir ein, dass ich schon lange nicht mehr beim Zahnarzt gewesen war. Und dass ich doch immer schon etwas gegen meine Couperose unternehmen wollte. Ich kann daher nur raten:

Fangen Sie mit Ihrer Selbstüberarbeitung einfach mal irgendwo an. Der Rest kommt nach.

Bei mir etwa wuchs irgendwann der Wunsch nach einer gesünderen Ernährung. Ich wandte mich an Ernährungsberaterin Elisabeth Kollmann. "Wir stellen Sie nicht radikal um", erklärte sie beim ersten Termin. "Das halten Sie eine Woche durch und geben dann auf." Stattdessen wollten wir an meinen Zielen arbeiten: Wohlgefühl, der Straßenbahn nachrennen können, keine Rückenschmerzen mehr. Um das zu erreichen, erzählte ich aus meinem Ernährungsalltag, von hastig heruntergeschlungenen Automatensandwiches, Kaufhauskost. Tja: Wer immer der Vater der Krankheit war, die Mutter war die schlechte Ernährung ...

Ich aß, um mich darüber hinwegzutrösten, dass ich esse.
Sylvia Margret Steinitz

Bevor ich meinen persönlichen Ess-Plan erhielt, schickte mich Frau Kollmann noch zu einer Kollegin, die mittels kinesiologischer Verfahren austestete, welche Lebensmittel mir gut oder schlecht tun. Mein erster Auftrag lautete daraufhin: Eine Weile auf Dinge wie Olivenöl, Eier und Paprika verzichten und Frühstück umstellen. "Sonst nichts?", fragte ich. "Das ist schon sehr viel", sagte die Expertin und drückte mir TCM-Rezeptvorschläge (ohne Grammangaben!) in die Hand.

Nach zwei Wochen, in denen ich mich brav an die Verund Gebotsliste halte, machte ich probeweise Olivenöl-und Eier-Ausreißer. Das Ergebnis möchte ich hier lieber nicht beschreiben. Nur so viel: Es endete mit dem Schwur, doch konsequent zu sein. Zumal meine Verdauung ansonsten einwandfrei lief, zum ersten Mal seit Jahren. An dem TCM-Zeug war wohl doch etwas dran. Erkenntnis:

Wenn alte Wege nicht zum Ziel führen, muss man neue gehen.

Aber Elisabeth Kollmann ist nicht nur Ernährungsberaterin. Sie ist auch Businesscoach. "Ich werde bei Ihnen als Stresszunehmerin eine Methode anwenden, die normalerweise bei Lampenfieber oder Prüfungsangst zum Einsatz kommt", erklärte sie. "Wingwave" nennt sie sich und soll Stressfaktoren ausschalten.

Heraus kam: Mein Figurthema hatte mit Stress und Trost zu tun – no na. Aber auch mit Scham. Ich, die trotzige "Ich will so bleiben, wie ich bin"-Type, erkannte: Ich aß, um mich darüber hinwegzutrösten, dass ich esse. Gleichzeitig schämte ich mich dafür - und musste gleich noch mehr essen. Mein Problem abzunehmen war also ein Konglomerat aus körperlichen, seelischen und sonstigen Faktoren, die ich alleine bisher nicht auseinanderklauben konnte. Als ich das begriff, fühlte ich mich tatsächlich leichter. Möglich, dass hier hauptsächlich Autosuggestionskräfte freigesetzt werden. Aber wie sagt man im Schamanismus so schön:

Was hilft, ist gut.

Nach drei Monaten besuchte ich eine Bekannte. "Du siehst großartig aus! Wie viel hast du abgenommen?", fragte sie und stellte mich auf ihre Waage. 86 Kilo, zehn waren weg - ohne dass ich je das Gefühl gehabt hätte, mich zu schinden. "Waaahnsinn! Freust du dich nicht?" Ich horchte in mich hinein. Und stellte fest: Was auf der Waage stand, interessierte mich nicht. Ich fühlte mich wohl, nur das zählte. Etwas hatte sich in mir verschoben.
Erstmals betrachte ich mich selbst von außen mit Wohlwollen. Ich fange sogar an, meine eingebaute Alarmanlage zu schätzen. Gehen die Kilos rauf, sagt mir mein Körper damit, dass etwas nicht stimmt -persönlich oder beruflich. So positiv gestimmt fällt es leichter, zu Mittag lieber den längeren Gang zum Supermarkt anzutreten, um Suppe und Salat zu kaufen, als mal eben ein Stockwerk höher zum Sandwichautomaten zu huschen. Oder die fünf Etagen in die Redaktion auch mal zu Fuß zu gehen. Es macht sogar Spaß.

FAZIT.

Dieses Gefühl ist so neu, dass ich immer wieder verblüfft in mich hineinhorche, ob ich mir das alles nicht nur einrede. Aber dass es echt ist, merke ich daran, dass es sich gut und warm und satt anfühlt im Bauch. Ausgerechnet.

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