10 Dinge, die am Land anders sind als in der Stadt

Kolumnistin Martina Parker pendelt regelmäßig zwischen Wien und dem Südburgenländischen und hat erkannt: Manche Dinge sind am Land einfach ganz anders. 

1. Anklopfen? Wozu?

Am Land haben wir ein großes Tor. Dieses ist oft offen. Das mit der Offenheit ist hier so. Auch die Haustür ist hier meist offen. So fühlt sich am Land niemand ausgesperrt. Weder der Briefträger, noch die Nachbarn, die Zeugen Jehovas oder die Verwandtschaft, die alle unangemeldet mit einem fröhlichen „Hallo“ bis ins Schlafzimmer vordringen. 

 

2. Niemand redet auf die Mailbox.

Mailboxen werden auf dem Land prinzipiell ignoriert. Bekomme ich in der Stadt einen Anruf, bei dem keine Nachricht hinterlassen wurde, denke ich mir: „War offenbar nicht so wichtig“, „Wahrscheinlich verwählt“, oder „Die ruft sicher später wieder an.“ Auf dem Land vermittelt die Anruferin durch schnelles Auflegen kurz bevor oder sobald das Tonband anspringt, dass sie in der Sekunde zurückgerufen werden will. Ein ungeschriebenes Gesetz. 

3. Wer fährt denn da?

Auf dem Land erwarten die anderen Autofahrer vom Land, dass du sie erkennst und grüßt. Sie erwarten auch, dass du bemerkst, wenn Sie hinter dir fahren, vor dir fahren, oder dich überholen. Wenn du das nicht tust, giltst du als arrogant oder ignorant. Echte Einheimische kennen natürlich alle Autonummern der anderen Einheimischen auswendig. 

 

4. Es ist viel lauter als in der Stadt. 

Meine Stadtwohnung ist im Vergleich mit dem Südburgenländischen eine Oase der Ruhe. Hier am Land werde ich in aller Herrgottsfrüh wechselweise von Hähnen, Rasenmähern, Kreissägen und dem 6 Uhr-Geläute des Kirchturms geweckt. 

 

5. Man wird ständig überwacht.

...  von der „südburgenländischen Kopftiachlmafia“ (nicht mein Wording, die werden hier wirklich so genannt) könnte sich sogar die NSA was abschauen. Denn diesen älteren Damen, die bevorzugt mit Kopftuch und Kittelschürzen auf den Bankerln im Ort sitzen, entgeht nichts: „Das Auto vom M. steht in der Früh vor der Wohnung der S. Die haben was miteinander.“

6. Spätestens um 12 wird gegessen.

In manchen Familien sogar schon um 11.30 Uhr. Man ist ja schon seit 6 Uhr wach (siehe Punkt 4). Brunch ist dafür hier so gut wie unbekannt. 

 

7. Die Kassiererin im Supermarkt kommentiert meine Einkäufe.

Ich kaufe Gelierzucker. „Tun ma einkochen?“ fragt die Verkäuferin. Ich nicke. „Tun ma Zwetschen einkochen?,“ fragt sie weiter. Es ist gerade Zwetschkensaison am Land. Also nicke ich wieder und die Supermarktkassiererin freut sich riesig, ob ihres detektivischen Gespürs.

Und ich freu mich mit, weil ich das viel netter finde als dieses ewig nervige: „Hamma a Billakarte?“

 

8. Wenn einer den Mist rausstellt ...

... tun es alle. Am Land gibt es ein genaues System an welchen Tagen in welchen Ortsteilen Restmüll, Papier oder der gelbe Sack von der Müllabfuhr abgeholt werden. Die Bewohner müssen dann Tonnen und Müllsäcke an den Straßenrand stellen. Weil nur wenige den Plan auswendig können, richtet man sich nach dem, der als erstes damit beginnt. Nicht auszudenken, was passieren würde, würde sich hier jemand einen Scherz erlauben und z.B. an einem Papierabholtag, Plastik rausstellen.

 

9. Der Nachname wird hier zum Vornamen.

Ich heiße am Land nicht Martina Parker, sondern bin die Parker Martina.

 

10. Es gibt immer einen Grund zu saufen.

Feuerwehrfest, Preisschnapsen, Perchtenlauf. Es gibt immer eine Grund, abenteuerliche Drinks wie die "Dreiermischung" und selbstgebrannten Schnaps in sich reinzuschütten. Am Land trinkt man beim Bäcker, auf der Post und sogar auf der Tankstelle. Was seltsam ist, weil man dort ja mit ziemlicher Sicherheit mit dem Auto hinfährt. Und am Krampustag gehen die Burschen von Haus zu Haus, um Schnaps zu trinken. 

Wer als Zuagroasta nichts von diesem Brauch weiß, hat am Krampustag möglicherweise einen unangemeldeten Krampus im Schlafzimmer (siehe Punkt 1). und den Schock seines Lebens. Danach hilft nur mehr ein doppelter Schnaps (Punkt 10).

Und die Kopftiachlmafia wird die Story von den saufenden Zuagroasten natürlich im ganzen Dorf verbreiten (Punkt 5). So ist das halt am Land. 

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