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Kind und Hund: Über Missverständnisse und Mythen in der Hund/Kind-Beziehung

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Viele Gerüchte über das richtige Zusammenleben von Kind und Hund halten sich hartnäckig. Was wirklich wichtig ist und welche Regeln unbedingt beachtet werden sollten, lest ihr in diesem Beitrag.

Wienerin mit TierConny Sporrer, Hundetrainerin(Wienerin)

Hundetrainerin Conny Sporrer von Martin Rütter DOGS Wien hat sich für uns die Beziehung zwischen Kind und Hund näher angesehen. 

 

Ein Baby zieht ein

 

Leider gibt es noch immer vorherrschende Mythen zur Vorbereitung auf den Einzug des Babys. Das Mitbringen von Windeln aus dem Krankenhaus steht hier an erster Stelle. Eine Babywindel in das Hundekörbchen zu legen würde dem Hund entweder suggerieren "das gehört zukünftig dir" oder ihn schon im Vorfeld Abneigung entwickeln lassen, schließlich hat "es" ja in sein Körbchen markiert.

 

Kommt ein Baby in die Familie, ist es für den Hund gleichbedeutend mit einem Welpenwurf im Rudel. Er wird neugierig sein, die Rudelkollegin und Hundemutter würde ihn aber in der ersten Zeit nicht an die Kleinen heranlassen. Genauso macht ihr es bitte mit dem eigenen Nachwuchs. Schickt ihn deutlich weg, auch wenn er nur daran schnuppern möchte. Hat sich alles halbwegs normalisiert, könnt ihr den Vierbeiner nach ein paar Tagen auch mal aktiv zu sich rufen und an dem Baby auf dem Arm schnüffeln lassen. Verbietet ihm aber aus hygienischen Gründen immer den Kopfbereich.

 

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Grundsätzlich gilt es dem Hund so klar zu machen, dass er nicht mitverantwortlich für das Baby ist. Auch wenn es erstmal vielleicht süß wirkt, versteht ein Hund, dass es sich um ein Lebewesen handelt, das noch Bedarf in Erziehung und Pflege hat. Lasst ihr euren Hund dieses Verhalten ausleben, kann es schon im Krabbelalter zu erzieherischen Maßregelungen vom Hund kommen, die ernsthafte Folgen haben können. Suggeriert ihr dem Vierbeiner also vom ersten Tag an, dass ausschließlich die Menschenfamilie für das Kind zuständig ist und er hier keine Aufgaben übernehmen muss, dann steht einem harmonischen Zusammenleben nichts mehr im Wege.

 

Ein Hund zieht ein

 

Es muss ganz klar betont werden, dass die Hauptverantwortung für den Hund immer bei den Eltern und nicht beim Kind liegt. Je nach Alter des Kindes können gewisse Aufgaben mit übernommen werden, aber unter Anleitung und Kontrolle der Eltern. Sie müssen die Vorbilder bei der Erziehung und Pflege des Hundes darstellen. Warum muss das so sein? Hunde leben in einer eher hierarchischen Sozialstruktur, ähnlich wie auch wir in unseren Familien. Die Menschenfamilie als Rudel nimmt die Rollen der Sozialpartner des Hundes in der Natur ein. Hunde können am Geruch erkennen, ob Kinder schon geschlechtsreif, also ernst zu nehmen sind, und finden auch sofort heraus, wer in der Familie den Ton angibt. Im Normalfall sind dies die Eltern. Wollen nun also Kinder die Führung des Vierbeiners übernehmen, wird der Hund die Anweisungen des Kindes nicht befolgen. Dazu kommt, dass es im Hundealltag viele Situationen gibt, denen Kinder noch gar nicht gewachsen sind.

 

Natürlich sind Kinder oft ungeduldig, aber es gilt unbedingt, den Hund beim Streicheln nicht zu bedrängen. Gerade Kinder können die Körpersprache des Hundes und etwaige Zeichen der Beschwichtigung, durch die der Hund sich entziehen möchte, nicht richtig lesen. Daher gilt es als wichtigste Aufgabe der Eltern hündische Körpersprache und Kommunikation perfekt zu beherrschen und zu verstehen. Hier ist es ratsam, nicht nur in Büchern zu lesen, sondern aktiv ein Seminar zu besuchen, in dem anhand von Videos oder Praxisbeispielen Hundekommunikation fachkundig erklärt wird. Natürlich sollte man auch den Kindern die wichtigsten Signale beibringen, letztendlich ist es aber IMMER Aufgabe der Eltern, Kind und Hund nicht alleine zu lassen und für beide Seiten Verantwortung zu übernehmen.

 

Hund und Kind im Haus: Achtet auf diese Dinge!

 

Kommt es dann als letzter Ausdruck von Hilflosigkeit zu einem Abwehrschnappen des Vierbeiners, ist das Drama meistens groß. Und der Hund hat gelernt, dass dies wohl der einzige Weg ist, zu zeigen, dass er Abstand braucht und von seinen eigentlichen Haltern wohl auch kein Verständnis für seine Lage besteht. Auch aus Hundeerziehungssicht ist nämlich wichtig, dass der Hund von seinen "Erziehungsberechtigten" lernt: "Ich bin für dich da, du kannst mir immer vertrauen, wenn du in eine unangenehme Situation kommst."

 

Auch raue Spiele sollten von Kindern nicht veranstaltet werden. Wird dem Kind ein Spiel zu heftig, bricht es einfach ab. Weder der Vierbeiner noch das Kind sollten um Beute streiten müssen. Auch Jagdspiele, bei denen Kindern hinterhergerannt wird, sind absolut zu unterbinden. Aus solchen Spielen kann für Hunde schnell mal ernst werden – Verletzungen können die Folge sein.

 

Gerade Kinder können die Körpersprache des Hundes oft nicht richtig lesen.
Conny Sporrer, Hundetrainerin

 

Sinnvoll ist es auch, gewisse Tabuzonen einzuführen, um so manch unterschiedliche Interessen von Hund und Kind auch wahren zu können. Denn das Leben als Mama oder Papa kann schon mal hektisch und chaotisch sein. Folglich ist es umso wichtiger, die Dinge im Vorfeld so zu organisieren, dass du später alles bestmöglich managen könnt. Dazu kann auch gehören, dass dem Hund eine feste Liegestelle schmackhaft gemacht wird und diese mit einem Signal verknüpft wird, um ihn jederzeit dorthin schicken können und er auch dort bleibt.

 

Später, wenn das Baby krabbelt, wird dies eine Erleichterung sein, weil du zumindest den Hund somit besser unter Kontrolle hast. Eine empfehlenswerte Möglichkeit ist es auch, bereits im Vorhinein eine Hundebox zu etablieren. Es gibt hier schon nette Modelle aus Stoff, die nicht an einen Käfig erinnern und obendrein auch zusammenfaltbar sind. Gewöhne deinen Hund schrittweise und positiv daran, so wird er die Box als willkommenen Rückzugsort nutzen. Gerade wenn es ihm später bei Kinderbesuchen und Co. zu laut wird, kann man die Box problemlos verschließen und muss somit ein Auge weniger auf den Hund haben.

 

 

So sinnvoll wie die feste Liegestelle oder Box des Hundes als "Leo" zu etablieren, ergibt es auch Sinn das spätere Kinderzimmer von Anfang an zu tabuisieren. Erstmal soll der Hund dort nicht hinein, um nicht doch auf die Idee zu kommen, er müsste beim Baby schlafen und darauf aufpassen. Ferner ist es aber auch sinnvoll, weil Kinder dort dann hemmungslos spielen und Spielzeug auch mal herumliegen lassen können, ohne dass es für den Hund gefährlich wird oder er doch den Lieblingsteddy Ihres Kindes schlachtet. Zwei Tabubereiche für die jeweiligen Interessen sind also absolut sinnvoll.

 

Im nächsten Teil gibt es hier die wichtigsten Verhaltensregeln!

 

Expertin Conny Sporrer

Nach ihrem 2-jährigen Hundetrainer-Studium bei Martin Rütter in Bonn, leitet Conny Sporrer nun seit über 4 Jahren gemeinsam mit ihrem Team ihre eigene Hundeschule nach der Philosophie des „Hundeprofis“ in Wien. Bei DOGS werden aber vor allem die Menschen im richtigen Umgang mit ihren Hunden trainiert – Verständnis und Beziehung zwischen Hund und Halter spielen dabei eine ganz wichtige Rolle. Mittlerweile ist Conny selbst Dozentin für das DOGS Studium und gefragte Referentin und Fachautorin rund ums Thema Hund. www.martinruetter.com/wien

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