< Zur Mobilversion wechseln >

Kinderspiel: Feministische Kindererziehung: Wie du dein Kind gendersensibel erziehst

von

Über Erziehung lässt sich lange streiten. Kinder dürfen dabei meist nicht mitreden. Aber was, wenn doch? Wir haben zwei Mütter und einen Vater gefragt, wie gendersensible Erziehung aussehen kann und was sie bringt.

Wienerin mit KindDenise Grill (Wienerin)

 "Buben sind mutig, Mädchen verträumt." "Er ein Held -sie die hilflose Prinzessin."" Mathe ist nichts für Mädchen, Tanzen nichts für Buben." Das sind nur ein paar von vielen Geschlechterklischees, die auch heute noch auf T-Shirts oder in Kinderbüchern zu finden sind. Und obwohl die meisten Kinder eigentlich kaum Vorurteile haben, übernehmen sie irgendwann Rollenbilder aus unserer Gesellschaft. Wir haben mit drei Eltern gesprochen, die es geschafft haben, ihre Kinder möglichst frei von diesen zu erziehen.

 

Mehr lesen: Kein "Genderwahnsinn" -Wie gerechte Sprache das Selbstvertrauen für die Berufswahl stärkt

Familienbild des "absenten Vaters" brechen

Wer Kinder hat, weiß: Sie machen alles nach, was Erwachsene tun. Und schon allein deshalb ist Erziehung ohne stereotype Geschlechterrollen nur dann möglich, wenn Eltern mit gutem Beispiel vorangehen. Das meint auch Jürgen Czernohorszky, Vater von zwei Töchtern: "Wir können Kinder erst gendersensibel erziehen, wenn wir uns selbst über unsere Rollenbilder klar werden." Er ist Wiener Stadtrat für Bildung, Jugend, Integration und Personal und hat deshalb nicht nur privat etwas mit Kindererziehung zu tun. Und weil sich Kinder ihr Verhalten nicht nur von ihren Eltern abschauen, reicht es laut ihm auch nicht, nur zu Hause auf gendersensible Methoden zu achten. "Was definitiv noch fehlt, sind mehr Männer in pädagogischen oder Sozialberufen. Da ist noch viel Spielraum nach oben", meint Czernohorszky. Trotzdem möchte er Männer dazu ermutigen, in Karenz zu gehen, um selbst einen Beitrag zu einer Gesellschaft mit mehr Gleichberechtigung zu leisten. Nur so könnte sich laut ihm das traditionelle Familienbild des "absenten Vaters" ändern.

Schluss mit den Rollenklischees!

Kabel verlegen, Programmieren und Physik - die älteste Tochter von Eventköchin Parvin Razavi liebt Technik. Interessen, die oft noch immer als "Bubenthemen" abgestempelt werden. "Wir geben unseren Kindern keine geschlechterspezifischen Richtungen vor und versuchen nicht, sie in einen bestimmten Bereich zu drängen. Wenn ihnen etwas Spaß macht, bestärken wir sie in ihren Interessen", erzählt sie. Mädchen und Buben werden laut Razavi noch immer in vielerlei Hinsicht in Schubladen gesteckt. Auch in der Kinderliteratur geht es noch erschreckend konservativ zu. Starke weibliche Hauptfiguren muss man lange suchen. Findet man endlich eine, ist sie meist die nette Freundin an der Seite des heldenhaften Protagonisten. "Wir haben deshalb stark darauf geachtet, Bücher mit einer mutigen weiblichen Heldin wie Ronja Räubertochter oder Heldinnensagen vorzulesen", erzählt Parvin Razavi.

 

Mehr lesen: Ein Blick in Stockholms Gender-neutralen Kindergarten

Menstruation und Sexualität sind kein Tabu

Kommunikation ist wie so oft auch in der Erziehung der Schlüssel zum Erfolg. Deshalb beginnt für die Regisseurin und zweifache Mutter Mirjam Unger Erziehung erst dann, wenn man versucht, immer im Diskurs zu bleiben. In ihrer eigenen Kindheit waren Themen wie Menstruation und Sexualität noch stark tabuisiert. "Die Methode, die sich bei mir am meisten bewährt hat, ist, dass nichts zum Tabu wird. So wissen Kinder, dass sie mit allem zu ihren Eltern kommen können", erklärt sie. Entscheidungen über die Schulwahl, Spielzeug oder Hobbys durften ihre Kinder meist alleine treffen. Aber trotz aller Selbstbestimmung brauchen Kinder auch Grenzen - das musste Mirjam Unger mühsam lernen: "Ich wollte meinen Kindern so viel Freiheit wie möglich geben, musste mir aber eingestehen, dass Kinder feste Regeln brauchen." Zum Vorbild hat sie sich das Tierreich genommen. "Ich habe das Idealbild der starken Hundemama im Kopf. Ab und zu dürfen auch Eltern mal laut bellen", erzählt sie.

Fazit

Parvin Razavi, Jürgen Czernohorszky und Mirjam Unger sind sich einig, dass es am wichtigsten ist, Kindern verschiedene Möglichkeiten aufzuzeigen und ihre Interessen zu unterstützen, ohne sie dabei in eine bestimmte Richtung zu drängen. Denn selbst, wenn ein Bub gerne Fußball und ein Mädchen gerne mit Puppen spielt, ist das keinesfalls sexistisch. "Wenn ein Mädchen total von rosa Einhörnern und Prinzessinnen fasziniert ist, heißt das nicht, dass es später keine Feministin sein kann. Das widerspricht sich nicht", meint Mirjam Unger. Und auch für Parvin Razavi ist es essenziell, dass ihre Töchter in der Lage sind, eigene Entscheidungen zu treffen. "Ich möchte ihnen beibringen, dass sie nichts tun müssen, was sie nicht wollen. Schon gar nicht, um einem typischen Rollenbild zu entsprechen."

Das ist wahrscheinlich auch der Kern einer gendersensiblen Erziehung: Kindern alternative Vorbilder und Möglichkeiten aufzuzeigen, ihr Selbstbewusstsein zu stärken, zuzuhören und klarzumachen, dass sie alles sein können. Und das unabhängig von ihrem Geschlecht.

 

 

Dabei sein

DABEI SEIN: Beim diesjährigen Business Riot-Festival diskutieren Mirjam Unger, Parvin Razavi, Jürgen Czernohorszky und Ursel Nendzig am Podium "Feministische Erziehung" über ihre Erfahrungen.

 

BUSINESS RIOT

Die Karrierekonferenz für Frauenförderung bietet an drei Tagen unter anderem Workshops und Talks zu Social Media, Selbstständigkeit und Networking sowie ein spezielles Kinderprogramm an.

8.-10.3.2018, Donauhof Wien businessriot.at

 

Kommentare

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen