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Geburt: Gewalt im Kreißsaal: Ein Tabuthema, über das wir sprechen müssen

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Lange Zeit wurden gewalttätige Handlungen im Kreißsaal gegenüber gebärenden Frauen totgeschwiegen. Nun sprechen immer mehr Frauen über traumatisierende Erlebnisse und zeigen damit, dass auch in Europa Missstände in der Geburtshilfe herrschen, die man nicht ignorieren darf.

Wienerin mit KindAZ(Wienerin)

"Sie fuhr mit den Fingern in mich rein, und ein stechender Schmerz fuhr mir vom Unterleib bis hoch in den Kopf. Ich schrie und heulte, und sie schrie auch: 'Hör jetzt auf mit deinem Theater!' Sie hat mir den Muttermund mit den Fingern geöffnet, ohne Betäubung …", erzählt Nina, 37, über einen der traumatisierend Moment während der Geburt ihres Kindes. 

Keine Einzelfälle

Es sind Geschichten wie Ninas, die einem beim Lesen einen kalten Schauer über den Rücken jagen. Auch deswegen, weil Geschichten wie Ninas nur selten erzählt werden. Gewalttätige Handlungen im Kreißsaal sind lange Zeit ein Tabuthema gewesen - und das, obwohl sie gar nicht so selten sind.

In dem Buch "Gewalt unter der Geburt – Der alltägliche Skandal" sammelte die Soziologin Christina Mundlos aus Hannover dutzende solcher schockierenden Erfahrungsberichte von Müttern, Vätern und Hebammen und zeigte damit auch, dass eine Geburt nicht nur schöne Erinnerungen hinterlässt. 

 

Zahlen über das tatsächlich Ausmaß der gewaltätigen Handlungen während der Geburt sind rar. Auch, weil sich viele Frauen dessen gar nicht bewusst sind. Laut Nora Imlau, Autorin von "Das Geburtsbuch: Vorbereiten - Erleben - Verarbeiten", dürften Schätzungen der UNO-nahen Organisation "Human Rigths in Childbirth" zufolge etwa 40 bis 50 Prozent der Frauen von psychischer oder körperlicher Gewalt vor, während oder auch nach der Geburt betroffen sein. 

In Deutschland sprachen in einer aktuellen Studie, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt, immerhin neun Prozent der Mütter, die an einer Klinik mit mehr als 2000 Geburten pro Jahr entbunden hatten, von einer mittelmäßigen oder schlechten Erfahrung im Kreißsaal. Die Studie, die unter 9.600 Müttern durchgeführt wurde, kam zu dem Schluss, dass bei steigender Klinikgröße auch die Erfahrungswerte der entbindenden Frauen immer negativer wurden. 

Verfrühte Interventionen - oder gar keine 

Dass Gewalt im Kreißsaal ein Thema ist, unter dem Frauen weltweit leiden, bestätigt auch die Weltgesundheits-Organsiation WHO. "Frauen berichten von einem hohen Ausmaß an Respektlosigkeit und von missbräuchlichen Behandlungen während einer klinischen Geburt - und zwar in allen Regionen und Kulturen der Welt", so Dr. Princess Nothemba Simelela, die für die WHO im Bereich Familien, Frauen, Kinder und Jugendliche arbeitet. Simelela kritisiert, dass weltweit eine Diskrepanz über das Verständnis einer "guten Geburt" herrsche. Es ginge schließlich nicht nur darum, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen, sondern auch darum, die Wünsche der Frau zu respektieren und ihr physisches und seelisches Wohl zu garantieren. Simelela berichtet, dass Frauen bei Geburten unter ärztlicher Betreuung entweder unter verfrühten medizinischen Interventionen litten oder andererseits zu spät ärztliche Unterstützung erhielten. 

 

Um den Missständen entgegenzuwirken, veröffentlichte die WHO kürzlich den Richtlinienkatalog "intrapartum care for a positive childbirth experience", in dem 56 evidenzbasierte Behandlungsempfehlungen für klinische und nicht-klinische Betreuung für den Zeitraum der Geburt erläutert werden. 

Mit Rosen gegen Gewalt in der Geburtshilfe

Unter GynäkologInnen scheint Gewalt im Kreißsaal zumindest in Österreich kaum Thema zu sein. Petra Kohlberger, Vorsitzende der Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, gab in einem Interview mit dem Kurier zu Protokoll, dass sie "keinen Handlungsbedarf" in Österreich sehe. Vielmehr seien etwa Interventionen wie "eine niedrige Dammschnittrate ein Qualitätskriterium für Spitäler".

 

Dem gegenüber stehen die Erfahrungsberichte vieler Frauen, die von missbräuchlichen Behandlungen während ihrer Geburt berichten. Auf der Facebook-Seite der "Roses Revolution Deutschland" (hier geht es zur österreichischen Seite), einer Initiative gegen Gewalt in der Geburtshilfe, finden sich hunderte Berichte von Frauen, die von traumatisierenden Erlebnissen berichten.

Am "Roses Revolution Day", dem 25. November, legen Frauen seit 2013 rosafarbene Rosen vor den Kliniken nieder, wo sie Gewalt erlebt haben, um ein Zeichen gegen die Gewalt im Kreißsaal zu setzen. Eine Auswertung des "Roses Revolution Day" 2017 ergab, dass 25 Prozent der Einrichtungen in Deutschland von Frauen gewaltsamer Handlungen unter der Geburt bezichtigt wurden. 

 

 

Was ist Gewalt im Kreißsaal und wie kann ich mich wehren?

Die Geburtsallianz Österreich, ein gemeinnütziger Verein zur Umsetzung einer babyfreundlichen und mütterfreundlichen Geburtshilfe, fasst auf ihrer Website Anzeichen auf gewalttätige Handlungen im Kreißsaal zusammen. Dazu zählen: 

  • Druck auszuüben
  • Nötigung
  • Zwang
  • Machtmissbrauch
  • Willkür
  • Erpressung
  • Anschreien, Beschimpfen
  • Festschnallen der Beine, Festhalten
  • Sexualisierte Gewalt in Form von Sprache, Witzen 

Das Erleben von Gewalt hänge freilich immer von verschiedenen Faktoren und dem Empfinden der Frau selbst ab, stellt die Geburtsallianz fest. 

 

Für werdende Mütter gilt es, sich vor der Geburt zu informieren und bei Unsicherheiten den Rat der/des behandelnden Ärztin/Arztes einzuholen. Während der Geburt sollte man seine Meinung explizit mitteilen und bei Unwohlsein dies auch kundtun, Scham hat im Kreißsaal keinen Platz. 

 

Du hast ähnliche Erlebnisse im Kreißsaal gemacht und möchtest deine Erfahrungen mit der WIENERIN-Community teilen (HIER)? Über die Plattform Tellonym könnt ihr anonym eurer Statement abgeben. Dabei schickst du uns über einen Link eine anonymisierte Nachricht, das heißt, dass du deinen Namen nicht angeben musst (aber natürlich in der Nachricht kannst) und wir technisch auch keine Rückschlüsse auf deine Identität ziehen können. Deine Nachricht kommt völlig anonym bei uns an.

Weitere Infos findest du hier.

 

 

Kommentare

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1 Kommentare
Gast: Anonymus
04.04.2018 17:13

Meine traurigen Erfahrungen waldkrankenhaus Spandau

Als ich meinen Sohn zur Welt brachte war ich 19 Jahre alt ich habe in den schlechtes Krankenhaus entbunden das ich je kannte es war der Horror für mich kurz vor der Geburt hatte ich einen Termin doch noch keine wehen die Frau nahm ihren Finger und öffnete gewaltsam mein Muttermund ich habe geheuelt dan war es soweit er wollte raus trotz pda hatte ich noch starcke schmerzen ich presste und presste hatte es sehr schwer aufeinmal verspürte ich einen brennenden stechenden Schmerz die Ärzte haben mir ein dammschnitt gemacht ohne es anzukündigen aufeinmal drückte mir die Schwester so fest auf dem Bauch als würde sie mich ausquetschen wollen ich verlor mein Bewusstsein weil ich 2 Liter Blut verloren hatte aufeinmal griff mir die Ärztin mit ihrer Hand samt arm in die Gebärmutter und riss mir förmlich den Mutterkuchen heraus ohne nachzusehen ob ich noch Überreste habe jetzt habe ich Spätfolgen davon so wie eine Op und unser Sohn wurde uns einfach weggenommen ich habe eines daraus gelernt ich will und werde nie nie wieder in meinem ganzen Leben ein Kind in die Welt setzen ich bin bis heute nicht drüber weg doch das schlimmste ist das alle ihre Augen schließen und nix davon wissen wollen keiner weiß es alle tuhen so als wäre nie was gewesen und das ist das schlimmste ich hoffe nur bei Gott das keine Frau das durchmachen muss was ich erlebte
Wer mir helfen kann der soll sich bitte melden bei mir bitte
rebeccalieske07@gmail.com ich will nur das dass aufhört