< Zur Mobilversion wechseln >

Gastbeitrag: Was macht einen modernen Vater aus?

von

Moderne Väter gehen in Karenz. Manchmal muss es aber auch anders gehen, erzählt Papa-Blogger Michael.

Was macht einen modernen Vater aus?

Wienerin mit KindMichael Winischhofer, papa-blog.at(Wienerin)

Lange ließ ich mir Zeit, um das erste Mal in meinem Leben Vater zu werden. Dadurch konnte ich natürlich genügend Best Practice-Beispiele sammeln und für mich das Profil eines modernen Vaters schärfen. Weg vom klischeebehafteten, traditionellen Ernährer der Familie hin zum allwissenden, allinteressierten Super-Dad lautete mein Credo. Der sich nicht nur täglich zwei Stunden seinem Nachwuchs nach einem Arbeitstag widmet, der kein Babysitter ist, und der auch sämtliche Aufgaben einer Mutter übernehmen kann. Eine Väterkarenz stand hier klarerweise ganz oben auf meiner „Moderner Vater“-Liste. Alles in der Theorie freilich.

Die Planung

Schließlich forderte die Realität Taten. Mein Sohn kündigte sich an. Intensiv beschäftigten sich meine liebe Ehefrau und ich mit den verschiedenen Karenzmodellen in Österreich. Ein wichtiger Punkt dabei war, unser Kind in den ersten Jahren gut (selbst!) zu betreuen. Was Kinderbetreuung tatsächlich bedeutet, wussten wir allerdings nur aus Erzählungen. Beide gingen wir gerne unserem Beruf nach, beide wollten wir so rasch wie möglich unsere Arbeit so fortsetzen, wie in Vor-Baby-Zeiten. Zusätzlich verschärften sich mit der angekündigten Ankunft unseres Sohnes auf dieser Welt unsere Gedanken an eine gesicherte Zukunft. Das Motiv, die finanziellen Einbußen gering zu halten, begleitete damit jede Überlegung. Und stand im Widerspruch zu meinem theoretischen Modell vom modernen Vater.

Die Realität

Letztlich entschieden wir uns für eine Karenzzeit von 18 Monaten für meine liebe Ehefrau. Ich hingegen nahm keine Auszeit in Anspruch. Damit bekam mein selbst geschnitztes Profil einen ersten, tiefen Kratzer. Ich verzichtete neben einer möglichen Väterkarenz auch auf einen Papa-Monat. Stattdessen verbrauchte ich meine restlichen Urlaubstage, um die ersten Wochen bei meiner jungen Familie sein zu können. Und dabei kann ich nicht einmal meinem Arbeitgeber die Schuld geben. Ich fragte nämlich gar nicht an. Womöglich hätte dieser sogar meine Auszeit unterstützt. Allerdings auf meine Karenz auch reagieren müssen und meine Position nachbesetzen. Das Risiko, mit einer Karenz sowohl finanzielle Einbußen als auch einen tiefen Karriereeinschnitt zu forcieren, wollten meine liebe Ehefrau und ich nicht doppelt eingehen. Es genügte uns, dass schon die werdende Mutter selbst knapp zwei Jahre ihrem Beruf fernbleiben muss.

Das große Umdenken

Ich musste also umdenken und am Profil meines modernen Super-Dads feilen: Ich beruhigte meine Zukunftssorgen, indem ich für meinen Sohn in seinem ersten Lebensjahr mehr Vorsorgeprodukte (und eine Rapid-Mitgliedschaft) abschloss, als ich selbst besitze. Ich lernte, mich selbst in vielen Dingen zurückzunehmen. Denn allinteressiert bedeutet nicht gleichzeitig allwissend. Es gibt einfach tägliche Herausforderungen, die löst meine liebe Ehefrau rascher und routinierter. Egal, wie viel Mühe ich mir auch gebe. Ich managte meine Zeit neu, stellte die Qualität deutlich über die Quantität. Heute bleiben mir während einer Arbeitswoche wenige Stunden am Abend und die Wochenenden, um Zeit mit meinem Sohn zu verbringen. Zeitfenster, die ich nie haben wollte, aber jetzt zu schätzen und bestmöglich zu nützen versuche.

Der neue Weg

Moderne Väter gehen in Karenz. Das habe ich selbst lange Zeit geglaubt. Und ich bewundere die Eltern, die den Mut haben, Auszeiten als Vater und Mutter in Anspruch zu nehmen. Doch noch mehr bewundere ich Väter, die beides schaffen. Berufstätig und ein guter Papa zu sein. So wie mein Vater. Ich habe aber noch einen weiten Weg vor mir, mein neues Profil vom Super-Dad zu erfüllen. Ein Babysitter bin ich allerdings immer noch nicht. Die schlägt mein Sohn nämlich regelmäßig in die Flucht. 

 

Über den Autor

Michael Winischhofer berichtet auf www.papa-blog.at über die alltäglichen Herausforderungen eines Jung-Vaters. Sein Sohn Samuel kam Ende vergangenen Jahres auf die Welt, gemeinsam mit ihm und seiner Ehefrau lebt Michael in Wien.

 

 

 

 

Kommentare

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen