< Zur Mobilversion wechseln >

Gastbeitrag: Wenn Mama und Papa für einen Tag die Rollen tauschen würden

von

Papa-Blogger Michael über eine Eltern-Diskussion, wie sie wohl in vielen Familien vorkommt.

Wenn Mama und Papa die Rollen tauschen

Wienerin mit KindMichael Winischhofer, papa-blog.at(Wienerin)

„Warum tauschen wir nicht einmal unsere Rollen?“ Eine Frage, die bei frischgebackenen Eltern gerne zu ausschweifenden Diskussionen führt. Egal, ob diese vom berufstätigen oder karenzierten Elternteil stammt. Der Satz sorgt für Zündstoff. Auch meine liebe Ehefrau und ich zündelten schon einige Male mit dieser Bombe. Noch kam es allerdings nicht zur Explosion.

Die Zündschnur

Meist lege ich selbst die Zündschnur. Mit unüberlegten und nicht fertig gedachten Aussagen. Zu den Klassikern zählen meine Kommentare, wie „ruhig und fröhlich unser Sohn heute wieder ist“, spiele ich abends in der knappen Papa-Sohn-Zeit mit ihm. Oder ob er denn „schon schläft“, kommt meine liebe Ehefrau nach über eine Stunde seufzend aus dem Schlafzimmer, wo sie versucht hatte, den kleinen Mann in das Land der Träume zu befördern. Ebensolches Potenzial weist die Diskussion auf, welcher Tag denn nun stressiger gewesen sein. Der Arbeitstag im Büro oder der Alltag mit Baby. Magisch zieht uns dabei die Vorstellung an, in die Rolle des jeweils anderen zu schlüpfen. Wenn auch nur für einen Tag.

Einmal nur Frau und nicht nur Mutter sein

Meine liebe Ehefrau ist 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche erste Ansprechperson für unseren Sohn. Schlafdefizit und permanenter Bereitschaftsdienst hinterlassen Spuren. Einfach einen Tag selbst nach den eigenen Präferenzen zu gestalten, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Die sozialen Kontakte beschränken sich auf wenige, andere Mütter, die in der ähnlichen Situation stecken oder eben Verwandtschaftsbesuche - weil Samuel stets mit von der Partie ist und über die Qualität dieser Treffen entscheidet. Nur schwer lässt sich mein Sohn zurzeit von nicht elterlichen Personen betreuen, steckt er doch mitten in der Phase des Fremdelns. So passieren Tage, an denen die Babysprache die Kommunikation beherrscht. Immer weiter entfernt sich meine liebe Ehefrau durch ihre Karenz auch von ihrem Beruf und ihren Kollegen. So gerne sie bald in ihren Job zurückkehren möchte, so sehr beschäftigt uns beide die Frage, ob Samuel denn zum Ende ihrer Karenz schon anders betreut werden soll bzw. kann.

Einmal nur Papa und nicht nur Bürohengst mit Vateraufgaben sein

Der Job nimmt auf eine Vaterschaft natürlich keine Rücksicht. Im Gegenteil. Das Argument, um 17 Uhr das Büro zu verlassen, um zu einem wichtigen Termin, einer beruflichen Veranstaltungen oder sogar zum Sport zu gehen, wiegt mehr, als einfach nach Hause zu seiner Familie zu fahren. Die früheren Erholungsphasen oder der viel zitierte Ausgleich zum Beruf finden nicht mehr statt, weil die rare Zeit für meinen Sohn und auch zur Entlastung meiner lieben Ehefrau reserviert ist. Zusätzlich hinkt ein Vater stets im Wissen um die neuesten Entwicklungen seines Kindes hinterher. Ich erfahre von seinen neu erlernten Fähigkeiten, aber erlebe selten die Premiere mit. Trotzdem habe ich – im Gegensatz zu meiner lieben Ehefrau – weiterhin das Privileg, über meine Zeit selbst zu entscheiden.

Die aktuelle Lage

Keine Frage, meine liebe Ehefrau ist im ersten Lebensjahr in vielen Dingen unverzichtbar für meinen kleinen Sohn. Nicht nur als Nahrungsquelle in den ersten Monaten, sondern auch in schwierigen Zeiten braucht Samuel einfach seine Mama. Mir bleibt meist die Rolle des Pausenclowns, der zur Unterhaltung und Ablenkung unseres Sohnes dient. Eine dankbare Rolle. Gleichzeitig bewundere ich meine liebe Ehefrau, wie schnell sie neue Herausforderungen in diesem ersten Jahr als Mutter meisterte, wie sie sich unermüdlich mit Samuel beschäftigt und ihn fördert. Ich bezweifle, dass ich das in einer ähnlichen Qualität hinbekommen hätte. Natürlich wollen wir gute Eltern für unseren Sohn sein, viel Zeit mit ihm verbringen und optimale Rahmenbedingungen für seine Kindheit schaffen. Allerdings vermissen wir auch das, was wir nur begrenzt haben. Sicher ist, dass wir noch einige Male mit der Bombe zündeln und den „Tauschen wir einmal“-Satz noch öfters verwenden werden. 

 

Über den Autor

Michael Winischhofer berichtet auf www.papa-blog.at über die alltäglichen Herausforderungen eines Jung-Vaters. Sein Sohn Samuel kam Ende vergangenen Jahres auf die Welt, gemeinsam mit ihm und seiner Ehefrau lebt Michael in Wien.

 

 

 

 

Kommentare

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen