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Gastbeitrag: "Mein liebes Kind, ... "

von

Sandra schupft ihr Leben mit dem zweijährigen Noah ohne einen Partner. Ihre Gefühle und Zweifel hat sie in einem Brief an ihren Sohn niedergeschrieben.

Brief an mein Kind

Wienerin mit KindSandra Vasic, BLOG(Wienerin)

Als alleinerziehende Mutter stößt man öfter mal an seine Grenzen, denn man kümmert sich schließlich um alles ganz alleine. Ich bin wütend, dass ich nicht immer die Mutter sein kann, die ich gerne wäre und die stundenlang mit ihrem kleinen Liebling spielt, weil mir schlichtweg oft die Zeit dazu fehlt. Ich hoffe sehr, dass mein Kind eines Tages sagen kann, dass er eine glückliche Kindheit hatte und an viele schöne Momente zurückblicken kann.

"Mein liebes Kind!

Es gibt so viel, was ich dir sagen möchte. Du bist das größte Geschenk, dass mein Leben für mich bereitgehalten hat. Ich war immer auf der Suche, ohne wirklich zu wissen, was ich brauche - bis zu dem Tag, an dem du geboren wurdest! Dieser Tag hat alles verändert. Ein Gefühl, das man nicht in Worte fassen kann. Stolz, unendliche Liebe und  Geborgenheit. Diese Worte beschreiben wohl am besten, wie es sich angefühlt hat, dich das erste Mal in meinen Armen zu halten.

Ich habe mir ausgemalt, wie unsere gemeinsame Reise durchs Leben sein wird und konnte es kaum erwarten, bis du gehen und sprechen kannst. Anfangs war es oft schwierig, denn ich wusste nicht, was du gerade brauchst und ob dir vielleicht etwas weh tut und wie ich dir am besten helfen soll. Mit der Zeit lernte ich, dass wir so eng miteinander verbunden sind, dass ich einfach immer wusste, was du gerade brauchst. Wenn du geweint hast, habe ich dich sofort auf den Arm genommen. Ich bin oft stundenlang neben deinem Bettchen gestanden, einfach nur um zu sehen, wie wunderschön du bist. Ich habe und werde niemals zulassen, dass dir etwas fehlt oder du traurig bist. Mami ist immer für dich da.

Seither sind bereits zwei Jahre vergangen. Du bist schon zu einem hübschen Jungen herangewachsen und ich glaube, ich bin die stolzeste Mami auf der Welt. Unsere bisherige Reise hatte sicherlich Höhen und Tiefen und es gab Phasen, in denen ich dachte, ich bin eine schlechte Mutter oder du hast vielleicht Wutausbrüche, weil ich etwas falsch mache. Oft hatte ich das Gefühl, dass mir die Kraft fehlt, all die wunderschönen Dinge mit dir zu unternehmen, die du so gerne magst und einfach nur stundenlang mit dir zu spielen. Aber dann hast du mir oft einfach nur Dein Lächeln geschenkt oder mich umarmt und auf deine eigene ganz besondere Art gesagt: "Mami liebi" = Mami ich liebe Dich.

Du bist so ein tolles, liebevolles Kind und ich bin sehr glücklich, dass ich in diesem Leben deine Mama sein darf! Ich weiß, du teilst deine Spielzeuge nicht gerne und wirst ganz wütend, wenn sie ein Kind angreift, doch wenn du siehst, dass mal ein Kind auf der Straße weint, gehst du oft hin und willst ihm etwas schenken, damit es nicht mehr weint. Noah, das ist etwas, dass du dir immer bewahren sollst. Lass niemals zu, mein Kind, dass dir jemand etwas Anderes einredet! Du folgst immer deinem Gefühl und das ist genau der richtige Weg für dein restliches Leben!

Du hast begonnen in den Kindergarten zu gehen und alle meinten, ich muss loslassen und nicht immer so an dir kleben. Ich habe nie verstanden, was sie meinen, denn es gibt so etwas wie loslassen gar nicht. Wir sind für immer verbunden und natürlich wirst du deinen Weg gehen, aber egal, wo dich dein Weg auch hinführt in Zukunft, du sollst wissen, dass du immer das Wichtigste für mich bist und ich immer hinter dir stehe, egal, was auch immer passiert. Es hat lange gedauert, bis ich verstanden habe, was sie meinen. Viele Mamis meinten, dass du nicht in den Kindergarten gehen möchtest, weil es bei Mami zu Hause viel schöner ist. Ich habe jedoch gewusst, dass, wenn du eine liebevolle Betreuung hast und dich wohl fühlst, du sehr gerne in den Kindergarten gehst - und so war es auch! Ich bin unfassbar stolz auf dich!

Ich möchte dir sagen, dass Mama vielleicht oft müde ist und nachdenklich, aber das hat absolut nichts mit dir zu tun. Es ist nur so, dass, weil Mami mit dir alleine ist, sie sich um so viele Dinge gleichzeitig kümmern muss, dass sie dann am Abend erschöpft ist. Viele wissen nicht, was ich den ganzen Tag tue ... denn nach außen sieht es immer so aus, als wäre alles perfekt.

Mein liebes Kind, ich verbringe täglich 24 Stunden mit dir. Egal, ob wir einkaufen gehen, spielen oder auch nur nebeneinander schlafen. Mit dir ist einfach alles zauberhaft. Bitte sei mir nicht böse, wenn ich manchmal genervt wirke und du nicht weißt, was los ist. Ohne Dich wäre mein Leben nur halb so schön und wenn du älter wirst, wirst du sehen, dass glücklich sein nur ein Teil von Gefühlen ist. Es ist auch okay, einmal traurig und verletzlich zu sein. Das alles sind Gefühle, die du noch lernen wirst. Mami wird dafür sorgen, dass du deine Gefühle ernst nimmst und dich ganz egal, was kommt, dabei unterstützen. Ich muss dir sagen, dass ich auch manchmal das Gefühl "Angst" spüre. Ich habe Angst davor, nicht zu wissen, wie es weitergeht. Wann ist der richtige Zeitpunkt, wieder einen Job anzunehmen. Wird für uns dann plötzlich alles anders sein? Wirst du darunter leiden, dass wir nicht mehr so viel Zeit gemeinsam verbringen? Ich habe Angst davor, nicht immer stark zu sein und dir zu zeigen, wie schlecht es mir manchmal geht! Du bist noch so klein und ich wünsche mir, dass du nichts davon mitbekommst. Aber am meisten habe ich Angst davor, dass du mich eines Tages dafür verurteilst, dass Mama und Papa nicht mehr zusammen sind. Ich weiß nicht, ob du das verstehen wirst. Ich weiß nicht, ob du mir verzeihst und ich weiß nicht, ob du mich dann plötzlich verlassen wirst und lieber zu deinem Vater möchtest.

Mein liebes Kind, durch dich habe ich gelernt, dass es vollkommen in Ordnung ist, nicht immer alles unter Kontrolle zu haben. Ich habe ENDLICH meinen Perfektionismus aufgegeben. Ich habe ENDLICH damit aufgehört, es allen recht machen zu wollen, denn das Einzige was für mich zählt, ist, dass ich dir eine gute Mutter bin und Du immer so glücklich und freudestrahlend bist wie jetzt!

In ewiger Liebe, Deine Mummi - so nennst du mich manchmal"

 

Über die Autorin

Sandra Vasic lebt mit ihrem Sohn Noah in Wien. Sie bloggt über verschiedene Themen im Bereich Mutter-Sein. Ihr Ziel ist es, insbesondere alleinerziehenden Müttern mit Rat zur Seite zu stehen.

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