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Sprechstunde : Warum schläft mein Kind nicht alleine ein?

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Es gibt wohl kaum eine Frage, dass Eltern in den ersten Lebensjahren ihres Kindes mehr beschäftigt: Wie helfe ich meinem Kind dabei, selbstständig einzuschlafen? Wir haben den Schlafcoach gefragt.

Warum schläft mein Kind nicht alleine ein?

Wienerin mit Kindred/Astrid Steindl, zert. Schlafcoach(Wienerin)

Es gibt viele Gründe warum es für uns Menschen manchmal schwer sein kann, einzuschlafen. Verständlich ist dann, das gerade für Babys und Kleinkinder das alleinige Einschlafen eine große Herausforderung ist. Dabei geht es vorrangig gar nicht um das Thema des alleinigen Einschlafens, sondern vielmehr um das des selbständigen Einschlafens. Denn Babys benötigen anfangs noch die Co-Regulation der Eltern für das Einschlafen. Aus dieser Co-Regulation (leichtes Wiegen, Schnuller geben, Pucken etc.) soll in den Monaten nach der Geburt dann schrittweise die Selbstregulation entstehen. Damit es dem Baby mit zunehmendem Alter möglich ist, selber den Schlaf herbeizuführen. So ist für die Kleinen wichtig, im ersten Lebensjahr die Fähigkeit zu erwerben, aus eigener Kraft vom Wachbewusstsein in das Schlafbewusstsein zu gleiten. Bei diesem Einschlafprozess (sog. hypnagogen Prozess) gibt es zahlreiche Störfaktoren.

Einfache Dinge stören beim selbständigen Einschlafen

Oft sind es einfache Dinge, die das Einschlafen im Säuglingsalter stören. Wie einen unruhigen, hellen Schlafplatz, die körperliche Unreife (postnatalen Anpassungsprozess), viele Eindrücke, Moro Reflex-Zuckungen, Einschlafzuckungen (Einschlafmyoklonien) und zu wenig Tagesschlaf. Das alles kann die körperliche Anspannung erhöhen, so dass ein Einschlafen aus eigener Kraft unmöglich wird.

Um von der Anspannung dann zur Entspannung zu gelangen (die für das Einschlafen notwendig ist), ist sehr viel Beruhigungshilfe durch uns Eltern erforderlich (langwieriges Einschlafstillen, intensive rhythmische Bewegung oder intensive Weiß-Geräusche). Mechthild Papóusek erklärt, dass Übermüdung in den ersten Lebensmonaten ein häufiger „Einschlafstörer“ ist, da Säuglinge noch keinen sogenannten Schlafdruck aufbauen und sie schon nach einer sehr kurzen Wachzeit (von durchschn. 1-1,5 Std.) ausreichend ermüdet sind. Im Tagesverlauf kann diese Anspannung durch zu kurze Tagesschläfchen weiter ansteigen. So erwachen viele Säuglinge ungewollt nach einem kurzen Schläfchen (da die Schlafphysiologie noch sehr instabil ist) ohne wirklich „ausgeschlafen“ zu sein. Ihr tatsächlicher Schlafbedarf wird durch diese Nickerchen nicht ausreichend gedeckt. Damit kann das abendliche Einschlafen sehr schwierig werden und unspezifische Weinphasen können entstehen.

Wie können Eltern das selbständige Einschlafen unterstützen?

Wir können nur darauf achten, dass unsere Babys frühzeitig, bei den ersten Müdigkeitszeichen, eine Schlafpause bekommen und wir ihnen helfen, auch längere Tagesschläfchen zu machen. Dadurch haben sie weniger Anspannung beim Einschlafen und finden mit einer moderaten Beruhigungshilfe in den Schlaf. Um von der Co-Regulation zur Selbst-Regulation zu gelangen, kann dem Baby mit zunehmendem Alter das Vertrauen geschenkt und die Möglichkeit gegeben werden, selber mehr Kontrolle im Einschlafprozess zu übernehmen (z.B. auch mit einem Übergangsobjekt ab ca. 6 Monaten). Oft ist uns nicht bewusst, dass eine zu lange und zu intensive Hilfestellung das Entstehen der Selbstregulation beim Einschlafen behindert und häufiges nächtliches Aufwachen verursacht. Das Baby muss nicht zwangsläufig alleine einschlafen, vielmehr geht es darum, dass sich das Baby seinen eigenen, individuellen und unabhängigen „Einschlaf-Modus“ aneignet. Wir können dabei in unmittelbarer Nähe, im selben Raum oder im Nebenzimmer sein, je nachdem wie es die familiäre Situation zulässt. Gerade wenn mehrere Familienmitglieder zu betreuen sind, ist es nicht immer möglich, direkt neben dem Kind zu sein. Vertraute Umgebungsgeräusche und ein wiederholtes Reingehen, „Rückversichern“ und Beruhigen durch uns Eltern ist sehr wertvoll.

 

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Kaum sind alle Schwierigkeiten des 1. Lebensjahres gemeistert, beginnt mit dem 2. Lebensjahr das Einschlafen immer mehr zum bewussten Prozess zu werden. So ist es für ein entspanntes Einschlafen notwendig, die Tagesgeschehnisse ausreichend verarbeitet zu haben (Vermeiden des „Kopf-Karussells“) und klare Taktgeber für die innere Uhr (gleichbleibender Aufstehzeitpunkt morgens, Essen zur selben Zeit und fixe abendliche Schlafenszeiten) sicherzustellen. Ein gutes Abendessen zur richtigen Zeit und ein fröhliches Abendritual, sowie das Vermeiden von Übermüdung (kann sich auch durch Überaktivität äußern) helfen ebenfalls. In Vergessenheit gerät manchmal, das ein liebevolles, aber auch klares/sicheres Anleiten zur Nachtruhe dem Kind den Rahmen vorgibt, nun einschlafen zu können. Wir Eltern können unseren Kindern nur durch Geborgenheit, Ruhe und konstante Anleitung die Sicherheit geben, loszulassen und einzuschlafen. Dabei sollten wir auf ein Abendritual achten, das ein selbständiges Einschlafen fördert und ein konstantes Einschlafumfeld (Kind schläft dort ein, wo es auch weiterschläft) sicherstellt. Selbst für uns Erwachsene ist es gar nicht so einfach, sich aufzuraffen und endlich ins Bett zu gehen. So brauchen uns unsere Kinder hier, um sich zu einer angemessenen Zeit vom spannenden Alltag zu lösen und ins Bettchen zu gehen. Schwierig wird es bei Gewohnheiten, die vom Kind nicht selber abgelegt werden können, dazu vermischt sich oft das Thema Angst. Hier ist unser Feingefühl gefragt, bei dem wir dem Kind Beständigkeit vermitteln („ich bin da für dich, aber jetzt ist es Zeit zum Schlafen“). Zunehmend kommt für uns Eltern auch die Aufgabe hinzu, zu unterscheiden, was ist der Wille des Kindes (ich will noch eine Geschichte, ich brauche noch drei Gute Nacht Lieder… etc.) und was ist das Grundbedürfnis. So kommen wir immer öfters in die Situation auch an „Nein“ aus Liebe festzuhalten.

Auf Veränderungen im Alltag eingehen

Veränderungen im Alltag, Kindergartenbeginn, Geburt eines Geschwisterkindes, Umzug, ein Entwicklungsschritt, übermäßiger Medienkonsum oder auch körperliche Beschwerden wie zappelige Beine (bitte ärztlich abklären) und starke Überaktivität können das Einschlafen immer wieder erneut irritieren. Dabei benötigt das Kind kurzfristig wieder mehr Unterstützung oder Handlungsanleitung. So helfen wir dem Kind, mit der neuen Situation vertraut zu werden. In Form einer graduellen Annäherung kann das Kind später wieder zum selbstständigen oder  alleinigen Einschlafen hingeführt werden. Das Thema Schlafen begleitet uns viele Jahre, weil wir im Rahmen einer fürsorglichen Erziehung auch in diesem Bereich die Verantwortung tragen.

 

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Sprechstunde in der Kinderarztpraxis Schumanngasse

Mag.(FH) Astrid Steindl ist MEDUni zert. Schlafcoach in der Kinderarztpraxis Schumanngasse.

Tel. 0676/526 35 62

astrid.steindl@kinderarztpraxis-schumanngasse.at

 

Die Kinderarztpraxis Schumanngasse vereint ein Team aus ÄrztInnen und TherapeutInnen aus unterschiedlichen Bereichen unter einem Dach. Neben sämtlichen „normalen“ Leistungen eines Kinderarztes sowie der ambulanten Betreuung von akut oder chronisch kranken Kindern setzt man auch einen Schwerpunkt im Bereich der Gesundheitsvorsorge für Kinder- und Jugendliche.

Schumanngasse 84, 1170 Wien

Tel. 01/480 30 10

ordination@kinderarztpraxis-schumanngasse.at

www.kinderarztpraxis-schumanngasse.at

 

VIDEO: Diese Kinder machen gute Laune!

 

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