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Leserkommentar: Euer Partner kümmert sich ums Kind? Dann freut euch doch!

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Väter, die sich aktiv um ihre Kinder kümmern, werden gern zu Superhelden - manche Mütter finden diese Bewertung gar nicht super. Warum sie das nochmal überdenken sollten, erklärt ein WIENERIN mit Kind-Leser in diesem Gastkommentar.

Euer Partner kümmert sich ums Kind? Dann freut euch doch!

Wienerin mit KindChristian Blaschke-Ginsberg(Wienerin)

Zugegeben, ich habe eine recht ambivalente Beziehung zu Blogs und Onlinemagazinen zum Thema Vater, Mutter, Kind. Der Grund dafür ist, dass meiner Meinung nach die einzig universell anwendbare Regel für die Elternschaft lautet: Solange Du nicht ein Hauptprotagonist bei „Teenager werden Mütter“ bist, bist Du alt genug, um zu entscheiden, wie du dein Kind aufziehen möchtest! Im besten Fall dann auch noch in Abstimmung mit dem zweiten Elternteil, sofern einer vorhanden ist.

Jeder kennt sie, die wenigsten brauchen sie: Die gut gemeinten Ratschläge zum Thema Kindererziehung und -versorgung von Fremden, nach denen niemand gefragt hat. Umso mehr überrascht mich die Vielzahl an Blog-Abonnenten, die sich die geballte Dröhnung der teils todernsten und spaßbefreiten Beiträge auf freiwilliger Basis zu Gemüte ziehen. Ich finde auch, man kann das ganze Thema rund um Kindererziehung auch zerreden, wie man anhand der Themenwahl mancher Blogger und Journalisten erkennen kann. Aber die Geschmäcker sind dahingehend vielfältig und der Erfolg obliegt somit in der Gunst der Abonnenten. Ich für meinen Geschmack bevorzuge eher jene Blogs und Magazine, die sich hauptsächlich mit den positiven Aspekten des Elterndaseins beschäftigen, mich zum Schmunzeln bringen oder mich bei der Gestaltung des Unterhaltungsprogramms meiner Kinder unterstützen. Das Lesen der ernsteren Beiträge beschränkt sich bei mir daher aus eingangs genannten Gründen eher auf ein Minimum. Meist konsumiere ich jene Posts und Beiträge nur aus zweiter Hand, weil irgendwer meiner
Facebookfreunde zu diesem Thema etwas geliked, geteilt oder kommentiert hat. In den seltensten Fällen ist mir das Thema wichtig genug, in eine Diskussion einzusteigen und löst entweder nur ein Augenrollen bei mir aus oder erhält ein Like als Zustimmung.

In den letzten Wochen fiel mir jedoch ein Thema auf, dass sich durch den einen oder anderen Blog beziehungsweise Onlinemagazine wie - Wienerin mit Kind - gezogen und die Themen „Regret Motherhood“ (Facepalm) und „Regret Motherhood - NOT“ (Word!) abgelöst hat. Es geht dabei um die Glorifizierung moderner Männer, die ihren Pflichten als Vater nachkommen und dafür gefeiert werden. Da stösst sich die eine an der korrekten Formulierung einer simplen Frage, wer denn heute das Kind hütet, die andere an einem Foto, auf dem Facebookgründer Marc Zuckerberg sein Kind wickelt und die Dritte fühlt sich überhaupt einer Hexenjagd auf Mütter ausgesetzt.

Warum sollen moderne Väter, die ihren Pflichten nachkommen, nicht gefeiert werden dürfen?

Nicht böse sein, aber gehen uns jetzt schon die Themen aus? Ihr seid offensichtlich engagierte Mütter und schreibt nebenbei auch noch ein paar Zeilen zu Themen, die Euch momentan beschäftigen oder seid ambitioniert genug, das irgendwann einmal hauptberuflich zu tun. Warum aber moderne, aufgeschlossene Väter, die ihren Pflichten nachkommen oder jene denen es vergönnt ist, dass sie einen Teil oder sogar die ganze Karenz in Anspruch nehmen dürfen und dafür von der Gesellschaft gefeiert werden, nun thematisiert werden, erschließt sich mir nicht ganz. Wenn ich im Zuge dieses Kommentars übrigens von der Gesellschaft spreche, meine ich die ein, zwei Omas an der Supermarktkasse, die dir als Vater mit Kind im Gepäck ein freundliches Lächeln zuwerfen oder die eine oder andere Mutti am Spielplatz, die sich für sich selbst vielleicht auch einen Partner gewunschen hätte, der etwas mehr zur Kindererziehung beiträgt als zwei Stunden spielen am Sonntag.

Als moderner aufgeschlossener Mensch mit einem ausgeprägtem Gerechtigkeitsempfinden unterstütze ich jegliche Art der Gleichstellung, egal ob das die Schließung des Paygaps zwischen Frau und Mann oder die Einführung der Ehe für alle betrifft. Daher kann ich die Grundbotschaft der Autorinnen durchaus nachvollziehen. Leider muss ich Euch an dieser Stelle nur leider enttäuschen. Noch leben wir nicht in der Zeit, in der das alles eine Selbstverständlichkeit ist. Es ist daher auch eher kontraproduktiv, jene missgünstig in den Fokus zu stellen, die bereits im 21. Jahrhundert angekommen sind und bereits mit gutem Beispiel vorangehen und nebenbei das eine oder andere Kompliment dafür abstauben. Sollte den Autorinnen solcher Beiträge Gleichberechtigung ein wirklich ernst gemeintes Anliegen und nicht nur ein dezent platziertes Verlangen nach einem Kompliment sein, wäre es dann nicht sinnvoller, sich, so kurz vor der Wahl, damit zu beschäftigen, wie die zur Wahl stehenden Parteien hinsichtlich Ihrer ideologischen Vorstellungen zu diesen Themen stehen? Wer beschäftigt sich auch mit der Schaffung notwendiger Rahmenbedingungen, damit beispielsweise Väter, die in Karenz gehen wollen, nicht erst am Tag der Geburt unter Kündigungsschutz stehen?

Zum Abschluss muss ich den Autorinnen übrigens noch ein Kompliment machen. Sie haben sich offensichtlich den richtigen Partner ausgesucht, um gemeinsam eine Familie zu gründen!

 

Bei diesem Text handelt es sich um einen persönlichen Kommentar des WIENERIN.at-Lesers Christian Blaschke-Ginsberg.

 

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