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Gastbeitrag: 10 Wahrheiten über das erste Jahr als Mama

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Vergiss die Bücher, die Ratgeber, die Ratschläge. Eine persönliche Liste an Dingen, auf die man sich im ersten Jahr mit Baby einstellen sollte.

10 Wahrheiten über das erste Jahr als Mama

Wienerin mit KindRosa Rot(Wienerin)

Ich habe unendlich viele Bücher gelesen, als ich schwanger war. Über natürliche Geburt, authentische Erziehung, darüber, dass Babys Routine brauchen, was man beim Stillen essen darf und was auf gar keinen Fall. Wenn mir ein Buch über Schwangerschaft und Babys in die Hände fiel, hab ich es auf der Stelle verschlungen.

Ich dachte, ich wüsste alles. Und wäre auf alles vorbereitet.

Wie viel von dem, was ich gelesen habe, dann tatsächlich hilfreich war? Etwas. Ein wenig. Ein paar Tricks hier, ein paar Infos da. Aber kein einziges Buch brauchte auf den Punkt, worauf ich mich da eingelassen hatte. Und nichts, was mich in meinem Leben als Mama erwartete, war allein mit Hilfe eines schlauen Ratgebers zu bewältigen. Meine Tochter hingegen war einfach so, wie sie war, und offensichtlich hatte sie das ganze Zeug nicht gelesen. All die Leserei war letztlich Zeitverschwendung.

Stattdessen hätte ich gerne die folgenden Punkte gehört, bevor ich mich kopfüber in diese Mama-Sache gestürzt habe, mit meinen Büchern und Statistiken und Grafiken und Idealvorstellungen. Manche von ihnen sind nicht schön oder romantisch, aber es sind hart erkämpfte Wahrheiten und nichts Anderes.

1. Du wirst ziemlich versagen bei dieser ganzen Eltern-Sache. Und gleichzeitig wirst du ziemlich super darin sein. Alles auf einmal.

Genauso wie das Kind, das dich jeden Morgen begrüßt, an jedem einzelnen dieser Tage anders und neu sein wird, so wirst auch du als Elternteil anders sein. Manchmal ändern sich Situationen innerhalb von Minuten. Es wird gute Tage geben und schlechte, gute und schlechte Minuten, gute Entscheidungen und nicht so gute. In manchen Dingen wirst du eine Reihe schlechter Entscheidungen treffen, bevor du siehst, was richtig ist. Und das ist okay. Es geht jedem Elternteil so. Sei nicht so hart zu dir selbst, erlaube dir Fehler, du bist schließlich auch nur ein Mensch. Genauso wie dein Kind. Und sei dir sicher: Du wirst gerade geliebt und gebraucht wie nie zuvor in deinem Leben. Du besteigst gerade den Mount Everest ohne Vorbereitung und Sauerstoffflasche. Dir wird also manchmal ziemlich die Luft ausgehen. Du machst trotzdem und manchmal gerade deswegen einen guten Job, lass dir nichts anderes einreden.

2. Ein Körper, der gerade ein Kind gebaut hat, ist weich und wackelig und überdehnt und unförmig und …

… so ganz anders, als man ihn gewöhnt ist, er ist unbekannt und manchmal ist er einem peinlich. Und er wird noch ein Weilchen so bleiben. Denn er hat einen Menschen gemacht, ernährt, beschützt. Also mach deinen Frieden mit ihm und streich das Wort "After-Baby-Body" aus deinem Wortschatz. Iss, was dir schmeckt, beweg dich, wenn es dir gut tut. Und glaub den Menschen um dich herum, die dir sagen, dass du wunderschön aussiehst.

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3. Dein Baby ist nicht wie die anderen Babys. Und du bist nicht wie die anderen Mamas.

Oder: Kein Kind ist wie das andere. Selbst Geschwister unterscheiden sich wie Tag und Nacht. Und Mamas und Papas sind letztlich diejenigen, die ihre Kinder am besten kennen, die wissen (weil hundertfach herumprobiert), was es in der Nacht beruhigt und was „funktioniert“. Kein schlauer Ratgeber kann vorhersagen, wie dein Kind trinken oder schlafen wird, es wird kaum jemals das tun, was es tun „sollte“, und das ist normal und gut und okay so. Das Beste, was du tun kannst: Die Bücher und Ratschläge zur Seite schieben und dein Kind kennenlernen. Was mag es? Wie schläft es am besten ein? Wie unterschiedlich schreit es, wenn es Hunger hat oder einfach müde ist? Und lass dich nicht von dem Gerede von wegen „Du verwöhnst dein Kind“ oder „Gewöhn ihm das nicht an“ verunsichern: Es haben noch alle durchgeschlafen, gegessen und gehen oder reden gelernt. Das Wichtigste: Finde den Weg, der für dich, deinen Partner und dein Kind funktioniert. Ihr macht eure eigenen Regeln. Und ihr solltet dabei so viel Spaß wie möglich haben.

 

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4. Wir müssen damit aufhören, dass alles, was mit Babys zu tun hat, ganz einfach und schmerzfrei funktionieren muss.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der gilt: Je einfacher, desto besser. Wenn etwas weh tut, dann kann es nicht richtig sein. Die Realität sieht halt anders aus: Manchmal sind Dinge hart und schmerzhaft, bevor sie richtig gut werden.
Im Laufe des Elternseins werden sich Dinge, die man sich schwierig vorgestellt hat, als unglaublich einfach herausstellen. Das nennt man Wunder. Und ja, möglicherweise hat es etwas mit dem einen bestimmten Buch zu tun, das du gelesen hast, oder der Sternenkonstellation bei der Geburt deines Babys oder der magischen Art, wie du ihm die Füße streichelst oder mit dem Tee, den du donnerstags immer um dieselbe Uhrzeit trinkst – es bleibt genau das: ein Wunder.
Als Mutter und Vater freut man sich narrisch über diese kleinen Siege und will sie mit der ganzen Welt teilen, vergessen dabei aber, dass jede und jeder von uns mit unterschiedlichen Themen kämpft.  Der Sieg eines Papas ist der Alptraum eines anderen. Und nur, weil dein Baby mit fünf Wochen noch nicht durchschläft oder mit einem Jahr mit einer Gabel isst oder deine Brüste wund werden, obwohl dein Kind richtig angelegt ist – nur weil es nicht einfach oder schmerzlos ist, ist es nicht notwendigerweise falsch. Manchmal ist es hart, aber an diesen Dingen wachsen wird. Und glaub es oder nicht: Elternsein ist hart.

5. Das Geschäft mit der Kacke.

Sie warnen dich. Erzählen dir Horrorgeschichten. Und trotz all ihrer Warnungen ist es erstaunlich, wie viel Zeit du in diesem ersten Lebensjahr deines Kindes mit dem alles umspannenden Thema der kindlichen Ausscheidung verbringen wirst. Kack-Explosionen, -Konsistenzen, -Farben, -Gerüchen, dem Ausbleiben, generell der Menge, dem Entfernen aus Textilien aller Art. Unglaublich, wieviel Gesprächsstoff man aus diesem Thema rausholen kann.

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6. Lerne schnell, mit ungefragten Ratschläge umzugehen.

Bei dem einen Ohr rein, beim anderen raus. Das ist der einzige Weg, den Ratschläge von Verwandten, Bekannten oder Passagieren öffentlicher Verkehrsmittel gehen sollten. Stell dich darauf ein: Jeder wird wissen, was deinem Kind fehlt, wenn es schreit. Und jeder wird dir unterbewusst das Gefühl geben, du hast die Sache nicht im Griff. Also lass sie gar nicht erst an dich ran: Ignorier sie, lächle sie weg, sag ihnen die Meinung – welchen Weg du auch immer wählst, nimmt sie bloß niemals ernst.

7. Fang an, zu stretchen, es wird Zeit, flexibel zu werden.

Ich bin kein großer Fan von „alle Babys lieben es, gepuckt zu werden“ oder „Co-Sleeping ist das Beste, für jede Mutter“, aber es gibt die eine pauschale Aussage, die ich zu einhundert Prozent unterschreibe: Babys sind unbequem.
Deine Pläne, dein Schlaf, deine Freude an Pünktlichkeit, deine Deadlines, deine sozialen Beziehungen – mit Baby wird alles ein wenig komplizierter und unordentlicher. Du hast zwei Möglichkeiten: Strample dich ab, bist du nur mehr ein Schatten deiner selbst bist, oder schluck deinen Stolz und deine Prinzipien runter und werde flexibel.
Frag um Hilfe. Gib zu, wenn du etwas nicht schaffst. Bleib 48 Stunden im selben Pyjama. Ignoriere das dreckige Geschirr. Ja, du wirst demnächst ein paar Partys verpassen und einige Schläfchen und ein paar andere, vermeintlich wichtige Dinge, und es ist okay. Es wird nicht für immer so sein. Es wird besser, immer besser.

8. Ja, es braucht tatsächlich ein Dorf, um ein Kind aufzuziehen.

Das Wichtigste, das du für dein Baby besorgen solltest, ist nicht das super schicke Mobile oder die besonders weichen Stoffwindeln oder das schadstofffreie Baby-Gym. Das Wichtigste ist ein Dorf.
Dein Dorf wird dich über Wasser halten. Es wird dich tragen, wenn du müde bist, dich mit Essen versorgen, dir keine Vorwürfe machen, wenn du ungekämmt und Stunden zu spät kommst und auf Geburtstage vergisst.
Dein Dorf wird sich um dein Baby kümmern, wenn du einfach mal eine Pause brauchst oder zu frustriert und fertig bist, um es schon wieder in den Schlaf zu schaukeln.
Dein Dorf, deine Familie, deine Freunde, sie werden dich daran erinnern, wer du bist, was du kannst, wenn du denkst, dein Leben dreht sich nur um Baby-Kacke. Sie werden für dich da sein. Lass es zu.

 

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9. Wir müssen einander unterstützen.

Kinder aufzuziehen ist das Härteste, was die meisten von uns in ihrem bisherigen Leben getan haben. Wir können uns gegenseitig auseinandernehmen, kritisieren, über die Entscheidungen von anderen die Nase rümpfen. Oder wir können uns unterstützen, bewundern, helfen und gemeinsam unsere kleinen Siege feiern. Und die Entscheidung für den zweiten Weg ist nicht schwierig, seien wir ehrlich. Es ist völlig egal, welcher Erziehungsstil der bessere ist und ob es diesen einen besten  überhaupt gibt. Jedes unsere Babys ist verdammt süß und wir sollten uns bei einem Kaffee darüber unterhalten. Wie Freundinnen das eben tun. Lasst uns nicht schrecklich zueinander sein. Das ist doch echt nicht so schwer.

10. Erfolg ist, wenn man bereit ist, zu wachsen.

Hier kommt die Wahrheit: Du hast keine Ahnung.
In einem Jahr, wenn dein großartiges Kind seinen ersten Geburtstag feiert, wirst du noch immer keine Ahnung haben. Also sammle die Weisheit rund um dich herum ein. Lern aus deinen Fehlern. Bleib demütig und sei offen für Neues. Wenn du es besser weißt, dann mach es besser. Sei morgen ein besserer Elternteil als heute, immer, jeden Tag, so oft du kannst. Probier Dinge aus und lass sie wieder sein, wenn sie nichts für dich sind.
Das Leben ist kein Wettbewerb oder Spiel – es ist ganz einfach ein wunderschönes Leben. Genieß die Minuten anstatt sie zu zählen. Und verbring sie damit, dein unglaublich tolles Kind zu lieben.
Und du wirst verdammt viel Spaß haben.

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