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Gastbeitrag: Liebe Gesellschaft, jetzt entspann dich mal!

von

Der Grund, warum Eltern sich mit ihren Kindern in familienfreundliche Zonen zurückziehen? Weil die Gesellschaft einfach nicht versteht, dass Kinder auch nur Menschen sind! Bloggerin Katharina über den Störfaktor Kind.

www.katharinagustaf.com

Wienerin mit KindKatharina Schwenk/www.katharinagustaf.com(Wienerin)

"Sobald du Kinder hast, ist dein Leben vorbei"! - "Wieso"? - "Dann kannst du nichts mehr unternehmen und sitzt die ganze Zeit mit den Kindern daheim".

Schon mal gehört, ihr Mamas und Papas oder auch all jene, die darüber nachdenken sich als Familie zu vergrößern?

Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen, an all die mehr oder weniger nett gemeinten Kommentare und Zukunftsvorhersagen dieser Art, die ich zu hören bekam, als ich FreundInnen und Verwandten von meiner Schwangerschaft erzählte.

"Und warum genau sollte das so passieren? Ich nehme ihn dann einfach überallhin mit", war meistens meine Antwort, denn es fiel mir einfach nichts ein, was mich dazu veranlassen könnte, plötzlich zur Stubenhockerin zu werden, nun, da ich einen Sohn hatte?

Nun ist eben dieser mittlerweile zweieinhalb Jahre alt und ich habe das Mysterium der Mamas und Papas, die, kaum da der Nachwuchs da ist, nur mehr zuhause, am Spielplatz oder an ähnlichen, speziell für Kinder gedachten Orten zu finden sind, gelüftet!

Kinder? Der totale Störfaktor!

Nein, das Geheimnis ist kein spezielles Hormon, das frisch gebacken Eltern davon abhält, normale Dinge zu unternehmen oder sich in Zonen zu wagen, die nicht spezifisch als Familienzonen gekennzeichnet sind. Auch sind Mamas und Papas nicht ganz besonders faul und nicht mal die Müdigkeit, die einen als Elternteil eines Kleinkindes chronisch begleitet, ist ausschlaggebend für das Phänomen der Eltern-Kind-Abschottung vom bisherigen sozialen Leben.

Es ist schlicht und ergreifend der gesellschaftliche Umgang und die absurde Erwartung, die an Kinder und Eltern gerichtet ist, wenn es um Bewegung im öffentlichen Raum geht!

Wer beispielsweise schon mal mit Zwerg geflogen ist, wird wissen, wovon ich spreche.

Ja, Babyweinen ist nicht gerade gleichzusetzten mit beruhigendem Wasserfallrauschen und es mag schon ein wenig nervig sein, wenn ein Kind im Flugzeug Radau macht. Nie hätte ich aber erwartet, dass es Menschen gibt, die sich erdreisten, sich über ein weinendes Baby im Flieger bei der Flugbegleiterin zu beschweren?! Ähm. Ok. Meint die Dame - die zwei Reihen hinter uns sitzt und durchaus bemerkt, wie ich bereits einen Schweißausbruch nach dem anderen bekomme, weil ich versuche, mein strampelndes Kind zu beruhigen -, dass sie mit einer Beschwerde die missliche Situation verbessern kann?

 

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"Ach, wenn das so ist! Entschuldigen Sie bitte herzlichst die Störung, in diesem Fall spreche ich natürlich mit meinem sechs Monate alten Sohn und teile ihm mit, dass Sie sein Weinen etwas stresst. Solls sonst noch etwas sein? Nackenmassage oder Lavendelduftkissen eventuell?"

Gut, man möge jetzt meinetwegen meinen, dass es sich bei einer Flugreise um eine doch recht spezielle, für die meisten nicht ganz alltägliche Situation handelt, in der auch so mancheR Erwachsene nervös ist und sich nicht immer korrekt verhalten kann.

Doch wie sieht es mit Orten aus, die wir täglich besuchen? Restaurants, Supermärkte, die U-Bahn, das Postamt…?

Natürlich gibt es sie, die freundlichen und verständnisvollen Menschen – manchmal.

In den meisten Fällen jedoch trifft einen ein und dieselbe Reaktion, traut man sich, einen solchen Ort mit Kind zu besuchen, welches – man stelle sich vor – unter Umständen laut ist und sich nicht ganz brav wie einE ErwachseneR verhält.

Komisch. Ist ja auch ein Kind, Mensch!

Strafende Blicke, tiefe Seufzer oder gar Zungenschnalzen oder ein vorwurfsvolles "Also Bitte!" stehen hier an der Tagesordnung und sollen uns daran erinnern, dass Kinder sich im öffentlichen Raum keinesfalls wie solche verhalten dürfen!

Hier heißt es Ruhe geben, schön stillsitzen, sauber essen und "brav" sein. Vergessen und verdrängt seien kindliche Neugier, sprudelnde Energie und echte Kinderemotion.

Wichtig ist, dass die Erwachsenen nicht gestört werden. Da müssen die Kinder jetzt Verständnis haben. Die Erwachsenen sind halt so sensibel.

Kommt nur mir so vor, oder ist es nicht absurd, dass vom meinem zweijährigen Sohn erwartet wird, sich in eine 35-jährige Frau hineinversetzten zu können und fortan still zu sein, damit er sie nicht stört?

Er soll wissen, dass die unfreundliche alte Dame vor uns an der Supermarktkasse genervt ist, wenn er weint?

Wäre es nicht logischer, das Umgekehrte anzunehmen?

Warum ist es in unseren Breitengraden so ein No-Go, dass Kinder sich benehmen wie … Kinder?

Warum können nicht einfach alle ein bisschen freundlicher zueinander sein und sich ein wenig öfter unterstützen anstatt sich gegenseitig runterzuziehen?

Auf gut deutsch: Macht euch nicht ins Hemd, Leute. Ihr wart auch mal Kinder und/oder habt vielleicht in Zukunft welche. Ein harmonisches Miteinander macht viel mehr Spaß und zudem weniger Falten als das ewige grantig und feindselig sein – auch wenn es im Wiener Blut steckt.

Die Top 3 Kommentare über Kinder im öffentlichen Raum

Zum Schluss, noch meine Top 3-Kommentare von wildfremden Personen aus dem öffentlichen Raum – weil sie einfach zu absurd sind, um sie nicht zu teilen:

1. "Früher hätt's das nicht gegeben. Da hat man die Kinder noch richtig erzogen!" – Ältere Dame an der Supermarktkasse.

2. "Kann man den nicht abstellen?" Herr Mitte 50 im Bus.

3. "Tun Sie halt was, das ist ja nicht zum Aushalten!" – Frau Mitte 20 am Postamt.

 

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?

Was war der schrägste Kommentar, den ihr von Fremden zu hören bekommen habt?

 

 

Über die Autorin

www.katharinagustaf.com www.katharinagustaf.com

Mein Name ist Katharina.
Ich bin kreative Chaotin, Bloggerin und stolze Single-Mama vom kleinen Fynn! Nach einem fünf Jahre langen Ausflug ins schönen Antwerpen nennen wir nun wieder Wien unser Zuhause.

Das Leben explodiert in unserem kleinen Heim jeden Tag und darüber berichte ich auf meinem Blog.

Mehr Geschichten auf Katharinas Blog www.katharinagustaf.com

 

 

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