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Sensibel: Ja, manche Kinder sind schüchtern - und dafür muss sich niemand schämen!

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Schüchterne Kinder werden von unserer Gesellschaft schnell als nicht "normal" bewertet. Dabei sind sie so normal wie alle anderen auch, schreibt eine Mutter in einem sehr persönlichen Text über ihre Tochter.

Warum Eltern sich nicht für ihre schüchternen Kinder schämen sollten

Wienerin mit Kindanonym, Protokoll: Red.(Wienerin)

Ein Spielplatz ist ein Buffet an Erziehungsmethoden und Persönlichkeiten. Es gibt die süßen Kleinkinder, die vor keinem Abenteuer haltmachen und damit ihre Eltern in den Wahnsinn treiben. Es gibt die herrlich altklugen Volksschulkinder.

Und es gibt mein Kind. Das "schüchterne" Kind.

Der Spielplatz ist unser Hafen, seit meine Tochter ein Baby war. Anfangs gingen wir dorthin, weil es irgendwie alle taten, aber es stellte sich heraus, dass der Spielplatz ein wichtiger Ort für die soziale Entwicklung meines Kindes sein würde.

Im Alter von etwa zwei bis vier war meine Tochter extrem scheu. Sie hat sich in sämtlichen Ecken versteckt und ihr Gesicht verdeckt, wenn Freunde oder Familienmitglieder sie ansprachen. Das war besorgniserregend für mich.

Und dann waren da die Geburtstage. Aus irgendeinem Grund schrie meine Tochter jedesmal los, als wolle man ihr ans Leben, sobald jemand "Happy Birthday" sang. Es war anstrengend und machte mir solchen Stress, dass ich Geburtstagspartys für eine Zeit komplett meidete.

Es war unangenehm. Es war frustrierend. Es ging mir auf die Nerven.

Das i-Tüpfelchen in diesem ganzen Kampf waren die unaufgeforderten Kommentare der Leute. Darüber, dass meine Tochter doch sicher autistisch sei oder das Asperger Syndrom habe, weil sie Augenkontakt aus dem Weg geht. Das war hart zu ertragen.

Unsere Kinderärztin hatte diese Bedenken nicht. Meine Tochter war ganz einfach sehr schüchtern. Also gingen wir wie gewohnt weiterhin auf den Spielplatz. Ich dachte, es würde helfen. Wir gingen zwei, manchmal drei Mal pro Woche. Es wurde zu unserem Ritual. Meine Tochter war zu dieser Zeit in keiner Betreuungseinrichtung, also war der Spielplatz jener Ort für sie, an dem sie lernte, mit anderen Kindern zu spielen, mit ihnen zu reden.

Tanja Heffner/unsplash.com Warum Eltern sich nicht für ihre schüchternen Kinder schämen sollten

Mit der Zeit begann meine Tochter, Freundschaften zu schließen. Mit der Zeit kamen diese Freunde zum Spielen vorbei. Mit der Zeit entdeckte meine Tochter die Welt außerhalb ihrer kleinen Kokons.

Mit vier Jahren kam sie in den Kindergarten. Die ersten Tage war sie wieder zurück in ihrer unglaublich schüchteren, schwierigen Stimmung. Ich war enttäuscht.

Und dann machte es "klick": Nach der ersten Woche Kindergarten war meine Tochter wie ausgewechselt. Sie war fröhlich, offen und fand neue Freunde. Sie war immer noch schüchtern in Momenten, aber nicht mehr wie früher.

An alle Eltern, die sich Sorgen um ihre Kinder machen, weil sie nicht mit anderen spielen oder "zu schüchtern" sind: Ich verstehe euch, ich hab dasselbe durchgemacht.

Der Hauptgrund, warum diese Eltern so große Angst auf Grund des Verhaltens ihrer Kinder haben, ist nicht, weil es einfach verdammt anstrengend ist, ständig ein Kind an sich kleben zu haben, das in fremder Umgebung nichts alleine machen möchte. Der Hauptgrund sind jene Menschen aus dem eigenen Umfeld, Freunde und Familie miteingeschlossen, die ihnen die Verantwortung, ja, die Schuld für das Verhalten, den Charakter ihres Kindes geben.

Kommentare wie "Das ist doch nicht normal", "Das ist aber schon seltsam" tun weh. Und denen, die meinen, unsere Kinder kommentieren oder bewerten zu müssen: Es geht euch nichts an. Behaltet eure Gedanken für euch, wenn wir euch nicht danach fragen.

Eltern haben im Normalfall ein gutes Gespür dafür, wenn sich ihr Kind nicht so verhält wie es "sollte" oder was andere als "normal" empfinden. Und wahrscheinlich machen sie sich deshalb bereits tausend Gedanken. Auch ohne ständig darauf aufmerksam gemacht zu werden.

In unserem Fall hat sich meine Tochter einfach weiterentwickelt. Sie war sehr schüchtern, jetzt ist sie es nicht mehr.

 

 

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