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Sicherheit: Gewaltprävention für Kinder

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Wie kann ich mein Kind vor Gewalt und sexuellen Übergriffen effektiv schützen, bevor sie überhaupt passieren? Der Verein power4me klärt Kinder und Eltern auf und weiß Rat.

Gewaltprävention für Kinder

Wienerin mit KindCatherine Gottwald(Wienerin)

Patentrezepte, die Kinder vor Übergriffen schützen, gibt es leider nicht. Gerade deswegen ist es wichtig, Kinder über sexuellen Missbrauch altersadäquat aufzuklären und ihnen Tipps und Tricks zu vermitteln, die ihnen helfen, gar nicht erst in die Opferfalle zu tappen. Der Verein power4me bietet Kindern im Alter von 6-10 Jahren ein aufbauendes Präventionsprogramm in Form von Klassenworkshops an, das darauf abzielt, die Kinder Stärkung des Selbstbewusstseins und des Körperbewusstseins von innen zu stärken und ihnen beibringt, wo und wie sie sich Hilfe holen können. Anita Iberer ist Achtsamkeitstrainerin, Lebens- und Sozialberaterin, Präventionstrainerin und Obfrau von power4me. Die WIENERIN bat die Expertin zum Gespräch.     

 

Warum ist es sinnvoll, Kinder im Vorschul- oder Volksschulalter präventiv auf Übergriffe und Grenzüberschreitungen vorzubereiten?

 

Erschreckenderweise finden 50 % aller Übergriffe auf Kinder bereits vor dem 6. Lebensjahr satt. Das Thema sexueller Missbrauch ist also etwas, was Kinder schon sehr bald betrifft. Wir von power4me erklären den Kindern, wie sie sich gegen Übergriff schützen zu können. Aber die Kindern lernen bei uns überhaupt und generell auch etwas ganz Grundsätzliches: Wie erkenne ich meine Grenzen? Was sind meine Grenzen überhaupt? Körpergrenzen und andere Grenzen. Es ist auch wichtig, auf ihre Gefühle zu horchen. Wie merke ich ein Gefühl in mir? Wie fühlt sich Angst an? Wie gehe ich mit Angst um? Das kann man als Erwachsener auch noch brauchen.  

 

Warum reicht es (in vielen Fällen) NICHT aus, dass diese Vorbereitung durch die Eltern vorgenommen wird wozu braucht es also auch noch externe PräventionstrainerInnen?

 

Ratschläge allein nutzen nichts. Außerdem hört man nicht so gern auf die Eltern. Wenn Eltern in diesen Themen Kindern etwas mitgeben wollen, ist das oft mit Angst verbunden. Da wird vor allem „Angst mitgegeben“.

 

Welche Tipps und Tricks können externe TrainerInnen besser vermitteln als die Eltern? 

 

In den Kursen üben wir mit den Kindern. Die Kinder machen Erfahrungen, sie erleben, wie ist das, wenn ich jemandem begegne, der meine Grenzen überschreitet. Die Körperhaltung ist  entscheidend: Wie wirke ich auf andere, wenn ich da selbstbewusst bin? Wir üben das Weglaufen, das Schreien. Das wichtigste, was Kinder tun können, wenn es wirklich zu einer Gefahrensituation kommt: Rausgehen aus der Situation und irgendwo Hilfe holen und sich bei anderen Menschen bemerkbar machen. Und schauen, welche Menschen so sind, dass ich mir Hilfe holen kann. Den Blick schärfen.

 

Warum müssen wir unseren Kindern erst beibringen, wie sie ihren eigenen Körper wahrnehmen sollen?

 

Wir können den Kindern ohnehin nur Anstöße geben, den eigenen Körper wahrzunehmen. Durch zu starken Medienkonsum, der eher die kognitiven Bereiche anspricht, und Bewegungsmangel wird Körperwahrnehmung leider zunehmend vernachlässigt. Dabei ist Körperwahrnehmung entscheidend, damit ich auch meine Gefühle wahrnehmen kann. Wie fühl ich mich? Wo spüre man Angst? Das kann ich erst, wenn ich meinen Körper wahrnehmen kann. Wir üben auch mit den Kindern ihr Bewusstsein auch dahingehend zu schulen: Der Körper hört auch nicht bei der Haut auf. Da haben wir auch noch eine Grenze rund um uns herum, wo ich auch schau, wie ist es, wenn mir jemand nahe kommt? Wie nahe darf mir jemand kommen? Wie ist das mit Fremden? Bei wem darf ich das überhaupt? Das sie auch lernen: Ich spür auch schon was, BEVOR mich jemand angreift. Wenn mir jemand nahe kommt, wie fühlt sich das an und auf das aufmerksam zu werden. Dass es etwas ausmacht, wie nahe jemand bei mir ist. Ist mir das unangenehm? Ist mir das angenehm? Es gilt dieses Bewusstsein zu schärfen. Erst dann kann ich mich schützen. Zu wissen, wo genau die Grenzen sind, ist wichtig, weil man erst dadurch erfährt, wann eine Grenzüberschreitung stattfindet.     

 

Warum müssen wir unseren Kindern erst beibringen, welche Rechte sie haben (wie das Recht „Nein!“ zu sagen)?

 

Weil durch Eltern diese Rechte nicht vermittelt werden, zumindest nicht bewusst vermittelt. Speziell das Recht „Nein!“ zu sagen ist ein heikles Thema bei Kindern, weil die Erwachsenen gern hätten, dass die Kinder tun, was sie wollen. Sich damit wirklich auseinander zu setzen als Eltern ist oft schwierig. Erlauben, „Nein!“ zu sagen, erfordert sehr viel Reflexion. Wenn das zuhause gelingt, ist das super. Aber man hätte halt gern, dass die Kinder brav sind, eine Ruh geben und tun, was wir wollen.   

 

Kann sich ein Kind nach einem Selbstverteidigungs- und Gewaltpräventionskurs für Kinder tatsächlich physisch gegen erwachsene Angreifer wehren?

 

Nein. Realistisch gesehen, hat ein Erwachsener mehr Kraft als ein Kind. Reine körperliche Selbstverteidigung greift nicht, wenn ein Erwachsener wirklich handgreiflich wird. Ein Kind von innen her zu stärken, damit es sich überhaupt traut, rechtzeitig ein „Nein!“ zu sagen oder auch wegzulaufen oder zu schreien und Hilfe zu holen ist der zentrale Punkt unserer Arbeit. Wir wollen Kinder dorthin zu bringen, sich zu trauen – egal, warum eigentlich – bei anderen Erwachsenen Hilfe zu holen. Kinder, die beispielsweise einen Judo-Kurs besuchen, sind selbstbewusster, die haben schon einmal ein anderes Auftreten und trauen sich auch, dem Angreifer anders gegenüber zu treten. Es ist möglich, dass ein Täter von einem Kind ablässt, weil er merkt, dass hier seine Masche nicht funktioniert.      

 

Warum werden Buben und Mädchen in manchen Unterrichtseinheiten getrennt  unterwiesen? 

    

Nur in der speziellen Unterrichtseinheit von power4me, in der es konkret um sexuellen Missbrauch geht, ist es für die Kinder leichter und angenehmer, wenn sie nach Geschlechtern getrennt mit dem Thema befassen. So können sie sich auch besser öffnen und sich auch mehr auf das Thema einlassen. Die Scham ist groß. Auch wenn nur Mädls oder Burschen unter sich sind, ist ihnen das Thema schon peinlich genug.   

 

VIDEO: Verspannte Schultern? Diese Übung hilft!

 

 

 

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