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Gastbeitrag: Die Work-Life-Baby-Balance aus Papa-Sicht

von

Die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben ist auch ohne Kind oft genug eine Challenge. Ein Baby stellt jedoch alles nochmal auf den Kopf – auch für Papa-Blogger Michael.

Papa arbeitet mit schlafendem Baby im Arm

Wienerin mit KindMichael Winischhofer, papa-blog.at(Wienerin)

Zugegeben: Für mich war ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Job und Privatleben schon in Vor-Baby-Zeiten kein Kinderspiel. Die Berufswelt 2.0 mit ihrer „Always On“-Mentalität hatte mich fest im Griff, meine persönliche Work-Life-Balance in Einklang zu bringen, stellte mich immer wieder vor Herausforderungen. Dennoch sah ich ein Licht am Ende des Tunnels und fühlte mich auf einem guten Weg, eine Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben zu schaffen. Ich schnürte ein vielseitiges Freizeit-Maßnahmenpaket, damit mein Akku immer wieder grün leuchtete  - bis mein Sohn mit seinem ersten Schrei auf dieser Welt mein Gleichgewicht wieder durcheinander wirbelte, tschüß, Balance!

Denn plötzlich ist alles anders. Das liegt nicht nur daran, dass ab sofort ein neuer Mitbewohner im gemeinsamen Haushalt lebt. Einer, der keinen Geschirrspüler ein- und ausräumt, der nicht staubsaugt, der keine Termine in den gemeinsamen Kalender einträgt. Und der das Potenzial in sich trägt, mit seinem Stimmorgan die liebliche Stimme meiner lieben Ehefrau zu übertönen. Viel mehr liegt die Ursache darin, dass dieser kleine Mensch viel, viel Zeit und Aufmerksamkeit einfordert – und auch gerne bekommt! Das heißt: Die Schwergewichte Work & Life müssen anders organisiert werden, damit genug Platz für das Baby ist.

Work: Neue Ansprüche und Abende im Offline-Modus

Verabschiede ich mich morgens von Samuel, schläft dieser nach seiner durchzechten Nacht unschuldig in seinem Bett. Ich beneide ihn kurz um seinen Schlaf, bevor ich mich müde auf den Weg in die Arbeit mache. Die Gedanken, wieder wertvolle Zeit mit ihm zu versäumen, wieder von seinen Entwicklungssprüngen nur zu erfahren statt aktiv mitzuerleben, begleiten mich ständig. Mit einem Baby verrinnt die Zeit förmlich.

Im Büro tanke ich umgehend Kaffee. Denn ich bekämpfe ja nicht nur das Schlafdefizit der letzten Wochen: Auch Väter haben mit Vorurteilen und Klischees in der Berufswelt zu tun. Die unausgesprochenen Zweifel, ob noch genug persönliche und zeitliche Ressourcen für neue Projekte vorhanden sind, ob der Fokus als frischgebackener Vater noch immer auf dem Job liegt, bauen sich wie eine unsichtbare Wand auf. Gleichzeitig wächst der Druck, denn ab sofort ist man ja der Versorger einer ganzen Familie und arbeitet nicht mehr nur „für sich“. Also werde ich strenger zu mir selbst, erhöhe das Tempo – und den Kaffeekonsum. Den einzigen Luxus, den ich mir seit der Geburt meines Sohnes gönne, ist die Reduzierung der Abendtermine und ein Offline-Modus in den Abendstunden, bis sich mein Sohn in den Schlafmodus verabschiedet.

Life: Neue Freundschaften, alte Verwandtschaften

In Vor-Baby-Zeiten lag die Verantwortung, wie ich meine Freizeit gestalte und mein Gleichgewicht schaffe, bei mir. Und – beratend und bewertend – natürlich auch bei meiner lieben Ehefrau. Ob ein intensives Sportprogramm, stimmungsvolle (TV-Fußball-)Abende oder einfach nur ein Feierabend-Bier mit einem guten Essen – die richtige Maßnahme erzielte meist ihre Wirkung. Wie gesagt, ich war ja auf einem guten Weg. Mit Samuels Geburt erfolgte eine komplette Neuorientierung. Endlich bekam ich einen Grund, das Sportprogramm zu reduzieren und faul zu werden (selbst bei den ehrgeizigsten Trainingspartnern zieht die Baby-Ausrede hervorragend!). Schleichend verschiebt sich auch der Freundeskreis. Anscheinend ziehen sich Jung-Eltern magisch an. Und mein Kontakt zur Verwandtschaft erlebt eine Renaissance. Mit der Eintrittskarte "Samuel" öffnen sich verwaiste Türen, Familienzusammenkünfte werden wieder zu Ereignissen.

Baby: Das beste Ladegerät für den Papa-Akku

Meine Akku-Powerbank ist aber mein Sohn Samuel. Die Zeit mit ihm ist kostbar. Doch überall lauern Zeitdiebe. Am Heimweg vom Büro hält mich der sonst so nette Small-Talk am Gang auf, die grüne Welle im Wiener Straßenverkehr funktioniert anscheinend nur im Labor, der Stau auf der Südosttangente wird jeden Tag schlimmer und Sonntagsfahrer sind nun auch unter der Woche unterwegs.

Komme ich endlich nach Hause, höre ich meine liebe Ehefrau schon sagen: „Samuel, der Papa ist da!“ Freudig biege ich ums Eck, sehe meinen Sohn an. 1000 Gedanken kreisen durch meinen Kopf. Was habe ich versäumt? Erkennt er mich noch oder fremdelt er vor seinem Papa? Das letzte Mal hat er mich vor rund 20 Stunden bewusst wahrgenommen. Und da war er kurz vorm Einschlafen in etwas unpässlicher Stimmung. Die Sekunden, die mich Samuel zuerst einmal begutachtet, vergehen wie Stunden. Bis er grinst, mit seinen Beinchen strampelt, mit seinen Armen freudig in der Luft rudert und dem Lächeln noch Töne folgen lässt. Der gesamte Stress und Ärger des Tages ist in der Sekunde vergessen. Jetzt beginnt die Papa-Sohn-Quality-Time. Mein Tag ist gerettet, mein Akku lädt, meine Work-Life-Baby Balance ist im Gleichgewicht. Für diesen Moment zumindest.

 

Über den Autor

Michael Winischhofer berichtet auf www.papa-blog.at über die alltäglichen Herausforderungen eines Jung-Vaters. Sein Sohn Samuel kam Ende vergangenen Jahres auf die Welt, gemeinsam mit ihm und seiner Ehefrau lebt Michael in Wien.

 

VIDEO: Verspannte Schultern? Die beste Übung für junge Mamas

 

 

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