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Gastbeitrag: Business-Termin mit Kind? Eine große kleine Herausforderung!

von

Lisa kümmert sich um ihre Tochter, studiert und arbeitet - da ist die kleine Madame auch schon mal bei einem beruflichen Termin dabei. Wie Business-Partner reagieren, wenn plötzlich ein Kind nach dem Buffet kräht?

Wienerin mit KindLisa Repnik, www.maunzimadame.com(Wienerin)

Mama hat wieder einmal einen Termin. Ein Networkingevent in Wien, das ich auf keinen Fall verpassen möchte. Auch der Herr ist diesmal mit von der Partie. Und Madame? Tja, die auch. Denn wie soll es anders sein - alle Omas und Opas sind verplant. Und sonst lässt sich auch niemand auftreiben, der so kurzfristig auf Madame aufpassen könnte. Eh klar. Also heißt es wieder einmal Madame inklusive allem einpacken – und ab in die große Stadt.

Die Fahrt dorthin verläuft ruhig – zum Glück. Nur an Schlaf (wie Mama es eigentlich geplant hat) ist für Madame nicht zu denken. Logisch. Ist auch alles wieder einmal viel zu spannend, was sich vor der Fensterscheibe so abspielt. Egal – wir haben in Wien noch einen Zeitpuffer mit eingeplant – da wird sie bestimmt zur Ruhe finden.

"Mittagsschläfchen nach Plan? Nicht mit mir!"

Doch Pläne werden bekanntlich gemacht um – richtig! – durchkreuzt zu werden. So auch dieser. Madame will einfach nicht in ihren Mittagsschlaf finden. Es findet sich alle paar Minuten etwas, was sie davon abhält. Langsam werde ich nervös. Mit einer wachen, aber schon leicht grantigen Madame zum Event? Ich kann mir gerade tausend bessere Dinge vorstellen.

Hilft alles nichts. Denn schön langsam drängt die Zeit. Also geht’s mit einer wachen Madame Richtung Veranstaltung. Ich werde immer unruhiger. Aber zum Glück ist ja dieses Mal der Herr dabei. Der es auch mit viel Liebe und innerer Ruhe schlussendlich doch schafft, die kleine große Madame ins Träumeland zu bringen. Ein kurzer Blick auf die Uhr – gerade noch rechtzeitig. Timing ist alles. Ich bin erleichtert. Nun können wir in Ruhe die Veranstaltung besuchen.

Dort angekommen fällt mir gleich auf, dass wir die einzigen sind, die einen Kinderwagen und somit auch ein Kind im Schlepptau haben. Ob das ein Problem ist? Keine Ahnung, aber das werde ich in Kürze erfahren. Ich bin nervös – in meinem Kopf spielen sich allerlei Szenen ab. Und die reichen über freundliches Bitten, das Event zu verlassen, bis hin zum Rausschmiss. Richtig gutes Kopfkino. Nichts von dem tritt ein. Jeder, dem ich über den Weg laufe, lächelt mich verständnisvoll an. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Damit habe ich nicht gerechnet. Zugegeben: mit einem Rausschmiss auch nicht so wirklich. Aber man weiß ja nie so genau.

 

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Also nichts wie hinein ins Getümmel. Es sind ganz schön viele Leute da. Der Geräuschpegel ist enorm. Ein kurzer Blick in den Kinderwagen – Madame schläft bombenfest. Sehr gut. Jetzt heißt es die Zeit nutzen und networken, was das Zeug hält. Denn wenn Madame mal wach ist, ist das alles nicht mehr ganz so einfach. Eh klar.

Verdächtige Geräusche aus dem Kinderwagen

Da und dort ein kurzer Blick in den Kinderwagen – alles im grünen Bereich. Doch dann höre ich etwas. Etwas Verdächtiges. Madame ist wach und ich habe innerlich schon mit dem Event abgeschlossen. Sehe mich schon mit ihr nach Draußen gehen. Denn andere Leute stören – kommt gar nicht in Frage. Denn aufzwingen möchte ich mich mit Kind mit Sicherheit niemandem. Doch Madame bleibt ruhig. Sitzt in ihrem Wagen und schaut sich alles in Ruhe an. Saugt alle Eindrücke auf.

Bis sie das Essen entdeckt. Das war eine Frage der Zeit, denn davon gibt’s hier an jeder Ecke etwas. Lautstark macht sie sich bemerkbar. Möchte auch was davon haben. Na klar, die angebotenen Speisen sind einfach zu verlockend. Schnell gebe ich ihr etwas. Gerade noch mal gut gegangen. Madame ist beschäftigt. Nur leider nicht sehr lange. Sie möchte noch was. Und noch was. Und noch was. Natürlich. Ganz die Mama. Bei dem Angebot muss man eben einfach essen.

Madame hört nicht mehr auf zu quengeln. Möchte raus. Raus aus dem Kinderwagen. Die Welt auf eigene Faust erkunden. Ich bin irgendwie nicht mehr so entspannt wie zuvor.  Auf einmal kommt es mir vor, als wären tausend Leute in dem kleinen Raum. Mit Kinderwagen nicht gerade einfach zu bewältigen. Und just als ich mich mit dem Wagen durch die Menge in Richtung Ausgang kämpfen will, tippt mir jemand von hinten an die Schulter. Es ist der Herr. Der ist ja auch noch da. Mir fällt ein Stein von Herzen. Lächelnd nimmt er mir Madame ab und lässt mich werken. Was bin ich froh, dass er mitgekommen ist.

Termin mit Kind? Kein Grund für Stress!

Mein Fazit: Termine mit Kind zu bewältigen ist nach wie vor kein Problem. Es bedarf ein bisschen an Planung (die nicht immer einwandfrei funktioniert, siehe Mittagsschläfchen) und einer kleinen persönlichen Umstellung der Erwartungshaltung: Man kann nicht mehr so egoistisch sein, wie zuvor. Denn da ist dann ja noch jemand, auf den man unbedingt Rücksicht nehmen muss. Und das sind meistens keine anderen Gäste oder Teilnehmer. Da bin ich bis jetzt noch nie auf Gegenwind gestoßen. Ganz im Gegenteil – ganz oft wird Madame schon mit eingeladen. Trotzdem nehme ich dann immer gerne den Herrn oder jemand anderen als Unterstützung mit. Denn zu zweit geht vieles viel leichter. Und Mama ist um einiges entspannter.

 

Über die Gastautorin

Lisa Repnik lebt mit ihrem Freund und ihrer knapp zweijährigen Tochter, der kleinen Madame, in Graz. Neben ihrem Job studiert sie Umweltsystemwissenschaften und bloggt auf www.maunzimadame.com.

 

 

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