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Gastbeitrag: Babylos durch die (halbe) Nacht

von

Ein Abend ohne Kind? Fantastisch! Oder? Papablogger Michael über den ersten Abend ohne Baby, nervöse Blicke auf die Uhr und die große Sehnsucht danach, einfach nur zu schlafen.

Babylos durch die (halbe) Nacht

Wienerin mit KindMichael Winischhofer, papa-blog.at(Wienerin)

Ein Abend ohne Baby, inklusive der Abwesenheit während einer Mahlzeit des Nachwuchses, zählt zu den größten Herausforderungen junger Eltern. Die Erstmaligkeit dieses Ereignisses verlangt akribische Planung. Wochen vor der Geburt meines Sohnes kaufte ich die Konzert-Tickets für diesen Abend. Ich castete frühzeitig einen Babysitter mit langjähriger Erfahrung und perfektem Leumund. Ich sorgte für Platz im Tiefkühler, damit meine liebe Ehefrau genug Nahrung für unser vier Monate altes Baby vorbereiten konnte. Und natürlich probte ich unsere Abwesenheit – mit einer zweistündigen Baby-Abstinenz an unserem Hochzeitstag. An diesem Abend blendeten meine liebe Ehefrau und ich eine Stunde lang unsere neue Elternschaft aus, schwelgten in Erinnerungen an Vor-Baby-Zeiten. Erst der Blick auf die Uhr ließ uns unruhig das Essen unterbrechen, dieses einpacken und nach Hause stürmen.

Der Spielverderber

Mein Sohn witterte wohl unser erneutes, babyloses Vorhaben und schien damit nicht einverstanden zu sein. In der Nacht zuvor wusste er seine Eltern zu beschäftigen, rein gar nichts ließ ihn zur Ruhe kommen. Zweimal musste ich die sonst so beruhigende Kinderwagenausfahrt abbrechen. Aus persönlichen Sicherheitsgründen. Zu groß war das Risiko, wegen Lärmbelästigung oder gar wegen Kindesentführung von einem mobilen Einsatzkommando der Polizei angehalten zu werden. So lautstark protestierte Samuel in die Stille der Nacht hinein. Erst die Autofahrt kurz vor Mitternacht in eine von mir erstmalig erforschte Gegend beruhigte meinen Sohn endlich.

Der große Abend

Dementsprechend erschöpft und demotiviert erlebten meine liebe Ehefrau und ich den folgenden Tag X. Gebetsmühlenartig klärten wir uns gegenseitig über die Wichtigkeit eines Abends der Zweisamkeit auf. Da sich auch unser Babysitter, Samuels Tante, von den Verhaltensauffälligkeiten unseres Sohnes nicht abschrecken ließ, pünktlich und sogar in Verstärkung ihrer Töchter anrückte, rafften wir uns schließlich doch zu unserem Konzertbesuch auf.

Gebetsmühlenartig klärten meine Frau und ich uns über die Wichtigkeit dieses Abends auf.

Am Weg zur Veranstaltungshalle drehte sich unser Gesprächsthema natürlich um unseren Sohn – unterbrochen von heftigen Gähn-Attacken. Bis unsere Blicke schließlich nur noch ins Leere starrten. Die Sehnsucht danach, einfach nur ein Hotelzimmer zu beziehen, um ein paar Stunden in Ruhe zu schlafen, stand uns beiden ins müde Gesicht geschrieben. Wir waren einfach erschöpft, aber folgten tapfer unser Mission: einem Abend Zweisamkeit!

Die Stimmung beim Konzert reanimierte uns. Wir tanzten, sangen textunsicher mit, fühlten uns wie verliebte Teenager. Bis, ja bis, wir wieder diesen einen fatalen Fehler begingen. Wir blickten auf die Uhr. Ohne weitere Kommunikation verließen wir panikartig noch vor der ersten Zugabe das Konzert. Wir suchten ein Taxi, fanden keines. Wir sprinteten zur U-Bahn, schimpften über die „unendlich“ lange Öffi-Wartezeit von fünf Minuten abends in Wien. Im Laufschritt und außer Atem kehrten wir viereinhalb Stunden nach Verlassen der Wohnungen wieder zurück. Und Samuel? Er schlief vollkommen ruhig in den Armen seiner Cousine. Offensichtlich vermissten wir ihn mehr als er uns.

Nacht der Rekorde

Dennoch purzelten an diesem Abend unsere persönlichen Rekorde: Erst in der 6. Minute nach Verlassen der Wohnung telefonierte ich erstmals mit unserem Babysitter. Meine liebe Ehefrau blickte beim Konzert ein ganzes Lied lang nicht auf das Handy, ob es eine Nachricht unseres Babysitters gab. Und wir schraubten die bisherige zweistündige Rekord-Abwesenheit auf fabelhafte 4,5 Stunden hoch. Wir werden diesen Abend wiederholen. Es soll ja leichter für Eltern werden, Stunden ohne Kind zu verbringen. Angeblich. Hoffentlich.

 

Über den Autor

Michael Winischhofer berichtet auf www.papa-blog.at über die alltäglichen Herausforderungen eines Jung-Vaters. Sein Sohn Samuel kam Ende vergangenen Jahres auf die Welt, gemeinsam mit ihm und seiner Ehefrau lebt Michael in Wien.

 

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