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Emotional: „Die Geburtsfotografie ist wie die Geburt selbst: echt, unvorhersehbar und magisch“

von

Tamara Wassermann ist Geburtsfotografin und erzählt über den Zauber und die Herausforderung, eine Geburt mit der Kamera zu begleiten.

(c) Tamara Wassermann

Wienerin mit KindKatrin Halbhuber(Wienerin)

„Ich betrete den Kreißsaal und begrüße still nickend die Hebamme, die Laura gerade durch eine Wehe begleitet. Ich bin ergriffen von der Intensität des Moments und von der uneingeschränkten Konzentration und Hingabe dieser Frau, die dabei ist, ihr erstes Kind zur Welt zu bringen. Dann ist es soweit, die Hemmschwelle zu übertreten und zu tun, wofür ich hergebeten wurde: Ich nehme die Kamera aus meiner Tasche und beginne erste Bilder zu machen. Egal, ob in der Geburtsklinik oder bei einer Hausgeburt, dieser Moment ist jedes Mal aufs Neue eine Herausforderung für mich. Denn wie passen dieser heilige Raum, in dem sich die Frau ganz entblößt, sich ganz Ihrer Urkraft hingibt, mit diesem stumpfen, technischen Apparat zusammen, den ich plötzlich in die Hand nehme?“

Tamara Wassermann ist Fotografin und begleitet seit Dezember 2015 auch Geburten mit ihrer Kamera. Sie weiß: „Die Geburtsfotografie ist wie die Geburt selbst: echt, unvorhersehbar, ungestellt, authentisch.“ Und das heißt keineswegs, dass man als Frau, die gerade dabei ist, ein Kind auf die Welt zu bringen, ständig eine Kamera vor der Nase hat. Wir haben mit Tamara über ihre Arbeit, die Herausforderungen dabei und ihre Gefühle als selbst zweifache Mama gesprochen und zeigen Beispiele ihrer Arbeit.

Was ist die größte Herausforderung beim Fotografieren von Geburten?

Tamara Wassermann: Jede Geburt ist anders und ich weiß nie, in welcher Stimmung die Menschen sind, denen ich gleich begegne, wie die Lichtsituation ist und wie lange ich vor Ort bleiben werde. Das können auch schon mal um die zwölf Stunden sein. Die Herausforderung, mich in das bestehende Feld des Geburtsteams, das meistens aus Gebärender, Partner und Hebamme besteht, zu integrieren, und mich dann darin unsichtbar zu machen, aber doch wachsam zu sein, falls etwas gebraucht wird, ist unheimlich spannend. Ein Glas Wasser für die Hebamme, ein nasses Tuch für die Stirn der werdenden Mutter – als Geburtsfotografin bin ich auch immer gleichzeitig Helferin und Stütze für alle Beteiligten. Und als Fotografin fasziniert mich am meisten die unvergleichliche Schönheit des Ungestellten, die Echtheit der Menschen und des Augenblicks, das Ungefilterte, das Pure. Es gibt keine größere Ehre für mich, als den intimsten und gewaltigsten Prozess im Leben einer Frau mit all seiner Vielfalt an Emotionen einzufangen und somit unvergänglich zu machen.

 

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Du hast selbst zwei Kinder, welche Gefühle kommen bei dir auf, wenn du bei einer Geburt dabei sein darfst, und wie gehst du damit um?

Wow, ganz viele Gefühle kommen da! Meine eigenen Geburten waren keine leichten. Einmal Notkaiserschnitt und einmal eine abgebrochene Hausgeburt. Ich weiß, was alles schief laufen kann und kenne einige der Faktoren, die eine einfache und schnelle Geburt verhindern können. Ganz heimlich wünsche ich mir natürlich für all die Frauen, die begleite, dass ihnen das nicht passiert. Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass jede Frau in ihrem ganz persönlichen Tempo durch ihre Geburtsreise geht. Das Schöne ist, dass ich niemals die Geduld verliere, selbst wenn Gebärende, Hebamme oder Partner schon erschöpft sind. Ich empfinde Dankbarkeit für jeden Moment, den ich diesem heiligen Raum beiwohnen darf. Ich bin überzeugt, dass auch der Charakter des Kinder ein wesentlicher Faktor für den Geburtsverlauf ist, den man nicht kontrollieren oder lenken kann. Somit sind Vertrauen und Hingabe bestimmt die beiden wichtigsten Qualitäten, die ich – wenn es gewünscht ist und „passt“ - durch Worte oder Gesten miteinbringe. Und ja, selbstverständlich gibt es immer wieder Momente, in denen ich mit Erinnerungen an meine eigenen  Geburten konfrontiert bin, was sehr bereichernd und heilend für mich ist!

 

Gibt es einen Unterschied zwischen natürlicher Geburt und Kaiserschnitt?

Nein und Ja. Der Ablauf der Geburten, sowie die inneren und äußeren Themen mit denen Kind und Mutter konfrontiert werden, sind unterschiedlich, ja. Aber die Essenz bleibt die gleiche. Liebe. Kraft. Neues Leben manifestiert sich in der Welt. Egal ob Hausgeburt, Krankenhausgeburt, oder Bauchgeburt (Kaiserschnitt) - der Moment der Geburt ist immer wie ein Wunder und ich, als außenstehende Beobachterin, empfinde in diesem Augenblick keinen Unterschied.

 

Worauf kommt es in deinem Job besonders an?

Enge Räume, schlechte Blickwinkel, spärliches Kerzenlicht, rasch wechselnde, intensive Emotionen. Du musst ohne zu zögern wissen, wie du mit deinem möglichst unauffälligen Equipment umzugehen hast. Du kannst nicht einfach blitzen, wenn das Licht schlecht ist, oder näher herangehen, wenn die Sicht schlecht ist – und darfst trotzdem die einmaligen, magischen Momente nicht verpassen. Doch was noch viel wichtiger ist bei der fotografischen Geburtsbegleitung ist das Gefühl. Wenn die Chemie zwischen den werdenden Eltern und mir nicht stimmt, wenn man nicht auf einer Welle schwingt – was meiner Erfahrung nach sofort spürbar ist – kann es sein, dass sich meine Anwesenheit störend auf den Geburtsprozess auswirken kann. Ich bitte die Frauen auch im Vorfeld schon darum, schonungslos ehrlich und direkt mit mir zu sein, sollte es während der Geburtsreise einen Moment geben, an dem meine Anwesenheit nicht erwünscht ist – und ich das nicht selbst merke.
Selbstverständlich bringe ich in meine Tätigkeit ein hohes Maß an Sensibilität, Achtsamkeit und Einfühlungsvermögen mit ein.
Interessenten treffe ich mindestens zwei bis drei Mal vor dem großen Ereignis, so dass wir uns ganz sicher sein können, dass wir uns miteinander wohl fühlen. Bis jetzt habe ich – Göttin sei dank – ausschließlich positive Erfahrungen gemacht.

 

Zur Person

Tamara Wassermann Tamara WassermannTamara Wassermann ist Fotografin aus Baden bei Wien. Sie fotografiert unter anderem Geburten und bietet über das Projekt "MamaStillt!" zwei bis drei Mal im Jahr kostenlose Stillshootings an.

Infos zu Geburtsfotografie und Stillshootings:
https://www.facebook.com/geburtsfotografin

Kontakt und Portfolio: www.tamarawassermann.at

 

 

 

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