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Kommentar: Kim Kardashian lässt sich den Nabel straffen und ich werde wütend

von

Kim Kardashian freut sich, weil sie sich nach der Geburt ihrer zwei Kinder endlich den Bauchnabel straffen und die Schwangerschaftsstreifen entfernen lässt. Eine Botschaft, die WIENERIN-Redakteurin Katrin Halbhuber zum Kotzen findet.

Kim Kardashian wütendes Emoji

Wienerin mit KindKatrin Halbhuber(Wienerin)

Ja, ich hab mich zu Beginn meiner zweiten Schwangerschaft schon einmal mit Kim Kardashian solidarisiert. Das hat mich selber überrascht, sind wir doch selten einer Meinung. Meistens ist es mir wurscht, was Kim tut, manchmal bringt’s mich zum Lachen, manchmal macht sie mich wütend. Wie heute.

In meinem Facebook-Feed sehe ich heute Morgen eine Geschichte des amerikanischen Klatschmediums US Weekly: „Kim Kardashian Gets Her Stretch Marks Removed a Week After Tightening Her Belly Button“.

"Jede Mutter versteht, wie sehr man diese Straffung braucht"

Puh, ich merke schon, da sind wir nicht auf einer Linie, Kim, die ersten Grausbirnen steigen auf. Ich klicke in die Geschichte und lese weiter: Der Reality-Star hat auf Snapchat (passenderweise mit Hasen- und Schnee-Filter) von ihrem Besuch in der Praxis ihres Stamm-Beauty-Docs Dr. Ourian erzählt, sie sei aufgeregt, dass sie es endlich getan habe und mit dem Doktor an den Dehnungsstreifen aus ihren Schwangerschaften gearbeitet habe, sie habe sich so davor gefürchtet, aber es habe gar nicht so arg weh getan, sie sei jetzt so dankbar und aufgeregt, ‚I love you, Dr. Ourian!‘“

 

Eine Woche zuvor hatte die Mutter von North, 3, und Saint, 14 Monate, den Arzt besucht, um ihren Nabel straffen zu lassen. Und erzählt auch davon: „Jede Frau, die Babys zur Welt gebracht hat, weiß, was das mit deinem Nabel macht, und wird verstehen, wie sehr man Dr. Ourians Straffung braucht, damit es wieder halbwegs normal aussieht.“

Ein Luftballon, dem die Luft ausgegangen ist

Puh. Man braucht also nach der Geburt von zwei Kindern einen Schönheitschirurgen, damit man wieder annähernd normal aussieht. Natürlich, Kim Kardashians Welt ist nicht die normale Welt, ihr „normal“ ist nicht mein „normal“. Aber auch in meiner Welt kenne ich keine Mutter, die Dehnungsstreifen am Bauch und schlaffe Haut rund um den Bauchnabel total super findet. Der Unterschied: In dieser Welt stellt sich die Frage nicht, ob man mit Dehnungsstreifen normal aussieht oder nicht. Man hat sie. Punkt. Ich habe zwei Kinder geboren, beide 4-Kilo-Brocken, in der zweiten Schwangerschaft hat mir meine Tochter mit Händen und Füßen die linke Hälfte meines Bauches so überdehnt, dass er jetzt quasi zwei Gesichter hat – eine Hälfte ohne, eine Hälfte mit Streifen. Die eine so überdehnt, dass ich, egal wie viel ich trainiere oder wie sehr ich auf meine Ernährung achte, für den Rest meines Lebens ein Muffin Top haben werde, also Haut, die halt auch mal über den Bund meiner Jeans hängt. Ja, auch im Stehen. Wenn ich mich vornüber beuge, sieht mein Bauch aus wie ein Luftballon, dem die Luft ausgegangen ist. Isso.

Als ich die ersten Dehnungsstreifen in der Schwangerschaft entdeckt habe – trotz gefühlten zwanzig Flaschen Körperöl und täglichen Massagen – war ich ehrlich fertig. Mein Bauch war riesig, mein Kind hat mich von innen ausgebeult, mir war elend. Jetzt, ein Jahr nach der Geburt meiner Tochter, stört es mich nicht mehr. Ich würd’s mir nicht aussuchen, ja, ich schaue mit Neid auf den Bauch von Freundinnen, die zwar Kinder, aber keine Dehnungsstreifen bekommen haben, ich werde ein wenig wehmütig, wenn ich alte pre-baby-Fotos von mir im Bikini sehe. Aber was soll’s. Ich kann’s nicht ändern und will’s auch nicht. Ich wäre mit glattem, straffen, streifenlosen Bauch nicht glücklicher, schöner, netter oder klüger, hätte nicht mehr Geld, nicht besseren Sex. Eine kleinere Jeansgröße vielleicht, möglich.

Von Los Angeles bis Baden

Warum ich mich trotzdem so über Kim Kardashians Beauty-Wahn aufrege, wo er mir doch genauso wie meine Jeansgröße wurscht sein könnte? Weil es kein Thema im Leben gibt, in dem sich Frauen so zerfleischen, vor allem gegenseitig, wie das Muttersein, von der Erziehung der Kinder bis zum eigenen Aussehen. Weil Kimmy ihre Behandlungen wahrscheinlich als Gegengeschäft für die Publicity gratis kriegt und sie sich doch eigentlich leisten könnte. Und dann auch noch so blöd ist, die Wörter „Straffung“ und „brauchen“ gemeinsam zu verwenden – es wird immer noch zu viele Frauen geben, von Los Angeles bis Baden, die ihr das glauben.

Wenn also das nächste Mal eine virale Geschichte daherkommt, weil irgendjemand auf irgendeinem sozialen Netzwerk ein Foto seiner Schwangerschaftsstreifen gepostet hat, sollten wir nicht genervt mit den Augen rollen, weil „hat ja eh jeder, kennt ja eh jeder, ach, schon wieder so eine ‚body positivity-Gschicht‘“. Stattdessen auf „Like“ klicken. Denn offensichtlich haben es noch nicht alle verstanden. Und es braucht wohl zehn Pro-Dehnungsstreifen-Artikel um eine Kim Kardashian auszugleichen.

 

VIDEO: Rückbildung - nicht nur für die Optik, sondern vor allem für die Gesundheit wichtig!

 

 

Kommentare

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1 Kommentare
Gast: Legu
21.02.2017 18:00

Scheißegal..

...was diese aufgespritzten und depaten Weiber machen !
Habe 2 Kinder zur Welt gebracht; keine Strips und bin 71 und könnte noch im Bikini gehen !