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Bergans-Gipfelglück in Osttirol

12 verrückte Teilnehmerinnen, 8 engagierte Bergführerinnen - 5 Tage am Berg. Ziel: Der Großglockner. WIENERIN Fotoredakteurin Lydia Stöckl war mit von der Partie und erzählt uns wie es ihr ergangen ist.  - WERBUNG -

Wienerinclub(Wienerin)

Der Berg und ich

Ich heiße Lydia und bin supersportlich. Ich powere mich gerne aus, ich gehe gerne an meine Grenzen und habe erst kürzlich einen völlig wahnsinnigen Ultra­lauf absolviert. Sechs Stunden ohne Pause laufen – meine FreundInnen finden das verrückt. Ich steh drauf.

Und jetzt bin ich – Niederösterreicherin, aufgewachsen mit Gipfeln von gefühlt höchstens 300 Metern – plötzlich in Osttirol. Ich stehe am Beginn einer Klettertour auf die Bügeleisenkante, und das Einzige, woran ich jetzt denken kann, ist: Lydia, du darfst jetzt vor allem keine Angst kriegen, okay?


Ich bin noch nie geklettert und daher fand ich die Teilnahme am Bergans-Gipfelglück (powered by WIENERIN und Osttirol Werbung) schon herausfordernd, aber wer sich selbst so fit hält wie ich, hat Zweifel erst, wenn der mächtige Fels tatsächlich vor einem aufragt und die schroffe Schulter zeigt: Felsen, Kanten und Möglichkeiten, in die Tiefe zu fallen, wohin ich schaue.

(c) Lydia Stöckl


Dabei habe ich am Tag davor vieles bereits gelernt. Meine superlässige Bergführerin Andrea hat mich darauf vorbereitet, wie man richtig klettert: Drei feste Punkte braucht man, mit dem vierten – Hand oder Fuß – greift oder steigt man. Ich habe Tricks gelernt, mit dem Handballen zu prüfen, ob der nächste Griff was taugt, den Fels anzuschauen, ehe man hinsteigt, sich Zeit zu lassen und kleine Schritte zu machen, denn nur dann kann man lang und kräftesparend klettern.

Unsere Bergführerinnen

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So weit die Theorie. In echt ist es so: Der Einstieg zur Bügeleisenkante in den Lienzer Dolomiten ist bei 2.190 Metern, danach geht es kerzengerade 300 Höhenmeter nach oben. Insgesamt elf Seillängen. Und obwohl ich noch gar nicht verstanden habe, was damit genau gemeint ist, habe ich jetzt schon das Gefühl, mein Gleichgewicht zu verlieren, meinen Körper nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Das ist für einen Kontrollfreak klarerweise keine tolle Sache.
Und das Schlimmste: Ich bin nicht allein, sondern hänge in einer Seilschaft. Wir sind zu dritt; die Bergführerin und je zwei Teilnehmerinnen.

 (c) Lydia Stöckl  

Bügeleisenkante ich komme

Insgesamt machen sich vier Seilschaften des Gipfelglücks heute auf den Weg über die Bügel­eisenkante. Klettergurte anlegen, sich zusammenhängen, die Bergführerin steigt vor, wir steigen nach. Ich versuche, mich auf mich zu fokussieren und die selbstsichere Lydia hervorzuholen – das rächt sich in der Sekunde: Ein Schritt zu weit, zu wagemutig, ich rutsche ab, mein linkes Schienbein ist aufgerissen. Doch jemand hat mich gehalten, gesichert, ich bin noch da. Die Seilschaft. Andrea fragt: „Alles okay?“ Das erste Drittel der Tour, die für uns viereinhalb Stunden Aufstieg bedeuten wird, ist am schwierigsten. Und es ist gleichzeitig meine wichtigste Lektion. Ohne Vertrauen in diese Seilschaft, in mich als Teil dieser Gruppe, werde ich die mächtige Bügel­eisenkante nicht von oben sehen.

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Der geistige Neustart wirft kurz eine philosophische Frage in mir auf: Wie findet man wohl einen Menschen, mit dem man klettern kann? Dem ich mein Leben anvertraue und auf dessen Leben ich genauso aufpasse? Diese Frage wird noch lange nachhallen, doch vorerst versuche ich mal, eine Seillänge nach der anderen zu klettern. Und mit den Höhenmetern steigt auch das Vertrauen – klingt absurd, ist aber so.

Wie finde ich diesen Menschen, mit dem ich klettern kann?

Mir wird nichts passieren, weil andere auf mich achten und ich auf andere achte. Plötzlich nehme ich auch die unglaubliche Landschaft wahr. Die Sommersonne heizt den Stein auf, aber weil wir im Hochgebirge sind, ist es trotzdem kalt. Alle Sinne sind aktiviert, ich habe jetzt auch meine Kletterhandschuhe ausgezogen, denn so kann ich den Stein besser fühlen, besser einschätzen. Was ich spüre, sind nicht nur Kälte und Kanten, sondern der unnahbare Fels von vorhin gibt mir jetzt Sicherheit. Er scheint zu sagen: Ich bring dich hier rauf, vertrau mir!

Motivation durch Zusammenhalt 

Doch so ein Berg ist schon auch launisch, denn kaum lasse ich mich darauf ein, stehe ich vor einer dieser irren Spalten. Einen Meter breit ist da nur gefährliche Leere unter mir, und doch muss ich da rüber. „Geht scho, Lydi, du schaffst des!“, motiviert mich An­drea. Also dann, rüber mit mir!
So geht es mir während meiner Tage beim Gipfelglück noch öfter. Was ich hier ausdehne, sind meine Grenzen. Nicht so sehr körperliche, sondern persönliche. Und wieder die Fragen: Wem vertraue ich, wann lasse ich mich fallen (besonders relevant, wenn es ans Abseilen geht), wie gut kann ich auf andere aufpassen? Aber es braucht gar keine schnelle Antwort, das Erlebte macht schon genug. Ich wachse hier gerade an der Verantwortung für andere und der Verbindung mit vormals Fremden. Die Bergführerin, aber auch meine andere Kollegin in der Seilschaft – die übrigens auch so ein „bloody beginner“ war wie ich – sind nun Teil meines Erfolgs. Dieser Teamgeist fühlt sich schön an, entsprechend aufgeganselt sind wir, als die Tour vorbei ist, alle Selfies gemacht haben und im Lucknerhaus eine Runde Zirbenschnaps bestellen.


Was für mich bleibt: Ich werde weiter alleine Rennrad fahren und verrückte Ultraläufe rennen. Aber: Ich halte auch Ausschau nach einem Menschen, mit dem ich klettern kann.

 

Gut ausgestattet: Die WIENERIN sagt Danke an die Outdoormarke Bergans of Norway für die tolle Ausrüstung der Teilnehmerninnen und an die Osttirol Werbung für die super Organisation.