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Fast Fashion: Kein Platz im Schrank? Warum uns Shoppen nicht mehr glücklich macht

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Wir besitzen zu viel Kleidung und kaufen trotzdem immer mehr. Das hat ernste Folgen, warnt Greenpeace.

TrendsArnika Zinke(Wienerin)

"Trends von heute sind der Müll von morgen", so das ernüchternde Urteil der NGO Greenpeace in seinem Konsumreport. Die Fast Fashion Welle der letzten Jahre hat für einen weltweiten Konsumanstieg gesorgt, der nur schwer zu bremsen ist.

Die Folge: Jeder Deutsche kauft laut dem Report bereits 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr - getragen werden die Errungenschaften im Schnitt aber halb so lange wie noch vor 15 Jahren.

Nach dem "Kick" folgt Ernüchterung

Wir besitzen zu viel Kleidung und kaufen trotzdem immer mehr. Das zeigt auch eine repräsentative Greenpeace-Umfrage unter Frauen zwischen 18 und 40 Jahren. 60 Prozent gaben darin an, dass sie mehr Kleidung besitzen würden, als sie eigentlich benötigten. Aber: Trotz des Überschusses werden Kleidungsstücke weiterhin angehäuft.

Social Media hat laut der Umfrage einen erheblichen Einfluss auf Shopper: Wer soziale Medien, wie etwa Instagram oder Facebook, nutzt, gibt mehr Geld für Kleidung aus, als andere. Rund 130 Euro monatlich geben Social Media-affine Käufer für das Shoppen aus, so das Ergebnis der Umfrage.

 

"Allerdings folgt dem Kick oft der Kater", mahnt Alexandra Perschau, Textil-Expertin bei Greenpeace und Initiatorin der Umfrage. "Zwischen Shoppen und Tragen nehmen viele einen Zustand der Erschöpfung und des Ausgelaugtseins in Kauf - vor allem Jüngere scheinen ein gesundes Maß schwerer zu finden" (Spiegel).

Ernste Folgen des Überkonsums

Der steigende Konsum muss natürlich kompensiert werden. Seit der Jahrtausendwende hat sich die weltweite Textilproduktion verdoppelt. In Zahlen bedeutet das: 100 Milliarden neu-produzierte Kleidungsstücke pro Jahr oder ein Umsatz von 1,8 Billionen US-Dollar. Den Hauptanteil am stetig wachsenden Textilberg trägt der Westen: Während in Afrika und dem Nahen Osten nur circa zwei Kilogramm Kleidung jährlich angehäuft werden, sind es in Deutschland bereits zehn, in den USA sogar 16 Kilogramm.

 

Die wachsende Produktion ist nicht nur für Textilarbeiterinnen ein großes Problem, sondern auch für die Umwelt. Der Einsatz von Chemikalien schadet den Gebieten rund um große Textil-Produktionsstätten erheblich - von gesundheitlichen Schäden bei den Arbeiterinnen (und in letzter Folge auch den KonsumentInnen) gar nicht erst zu sprechen.

Immerhin: Dank Greenpeace werden 78 Textil-Firmen ihren Chemikalieneinsatz bei der Herstellung bis 2020 entgiften.

Was passiert mit alter Kleidung?

Wer seine ungeliebte Kleidung loswerden will, tut das meist entweder bei Flohmärkten (on- oder offline) oder bringt Kleidung zur Altkleidersammlung. Was danach mit den Kleidungsstücken passiert, wissen allerdings die wenigsten.

 

Denn mittlerweile stöhnen die Altkleidermärkte unter der immer größeren Last von ausgemusterten Sachen. Länder wie Afrika und Asien wehren sich immer öfter dagegen, Kleidung aus dem Westen anzunehmen, um die eigene Textilproduktion gegen Import-Stoffe zu schützen.

Auch der Second-Handmarkt in Europa hat seine Kapazitäten fast überstrapaziert. "Das System für Second-Hand-Kleidung ist am Rande des Kollapses", fürchtet Greenpeace.

Wer also denkt, er tut mit seiner Kleiderspende etwas Gutes, liegt leider oft falsch. Oft ist sogar das Gegenteil der Fall und die Spenden werden zur großen Last.

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Und was ist mit Recycling?

Immer mehr Fast-Fashion Ketten werben mittlerweile mit Recycling-Aktionen und verführen die Kunden anschließend mit Gutscheinen dazu, noch mehr einzukaufen.

Leider sind diese "Bemühungen" meist mehr Greenwashing, als ernsthaftes Engagement: Meistens können die Stoffe nicht, wie erhofft, als Faser wiedergewonnen werden, sondern werden für Putzlappen oder Isolierstoffe verschreddert. Von dem Recyclinggedanken bleibt nach der Wiederverwertung oft mehr Müll als Wiederverwendung der Stoffe übrig. Wer denkt, sein altes Top würde nach dem Recycling-Vorgang als neues Shirt wiederbelebt, irrt in den meisten Fällen.

 

Bisher gibt es laut Greenpeace noch zu wenige Verfahren, die Recycling-Methoden für alte Stoffe ermöglichen. Die Textilindustrie hofft, in den nächsten Jahren noch mehr chemikalische Verfahren zur Faserntrenung zu entwickeln, um Kleidungsstücke eher wiederverwenden zu können. Das ist derzeit aber eher Zukunftsmusik als Realität.

Was also tun?

Statt sich der Versuchung des günstigen Shoppens hinzugeben, plädiert Greenpeace dafür, mehr Geld in langlebigere Stoffe zu investieren. An diesen hat man nicht nur selbst länger eine Freude, sondern auch die Secondhand-Händler. Die können mit den billigen Stoffe, die derzeit für die Fast-Fashion-Produktion verwendet werden, oft nur wenig anfangen.

 

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Kommentare

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1 Kommentare
Gast: Lia
17.03.2017 11:16

Vielen Dank für diesen Artikel

Liebe Frau Zinke!

Ich danke Ihnen herzlichst für diesen Alarm Alert hinsichtlich dem vollkommen unüberlegten Kleiderkonsum der westlichen Welt.

Das MUSS früher oder später ein Ende haben, wenn wir unseren schönen Planeten für zukünftige Generationen halbswegs erhalten wollen.

Generell gehört - meiner Meinung nach - versucht, ein Umdenken herbeizuführen, welches die Oberflächlichkeit der heutigen Gesellschaft hinterfragt und kritisiert.

Viel wichtiger ist es doch, sich in der eigenen Haut wohl zu fühlen und dieses Gefühl trägt stark zur eigenen Schönheit - und wie man im Außen wahrgenommen wird - bei.

Eigenliebe kann man eben nicht kaufen.

Alles Liebe,
Lia