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Feminismus: Sind coole Sprüche-T-Shirts der neue Weg zur Emanzipation?

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Wer braucht weltweite Demos, wer braucht radikale Manifeste – coole Leiberln braucht der Feminismus! Von günstig bis teuer, weise Sprüche und Statements prangen aktuell auf T-shirts und Hoodies aller Preisklassen. Aber geht’s hier eigentlich noch um die Sache? Oder ist „Feminist“ das neue „Led Zeppelin“ und eigentlich weiß die Trägerin eh nicht so genau, worum’s überhaupt geht?

Sind coole Sprüche-T-Shirts der neue Weg zur Emanzipation?

TrendsKatrin Halbhuber(Wienerin)

Über Instagram, Pinterest und Etsy verbreitet sich Mode mit kämpferischen Ansagen schon seit geraumer Zeit: „The Future Is Female“, Smashing The Patriarchy Is My Cardio“, „Girls Just Wanna Have FUNdamental Human Rights“ oder ein schlichtes „Feminist“ prangt auf T-Shirts und Kapuzenpullis. Seit vergangenem Jahr haben sich nun auch zwei große Modehäuser der feministischen Credibility verschrieben: Die Designerin Maria Grazia Chiuri brachte in ihrer ersten Kollektion für Dior klassische weiße Leiberl mit Sprüchen wie „We Should All Be Feminists“ heraus, basierend auf dem gleichnamigen Buch der nigerianischen Feministin Chimamanda Ngozi Adichie. Designer Prabal Gurung „entwarf“ gleich eine ganze Gleichberechtigungsserie: „Revolution Has No Borders“, „Femininity With A Bite“, und „This Is What A Feminist Looks Like“ ist jetzt auf der Brust von Streetstyle-Stars und Bloggern zu lesen.

 (c) 2016 Getty Images Dior We Should All Be Feminist T-Shirt Spring 2017Maria Grazia Chiuris erste Kollektion für Dior, Spring/Summer 2017

Wie feministisch kann Mode sein?

Mittlerweile sind die feministischen Statement-Shirts auch im modischen Mainstream angekommen: Bei H&M kann man aktuell ein pinkes Modell mit „Feminist“-Schriftzug um knappe zehn Euro erstehen. Ob die Näherin aus Bangladesh, durch deren Hände das Shirt ging, weiß, was Feminismus ist? Weiß denn die Vierzehnjährige, die das T-Shirt kauft, dass "Feminist“ mehr ist als der Schriftzug, vor dem Beyoncé bei den MTV Awards stand?

hm.com H&M pinkes Shirt mit Feminist-SchriftzugPinkes T-Shirt mit "Feminist"-Schriftzug aus der aktuellen Kollektion von H&M

Beim großen Retailer hängen schließlich auch mit saisonaler Regelmäßigkeit T-Shirts mit „Ramones“- oder „Led Zeppelin“-Schriftzug, weil es gerade cool ist, Rock-Shirts zur Mom Jeans zu tragen, so wie diese eine Bloggerin. Ob die Zielgruppe je einen Song dieser Bands gehört hat?

Ist „Feminist“ also nur ein weitere cooler, weil gerade hipper Begriff, den man sich auf die Brust heftet, ohne groß drüber nachzudenken?

Natürlich kann diese Vierzehnjährige ganz genau wissen, wer Led Zeppelin und was Feminismus ist. Sie wird ziemlich sicher schon Bekanntschaft mit Sexismus gemacht haben, und der Griff zum „Feminist“-Leiberl von H&M tut wahrscheinlich weniger weh als der Besuch einer Demo oder gar das Sich Einlassen auf eine Diskussion zum Thema Gleichberechtigung.

Großer Kampfgeist oder gutes Verkaufsargument?

Die Antwort nur bei den KonsumentInnen zu suchen, reicht natürlich nicht. Wie glaubhaft ist der feministische Einsatz von Designerin? Maria Grazia Chiuri, eingangs erwähnte Designerin von Dior, ist die erste Frau, die an der kreativen Spitze des altehrwürdigen Pariser Modehauses sitzt. Ihre Kollektion wurde zu einem Zeitpunkt präsentiert, zu dem die erste Frau um die US-Präsidentschaft kämpfte, gegen einen offenkundig frauenfeindlichen männlichen Kandidaten. Chiuris T-Shirts können also durchaus als großes Statement gesehen werden, vor allem in einer Branche, die schön brav den Mund hält, sobald es zu politisch wird – und durch ihre Rolle als Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen eigentlich hochpolitisch wäre.

H&M sorgte im vergangenen Jahr mit einer Kampagne für Aufmerksamkeit, in der Frauen mit Achselhaaren - so normal und doch so erwähnenswert – zu sehen waren. Das Video mit dem Titel „She’s a Lady“ sollte „empowerend“ wirken, ein Modewort für den Aufruf, Frauen sollten sich gegenseitig ermächtigen, so zu sein, wie sie sein möchten. Die angesprochene Näherin aus Bangladesh spürt von dieser Bewegung aber rein gar nichts.

Natürlich sollen hier keine Einstellungen, sondern T-Shirts verkauft werden. Für große Modehäuser sind Shirts mit Sprüchen ein herrliches Marketing-Produkt: großartig, um sie an Streetstyle-Stars, den im Moment größten „Influencern“ der Mode, in Szene zu setzen, günstiger als ein tatsächliches Dior-Teil und damit ein perfektes Einsteiger-Modell für Fans, die sich französisches Design sonst nur schwer leisten könnten.

Für Modeketten, die Mode nicht nur über Trends, sondern auch über Lebensgefühle an die Kunden bringen, ist Feminismus eben aktuell eine Strömung, die es aufzugreifen gilt.

Together we are strong. The PG Feminist Army. #pgworld #pgnyfw #femininitywithabite #influencechange #inspirechange

Ein Beitrag geteilt von Prabal Gurung (@prabalgurung) am

 

Lieber „Feminist“ aufm Leiberl als nirgendwo  

Was heißt es für den Kampf um Gleichberechtigung, wenn er zum Modewort wird? In jedem Fall auch immer eine Chance. Was kann dem Feminismus Schlimmeres passieren, als dass Dior und H&M das Merchandising übernehmen? Ja, die Motive mögen nicht die reinsten sein, die KonsumentInnen nicht immer reflektiert. Aber ein Schritt in die richtige Richtung ist es allemal. Man muss nicht sämtliche feministischen Standardwerke gelesen haben, um sich als FeministIn zu fühlen. Wenn Beyoncé oder ein H&M-Leiberl eine junge Frau dazu bringen, über das Thema nachzudenken, ist das schon viel. Wenn es einer jungen Frau die Scheu vor dem oft so negativ behaftetem Begriff „FeministIn“ nimmt – herzlichen Dank.

Eingangs erwähnte Chimamanda Ngozi Adichie meinte in einem Interview mit der New York Times: „Wenn wir einen gut gekleideten Mann sehen, nehmen wir nicht automatisch an, dass er hohl oder nicht ernst zu nehmen ist.“ Es wäre also genauso wenig fair, jemandem, der ein feministisches Logo-T-Shirt trägt, naserümpfend zu unterstellen, er wüsste mit dem Begriff nichts anzufangen und wäre bloß ein Fashion Victim. Vielleicht einfach mal hingehen und drauf ansprechen. Denn bei einem sind wir uns doch einig: Das Thema Feminismus muss auf den Tisch. Ob mit Leiberl oder ohne.

 

VIDEO: Donald Trumps Sexismus-Sager

 

Kommentare

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1 Kommentare
Gast: Laikan
21.02.2017 15:51

Tshirt und....

eher um es schneller zu verkaufen, ich glaube nicht das sich irgendeine normal sterbliche Frau/Mädchen traut das an zu ziehen. Da es welche geben wird, die alles andere als nett zu den besagten Frauen/Mädchen sind. Obwohl es Männer gibt die dagegen nichts haben (ich jedenfalls nicht...mir ist es egal)aber es gibt die blöde Sprüche lassen, das sind auch die, die homophobe sind, das sind die selben Typen. Das sollte man bedenken. Leider sind wir noch nicht so weit, auch nicht im 21.JH