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Meinung: Mode muss aufhören immer schneller werden zu wollen

von

Labels wollen immer schneller produzieren, um online mithalten zu können. Aber machen sie sich damit nicht eigentlich selbst kaputt? Ein Plädoyer für die Entschleunigung.

StyleArnika Zinke(Wienerin)

 

Die Modeszene ist eine Branche, die sich im ständigen Wandel befindet. Neue Trends verändern die Art wie wir Kaufen (Stichwort Online-Shopping) oder wie wir uns inspirieren lassen (Stichwort: Blogger).

Das Schöne aber an der Mode ist, dass sich trotzdem immer wieder neu erfindet. Manchmal wundert man sich fast, wie es DesignerInnen in einem Zeitalter in dem es doch schon fast alles einmal gegeben hat, überhaupt noch schaffen, Innovation zu kreieren. Und dann kommt jemand wie Alessandro Michele (Gucci) und schafft es mit nur einer Kollektion die ganze Szene in Aufregung zu versetzen.

Der Appetitanreger Fashion Week war einmal

Skepsis ist ein Zustand, der die Modebranche fast immer begleitet. Und die ist bei einigen Neuerungen auch wirklich angebracht.

Wie zum Beispiel jetzt, vor dem Beginn der New York Fashion Week, zu der viele Designer ankündigt haben ihre Kollektionen direkt Off-Runway in den Geschäften und online anbieten zu wollen. Damit bricht man mit der Jahrzehnte-alten Tradition der Modewochen, die Kollektionen stets als "Appetitanreger" anboten und erst Monate später in den Geschäften verkauften.

Aber was macht das mit der Modebranche, wenn man aus lauter Gier nach der ultimativen Vorreiterrolle sich selbst kanibalisiert?

Schneller, besser, höher geht irgendwann nicht mehr

Fashion-Weeks waren einmal dazu da um Trends zu setzen. Es wurde präsentiert, gewertet, darüber geschrieben und nachgeahmt. Trends hatten Zeit zu wachsen, angenommen oder kreiert zu werden.

 

Wo bleibt aber die Vorfreude und die Experimentierfreude, wenn wir sowieso gleich alles nach der Show kaufen können? Brauchen wir dann überhaupt noch Fashion Weeks? Schließlich ist der Sinn der Präsentation dahin, wenn sowieso alles einen Tag später im Laden hängt.

Retail-Chefin von Max Mara, Nicola Gerber Maramotti, sagte in einem Interview mit der WIENERIN Online im April: "Das Schöne an der Mode ist, dass man den Moment erlebt und erst in dem Moment, in dem man spüren darf, was über die Fashion Shows läuft, der Trend entsteht. Und dann muss man eben ein Momentchen warten, bis es verkauft wird".

Je schneller wir bieten und fordern, desto weniger Zeit bleibt die Mode zu genießen. Wo bleibt die Zeit, Trends zu erkennen, mit ihnen zu spielen und Experimente zu wagen?

Große Fashion Week-Spektakel wie Karl Lagerfeld bei Chanel und Fendi sie zu inszenieren weiß, wird es dann irgendwann höchstens noch für schöne Bilder in der Presse brauchen. Die Frage ist dann nur, wer dann noch hingeht...

 

Wie wäre es mit dem "schneller, besser, höher"-Wahnsinn endlich einmal aufzuhören? Lassen wir doch die Mode Mode sein. Genießen wir die Vorfreude und warten wir ein Momentchen. Die von Umsatzgier getriebene Selbstkanibaliserung mancher Labels wird auf Dauer nicht nachhaltig sein.

Denn irgendwann ist schnell nicht mehr schnell genug, Mode nicht mehr Mode und Trends nur noch saisonale Eintagsfliegen, die niemanden mehr interessieren.

 

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