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Liebe ohne Grenzen

Wie streitet man, wenn man keine gemeinsame Muttersprache hat? Fünf Paare erzählen von den Stolpersteinen und dem Glück in einer bikulturellen Beziehung.

Mode(TypischIch)

Nadja-Meister_Senegal_rand 
Liane & Cheikh kämpfen gemeinsam gegen Rassismus.

Nadja-Meister_Kolumbien_Yal 
Yalile Cardono-Alonso & Günter Haumer sind seit zehn Jahren zusammen.

Nadja-Meister_Kurdistan_Kar 
Karin Burtscher & Ali Reza Götkas bemühen sich um Verständnis.

Nadja-Meister_Portugal_Gerd 
Gerda Müller & Paulo Matos sind wie Feuer und Eis.

Nadja-Meister_Uzbekistan 
Wenn Anna Prianichnikova & Helmut Veith streiten, dann über Politik.

Sich „Ich liebe dich“ in mehreren Sprachen sagen zu können – toll! Aber wie streitet man, wie rauft man sich wieder zusammen, wenn man keine gemeinsame Muttersprache hat? Fünf Paare erzählen von den Stolpersteinen und dem Glück in einer bikulturellen Beziehung.

Text Petra Hauk   Fotos Nadja Meister

Die Liebe kommt manchmal ganz unverhofft ins Rollen. Zum Beispiel beim Inlineskaten. Wie bei Gerda und Paulo. Oder auf der Bühne. Wie bei Günter und Yalile. Oder bei einer Bootsfahrt. Wie bei Liane und Cheikh. Doch ganz gleich, wo die großen Gefühle ihren kleinen Anfang nehmen, ihnen wohnt immer ein Zauber inne. Ein Zauber, der so stark und magisch ist, dass er jede Grenze mühelos zu überwinden scheint, auch jene zwischen Ländern, Kulturen und Sprachen, Familienstrukturen, Einstellungen und Ritualen.

Später jedoch, da muss man zusehen, dass er erhalten bleibt und weiterhin seine verbindende Kraft spielen lässt. Das ist nicht einfach. Schon gar nicht, wenn die kleinen magischen Formeln wie „Ich liebe dich“ in mehreren Sprachen ausgesprochen werden müssen. Ein Report über fünf bikulturelle Paare und wie sie diese Herausforderungen meistern.

Österreich & Senegal
Das Paar: Liane Marecsek & Cheikh Niass
Zusammen seit: 9 Jahren
Liebeschance: gemeinsam kämpfen
Liebesfalle: versteckter Rassismus

Seit neun Jahren kann Liane und Cheikh nichts trennen. Nicht einmal seine Muttersprache. „ Alleine die Begrüßung dauert auf Wolof eine Viertelstunde!“, erzählt Sozialarbeiterin Liane. Zum Glück hat ihr Mann Cheikh schnell Deutsch gelernt. „Ich mag die Struktur der Sprache“, sagt der Maler, „das hat geholfen.“

Wie er da so sitzt und begeistert von seinen Projekten bei der Biennale in Dakar oder der documenta in Kassel erzählt, denkt man: „Der Mann ist eine Frohnatur, den bringt nichts aus der Ruhe.“ Doch ganz so ist es nicht. Im Laufe der Jahre sind viele Mühsamkeiten passiert: Anpöbeleien am Wiener Westbahnhof und auf dem Karlsplatz, der lange Weg durch den Behördendschungel zur Staatsbürgerschaft. Das raubt Energie. „Man will nicht wie ein Ausländer wahrgenommen werden, nicht als Schwarzer, sondern als Cheikh, als Persönlichkeit. Vielleicht war das von mir zu viel verlangt. Aber es hat mir schon wehgetan. Die Leute passen nicht auf.“

Seine Beziehung zu Liane hat all das nicht belastet. „Im Gegenteil“, sagt er. „Es bringt enger zusammen. Weil man gemeinsam kämpft.“ Liane regt sich immer noch auf, wenn sie die Schikanen und Prüfungen rund um die Staatsbürgerschaft schildert, bei der so mancher Einheimische seine liebe Not hätte. Doch Cheikh sieht das anders: „Mich hat Politik früher nie interessiert – aber auch das ist ein Teil der Kultur. Durch diese Maßnahmen war ich gezwungen, politische Sendungen anzuschauen, weil ich mich ja informieren musste. Und das ist gut.“

Was er sich von den Österreichern wünscht? „Mehr Weltoffenheit. Diese Welt ist unsere, ich bin ein Weltbürger.“

(...)

Kolumbien, Kurdistan, Portugal, Usbekistan: Wie es Paaren in bikulturellen Beziehungen geht, erfahren Sie in der Februar-Ausgabe der WIENERIN.

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