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Reality-Check: Die Straße ist mein Laufsteg!

von

Ob eine überdimensionaleFake-Fur-Kombi nur am Laufsteg was hermacht oder auch im echten Leben etwas kann? Autorin Katharina Reményi testete den Look auf seine Alltagstauglichkeit.

Miu Miu Fake Fur Winter 2017 Alltagstest

ModeKatharina Reményi(Wienerin)

"Ich hätte nie gedacht, dass ich dich mal laut auslachen würde", gefolgt von "Ups, ich hab' geglaubt, der Typ von Super Mario steht vor mir" - so viel zu den Reaktionen meiner KollegInnen auf den Keylook von Miu Miu. Das kann ja heiter werden! Kurz darauf bringe ich im Supermarkt bereits eine Dreijährige allein durch meinen Anblick zum Heulen. Aber es geht auch anders! So zeigt das Fachpersonal an der Wursttheke nicht die klitzekleinste Reaktion und schneidet ganz stoisch zehn Deka Extrawurst für mich auf. Erste Erkenntnis: Auslachen? Nicht gut! Mit so einem Outfit ignoriert zu werden? Ganz schlecht fürs Ego.

 

Walk of (no) Fame

Ich bin groß. Der Mantel macht auch nicht unbedingt schmäler und der Hut ist - das weiß ich jetzt -nichts für eine Fahrt mit einem Smart. In einem Kleinwagen stößt man nämlich oben an und das Einparken fühlt sich so ungelenk an, als hätte man sich das Genick verrissen. Man kann sich eben gar nicht gut umdrehen, das Outfit braucht einen Chauffeur. Also ab in die Öffis. In der U-Bahn und in der Straßenbahn habe ich zwar mehr Platz, dafür starren die Leute so, dass ich es ja NICHT bemerke. So muss es sich für die armen Promis anfühlen, wenn so ganz auffällig an ihnen vorbeigeschaut wird.

 

(c) Michael Obex Miu Miu Fake Fur Winter 2017 AlltagstestIn Sachen farbliche Abstimmung eignet sich mit diesem Outfit eine Fahrt mit der U-Bahn besser als mit der Bim. Wenn's ruckelt, fallen die Fahrgäste weich.

 

Hauptsache rund!

"Heast, gehst zum Match?" Das ist eine Frage, die mir sowohl am Würstelstand am Stephansplatz als auch am Reumannplatz gestellt wird. Match? Ich? Warum? Nein! Die Erklärung folgt auf dem Fuß(-ball): Wer etwas Großes, Rundes, Grünes am Kopf trägt, kann für viele Männer am Tag eines Derbys offensichtlich nur ein Ziel haben: das Allianz Stadion, ehemals Hanappi-Stadion, in Wien. Die Homebase der Grünen - Rapid! Ja, auch ich habe an diesem Tag etwas gelernt. Unter anderem, dass man im zehnten Bezirk den Hut lieber in der Farbe Violett (für die Austria) tragen sollte. "Aber sunst bist eh fesch, Madl." Danke!

 

(c) Michael Obex Miu Miu Fake Fur Winter 2017 AlltagstestMehr Offenheit als erwartet: Mit grünem Pelzhut schließt man deutlich schneller Bekanntschaften als ohne.

 

Ein Look, kein Foto

Auf die Innenstadt ist Verlass. Und auf (fast) alle asiatischen Gäste. Sie lächeln, sie nicken freundlich und einige raunen im Vorbeigehen sogar etwas von Miu Miu. Genauso wie die eine Wienerin, die mir am Karlsplatz begegnet. Ich fühle mich zwar immer noch exotisch, aber -ehrlich gesagt -auch schon richtig wohl in meiner orange-grünen Kombi. So müssen sich Fashion-Blogger fühlen. Ich glaube, ich pose sogar schon unbewusst. Doch dass ich keine von ihnen bin, weiß ich jetzt auch. Vor dem Stephansplatz posiert eine Asiatin so typisch instagramig und zieht dann weiter. Kaum zu glauben, die wollte kein Foto mit mir. Ich denke, sie war neidig auf meinen Hut, oder?

 

Todesmutig

Bussi rechts, Bussi links lässt das Gesicht des Gegenübers kurzfristig wie in einer überdimensionalen Puderquaste verschwinden, sagt zumindest meine Kollegin L., die dabei fast erstickt wäre. Trotzdem die Erkenntnis: Bunter Fake-Fur als Mantel und Hut machen mir echt beste Laune. Das tut richtig gut im grauen Alltag. Meine Teenie-Tochter hat sich zwar fast zu Tode geniert, als ich sie in diesem Aufzug in die neue Schule gebracht habe, und mein Mann hatte einen Flashback, weil er von seiner Mutter im Kindergarten gezwungen wurde, im Fasching als Schwammerl zu gehen. Aber alle drei haben es überlebt. Leider musste ich das Outfit wieder zurückgeben.


Der knallige Fake-Fur war das Herzstück bei der letzten Kollektion von Miu Miu. Der Mantel kostet € 2.700,-, den karierten Hut gibt's um € 450,- und auch in anderen Farben und Mustern.

Dieser Text erschien in der WIENERIN, Ausgabe November 2017.

 

Winter 2017: Schlichte und elegante Mäntel für alle, die zum Suchen zu faul sind

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