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Premiere: Das erste Mal Sex mit dem Neuen

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Frust statt Lust: Wenn es im Bett nicht sofort klappt, kann das viele Gründe haben. Aber muss eine verpatzte Premiere wirklich das Aus für eine rosarote Zukunft bedeuten?

Das erste Mal Sex mit dem Neuen

SexJanina Lebiszczak(Wienerin)

Es wird ersehnt. Und gefürchtet. Im Kopf rumort es, im Bauch kribbelt es, denn keiner weiß, was passieren wird, wenn die letzten Hüllen fallen. Der Himmel der Ekstase? Oder die Hölle der Lauheit? Nein, das erste Mal mit einem neuen Partner lässt niemanden kalt. Kann es auch gar nicht. Schließlich entscheidet die körperliche Vereinigung ja auch darüber, ob man weiterhin vereint sein will. Oder ob man vom Bett weg in verschiedene Richtungen auseinander flüchtet.

 

Premiere mit Pannen

Davon weiß so manche Frau ein Lied zu singen. Sabina, 28-jährige Lektorin aus Baden, ist eine davon. Ratlos steht sie vor den Trümmern ihrer letzten Verliebtheit und versucht herauszufinden, was schief gelaufen ist. Zwei Monate lang spazierte sie auf rosa Wölkchen: "Es war zu schön, um wahr zu sein. Wir haben viel gelacht, sogar schon Zukunftspläne geschmiedet. Und wenn wir uns berührten, konnte man Funken schlagen sehen."

Das war gestern. Heute ist der Funke erloschen, nach nur zwei Stunden in einem optimistisch rosarot gestrichenen Hotelzimmer. Zum Sektfrühstück wollte keiner bleiben. Der Sex - laut Sabina ein Desaster: "All die aufgebaute Spannung - weg. Ich hatte das Gefühl, ein Versager zu sein, der mit einem anderen Versager irrtümlich ins Bett gestiegen ist." Jetzt schweigt jenes Telefon, das die letzten Wochen täglich mehrmals geklingelt hat. Der Ofen ist aus.

 

"Sind die ersten paar Male mit einem neuen Partner enttäuschend, kann man sich abschminken, dass aus dieser Beziehung noch etwas wird", meint Dr. Walter Hoffmann, Leiter des Institutes für angewandte Tiefenpsychologie in Wien. Kann sein, dass man den Anderen nicht riechen kann, seinen Körper nicht mag, die Art seiner Zärtlichkeiten. Oder das Tempo stimmt nicht - einer braucht temperamentvollen Sex, der andere mag die langsame Tour. Dazu kommt, so Dr. Hoffmann, oft ausgiebig Lampenfieber: "Beim erstem Sex steht man unter ungeheurem Erwartungsdruck. Vielleicht funktionieren betrunkene One-Night-Stands deswegen so gut. Die Ängste und Hemmungen, unter denen man verständlicherweise leidet, werden in diesem Fall ausgeschalten."

 

Der Druck, sich von der besten Seite zu zeigen, ist enorm. Beruhigend, dass es dem Mann dabei nicht anders geht. Auch er leidet unter echten oder eingebildeten Unzulänglichkeiten, ist nervös und gehemmt. Pragmatisch formuliert: Beim Baucheinziehen im Bett sind Frau und Mann gleichermaßen Weltmeister. Der einzige Unterschied zwischen den Geschlechtern besteht darin, dass Männer sich die Latte noch höher legen als wir: Sie wollen nichts weniger, als ihrer Partnerin den besten Orgasmus der Weltgeschichte zu bescheren. Dieser Druck macht aus dem Charmeur beim Candlelightdinner den nervös fummelnden Taferlklassler im Bett. Und wenn es hart auf hart geht - beziehungsweise weich auf weich - gibt es einen Durchhänger als Draufgabe.

 

Renate Türk-Lindmaier, Lebensberaterin mit Fokus auf Sex & Partnerschaft, kennt die geheimen Ängste ihrer Klienten. Und deren Hintergründe: "Wir leben in einer durch und durch technisierten Welt. Alles funktioniert auf Knopfdruck - nur der Sex nicht. Und speziell Männer sind Techniker. Außerdem: In Gesprächen über Sex, speziell über das erste Mal, wird enorm viel übertrieben. Von Männern wie Frauen. Und diese aufgebauschten Stories schaffen zusätzlich Unsicherheit."

 

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Der Nächste, bitte?

Lohnt es sich, Gelduld mit einem Neuen zu haben - oder sollte man im Fall einer sexuellen Pleite sofort das Lager räumen? Und: Lässt sich das Problem auf einen Frage der Technik reduzieren? Das fragt sich auch Leila, Sabinas ältere Schwester. Zu viel hat sie in ihre beginnende Beziehung investiert, als dass sie sofort das Handtuch werfen möchte. Obwohl es knisterte wie verrückt, waren die ersten sexuellen Gehversuche mit Freund Max eine "hatscherte Partie". Der Rat der eilig einberufenen Freundinnen-Runde: "Man muss Männern am Anfang im Bett einfach zeigen, wo's langgeht. Und ausgiebig loben, wenn sie's richtig machen."

 

Guter Hund, braver Hund? Dr. Hoffmann hält von solchen Tipps eher wenig: "Erstens setzt doch eine Frau auch ein gewisses Maß an Geschick voraus. Das ist ihr gutes Recht. Wenn sie ihren Partner wirklich andauernd loben und leiten muss, ist er vielleicht dankbar, und seine Technik wird besser - die Frau aber wird von Mal zu Mal enttäuschter sein. Und wenn kein sexueller Gleichklang entsteht, nützt die beste Technik nichts."

 

Raus aus der Sexfalle

Was also unternehmen, wenn's nicht gleich klappt? Renate Türk-Lindmaier fordert zum inneren Diskurs auf: "Wichtig ist, sich zu fragen, was man von dieser Beziehung erwartet. Will man eine feste Bindung oder bloß heißen Sex? Will man den Mann durch Sex eventuell nur an sich fesseln, weil man nicht mehr alleine sein möchte? Wer sich über seine Wünsche im Klaren ist, weiß, ob es sich lohnt, weiter in diese Beziehung zu investieren."

 

Dr. Walter Hoffmann schlägt in dieselbe Kerbe: "Man muss ehrlich zu sich selbst sein. Sich fragen, ob eine Beziehung, die so verkorkst beginnt, überhaupt Sinn macht. Vielleicht gibt es noch 100 andere Dinge, die mit diesem Menschen Spaß machen. Nur Sex eben nicht." Und beide raten zur Offenheit, allerdings ohne dabei verletzend ehrlich zu werden. Auch wenn das schwierig ist. Man kann auch einschlägige Literatur zur Inspiration heranziehen und sich durch heiße Gespräche über seine Vorlieben anregen und aufklären. Doch all das funktioniert nur auf einer guten Basis: Wenn nicht genügend gegenseitiges Vertrauen da ist, rückt das Wunschziel "Traumsex" in unerreichbare Ferne.

 

Der Weg ist das Ziel

Mit umgekehrten Vorzeichen hat Sonia, 32, ihre Erfahrungen gemacht. Ihr Problem: Sie verwechselte Leidenschaft auf den ersten Blick gerne mit Liebe. Ihr Ex-Gemahl war laut ihren Angaben ein echtes Ass in allen erotischen Disziplinen. "Von der ersten Nacht an war der Sex fantastisch. Ich dachte wirklich, ich hätte das große Los gezogen." Trotzdem ging die Beziehung nach nur drei Jahren in die Brüche. "So gut wir im Bett zusammenpassten, so schlecht lief es außerhalb. Und wer will schon auf Dauer mit jemandem schlafen, dem man ansonsten nichts zu sagen hat?"

 

Heute ist Sonia wieder glücklich - ausgerechnet mit einem Mann, dessen amouröse Fähigkeiten zu Beginn so gut wie Null waren. "Egal, wie intensiv wir uns bemüht haben, zu guter Letzt scheiterten wir an seiner Erektion. Das ging wochenlang so." Trotzdem hielt sie ihm im wahrsten Sinne des Wortes die Stange. Und nach etlichen Versuchen blieb der Erfolg nicht länger aus. "Ich spürte irgendwie, dass er etwas Besonderes ist. Also dachte ich mir, wozu stressen? Wir haben doch alle Zeit der Welt, einander besser kennen zu lernen."

 

Conclusio: Ein wenig Geduld und gegenseiter Respekt können den Weg ins sexuelle Shangri-La ebnen. Auch wenn es Kraft kostet, über den eigenen Schatten zu springen. Guter Sex ist mehr als eine perfekt durchgeführte Turnübung. Verlassen Sie sich auf Ihr Gefühl. Und falls Sie keine eindeutige Nachricht von Ihrer inneren Stimme bekommen, empfehlen wir im Bett ein gutes Buch. Das ist in jedem Fall anregend.

 

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 Dieser Text erschien erstmals in der WIENERIN Nr. 157 vom 01.09.2002.

 

 

 

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