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Kolumne: The Penis Diaries: Vögelt ihr noch oder langweilt ihr euch schon?

von

Wie funktioniert es, jahrelang mit der gleichen Person das Bett zu teilen, ohne sich zu langweilen? Eine persönliche Checkliste.

The Penis Diaries

SexSophie Gotzmann alias Mörderpuppe(Wienerin)

Nach elf Jahren Beziehung und einer Trennung aus Liebe ist Sophie wieder Single. Und zwar mit Leib, Seele und Humor. An dieser Stelle schreibt sie regelmäßig über den Glauben an die große Liebe und die Frage: Na, wo ist er denn jetzt, der Eine?

Die Sache mit dem Sex

Könnt ihr euch noch an das allererste, unfassbare Kribbeln erinnern? Als zwischen euch und eurem Liebsten noch alles möglich war, aber nichts wirklich sicher? Als ihr nicht wusstet, wie der Abend enden würde und ob das, was da zwischen euch läuft, überhaupt schon ein Label verdient hat? Als die Schmetterlinge im Bauch euch noch sämtlichen Schlaf, Appetit und jedwede Konzentrationsfähigkeit genommen hat und ihr „ihn“ für den allerallerbesten, krassesten Megastecher auf Welt gehalten habt? Die rosarote Brille hat ALLES zuverlässigst retuschiert. Geheimratsecken? Pickel? Bierbauch? Wirklich? WO? Ihr habt euch aufgebrezelt, Stunden damit verbracht, auch das letzte störrische Haar an Stellen zu beseitigen, die ihr bis dato noch nicht mal kanntet. Ihr habt jeden eurer Freunde mit Fragen wie: „Wann ruft er wieder an?“ „Soll ich ihm zuerst schreiben?“  und „Was will er mir mit diesem Text sagen?“ wahnsinnig gemacht und es noch nicht einmal am Dauer-Kopfschütteln eurer Liebsten registriert.

 Was danach folgte, wenn‘s gut ging, waren dauernde Knutschereien und äußerst wilder Sex, der auch wirklich an jedem Ort stattfand, nur nicht im Bett. Nichts war vor euch sicher. Weder der Aufzug, die Waschküche, die Geburtstagsfeier eines Freundes, noch der neue Club, in dem ihr ihm mal ordentlich gezeigt habt wo der Bartl seinen Most holt und was er denn nicht so alles verpassen würde, wenn er mit euch Dancing-Porno-Queen nicht umgehend und sofort für immer und ewig durchbrennen würde.

Und irgendwann wurde es dann weniger

Man sagt ja, dass die erste Verliebtheitsphase so zwischen drei und achtzehn Monaten anhält. In dieser Zeit ist alles der absolute Wahnsinn und manche heiraten ihren Superstar von Menschen gleich vom Fleck weg. Durchaus romantisch, aber: Ein böser Fehler? Bis dir dann unausweichlich die Realität nach einer gewissen Zeit die rosarote Brille von der Nase watscht und dir in ihrer Reinheit alles vor Augen hält, was denn eigentlich gar nicht sooooo der Wahnsinn ist. Einer will immer, der andere nie, eine gewisse Routine schleicht sich ein, ihr fangt an euch teilweise wegen Kleinigkeiten zu streiten und irgendwann leidet auch das Sexleben darunter. Zuerst wird aus mehrmals täglich, ein wöchentlich und irgendwann habt ihr doch tatsächlich vergessen, wann genau ihr das letzte Mal wirklich Spaß dabei hattet.

Natürlich muss das alles nicht so kommen und Gott sei Dank gibt es auch immer wieder Pärchen, die es schaffen, aber wie genau machen die das? Klar ist Sex nicht alles, aber ohne oder unglaublich unbefriedigend ist doch auch keine Lösung. Wie funktioniert es also, jahrelang mit der gleichen Person das Bett zu teilen, ohne sich zu langweilen? Bei mir war‘s halt die Liebe, die mich davon abhielt komplett durchzudrehen, fremdzugehen oder auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden. Trotz erheblichen Defiziten in dem Bereich „weil es für ihn nicht so wichtig war“ war ich über elf Jahre lang treu. Ich bereue es nicht, weil fremdgehen für mich, egal aus welchem Grund ohnehin nicht in Frage kommt, aber würde ich heute nochmal so lange „ein Auge zu drücken“ und mich auf Dauer immer nur mit mir allein vergnügen? Nicht, dass das keinen Spaß macht, aber Sex schafft doch mal vom rein Animalischen abgesehen, auch eine unglaublich innige Verbindung zu einem Menschen. Und die, da bin ich ganz ehrlich, möchte ich mit meinem Zukünftigen eher nicht mehr missen müssen. Das muss schon passen. Schon alleine, weil ich mein nächstes Opfer ja ohnehin vorhabe zu heiraten. Und für die Ewigkeit hätte ich diesmal, neben meiner Vibratorensammlung, gern auch mal ein paar andere geschickte Hände…und so. Ihr wollt also das Kribbeln zurück? Die ungeteilte Aufmerksamkeit eures Liebsten und den Sex? Für euch habe ich mir mal die Mühe gemacht ein paar Punkte aufzulisten, die ich persönlich für unglaublich wichtig erachte.

 

Guter Sex? Eine ganz persönliche Zutatenliste

1. Liebt euch selbst

Wenn ich manchmal so mitbekomme, wie manche Damen sich in der Dusche im Fitnessstudio selbst berühren, kommt mir immer wieder die Galle hoch. Manche gehen mit sich selbst um, als wären sie Unberührbare. Wie soll ein Mann euch so lieben, wie ihr es verdient, wenn ihr euch diese Liebe noch nicht mal selbst zuteil werden lässt?

2. Kümmert euch um euch selbst

Ihr wollt doch im Gegenzug auch, dass euer Liebster gepflegt ist und nicht aussieht wie ein Yeti kurz nach dem Winterschlaf.

3. Kennt euch selbst

 Ihr wollt guten Sex, habt aber keine Ahnung was genau euch so richtig in Fahrt bringt? Dann BITTE geht in den Sexshop eures Vertrauens, kauft euch ein bisschen Spielzeug oder spielt zuhause einfach mal selbst die Höhlenforscherin. Wer künstliche Wimpern anbringen kann, kann auch äußerst begabt an sich selbst herumspielen. Ich kann das mit den Wimpern beispielsweise nicht und bin trotzdem eine Meisterin auf diesem Gebiet. Meine Empfehlung ist definitiv der Duschkopf auf Massagestrahlfunktion und/oder eine kleine (oder größere) Prise YouPorn. Keine Ausreden. Männer mögen es, wenn die Frau ihnen sagt was und wie sie es will. Und das könnt ihr nun mal nur, WENN ihr es wirklich wisst.

4. Sei nicht immer verfügbar

 Viele Frauen richten ihr Leben früher oder später komplett nach dem des Mannes. Geliebte Hobbys, die früher intensiv ausgeübt wurden, werden vernachlässigt und man sitzt sehr oft nur noch aufeinander, statt das eigene Leben weiterhin aufrecht zu erhalten. Ein bisschen die Geheimnisvolle zu bleiben schadet nie um die Liebe und damit auch das Verlangen frisch zu halten. Das bedeutet nicht, irgendwelche „Ich bin ja so schwer zu haben“- Spielchen zu spielen, aber durchaus, das eigene Leben nicht aufzugeben und auch ohne ihn loszuziehen. Mit deinen Freunden, erinnerst du dich an sie? Das sind die, die immer für dich da sind und an die du dich spätestens dann wendest, wenn alles den Bach runtergeht.

5. Datet doch mal wieder

Viele Paare die lange zusammen sind, gehen nur noch selten aus und verbringen ihre freie gemeinsame Zeit vor dem Fernseher. Fernsehen ersetzt dann den Sex und einmal zappen den Stellungswechsel. Traurig, aber wahr. Was den Anfang auch so vielversprechend gemacht hat, waren die vielen Dates. Kino, Essen, Clubbesuche oder auch mal ein Wellnesswochenende. Macht euch was aus und trefft euch dann direkt am Ort euer Wahl. Ihr werdet staunen, wie schnell das Herzklopfen zurück kommt.

6. Probiert mal wieder was Neues aus

Wieso überrascht du nicht mal ihn? Zum Beispiel mit Hilfe einer äußerst gewagten „Spieleruniform“ während eines für dich normalerweise ziemlich faden Fussballspiels? Ich kenne keinen Mann, der da noch Augen für das Match hat. Zur Not kannst du ja auch mal zur Abwechslung zwischen SEINEN Schenkeln verschwinden und mit dem blasen der Trillerpfeife die Halbzeit einleiten - ich kenne keine effektivere Methode, um die nächsten 45 Minuten definitiv anders zu gestalten. Immer nur die Missionarsstellung ist auch nicht das Wahre. Socken dabei anlassen ohnehin nicht. Spielzeug, Dirty Talk, Stellungswechsel, gar das Kamasutra – you name it. Natürlich sind auch die Herren der Schöpfung dazu angehalten, sich nicht gehen zu lassen und uns mal wieder zu überraschen. Aber wieso sich auf andere verlassen, wenn man das Ganze doch gleich selbst in die Hand nehmen kann? Emanzipation und so?

 

Was mich angeht, bin ich nach mittlerweile neun Monaten ohne Sex, aufgrund unbrauchbaren Materials, schon so irre, dass ich mein nächstes Opfer mit Haut und Haaren auffressen werde (ruhig wörtlich nehmen). Ich werde nicht mehr nur über den Rand malen (Sex and the City/Zitat Carrie: „Wenn Big ausmalt, malt er fast immer über den Rand“), ich werde den verdammten Stift abbrechen, ihn durchs Zimmer schmeißen und niemand wird je wieder etwas von ihm hören. Und sehr wahrscheinlich von diesem armen Kerl auch nicht. Nur damit ihr wisst. In diesem Sinne. Petri Heil. to be continued…

 

Über die Autorin

Sophie Gotzmann alias „Mörderpuppe“ ist überzeugte Bandwurmsatzliebhaberin, mit einer Abneigung gegen korrekt gesetzte Kommata und lebt seit 2011 in ihrem über alles geliebten Exil in Wien. Seit Mitte diesen Jahres schreibt sie auf ihrem Blog „Mörderpuppe ungeschminkt - jetzt erst recht“ über alle möglichen und unmöglichen Erlebnisse einer wahnsinnig gut aussehenden und überhaupt nicht selbstverliebten Frau mit mindestens zwölf Persönlichkeiten, die ihr komplettes Leben, samt gut bezahltem Job und langjähriger Beziehung, über den Haufen geworfen hat, um das Glück zu finden. Trotz einer Vorliebe für Fäkalsprache und Riesenpenisse ist sie auf der Jagd nach dem Friedensnobelpreis. Ihre Mission, wie könnte es anders sein: der Weltfrieden.

 

VIDEO: Über Selbstliebe und den weiblichen Orgasmus

 

 

 

Kommentare

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1 Kommentare
Gast: Lisa B.
23.10.2017 10:59

Sexleben adé?

Also ohne der Autorin dieses ausführlichen Artikels zu nahe treten zu wollen, aber .....
wenn man anstrebt eine längerfristige Beziehung zu führen oder gar Heirat /Ehe in Betracht zieht, sollte man sich eines bewusst sein. Und zwar kommt zwangsläufig nach x-Jahren Beziehung eine gewisse Routine und/oder Lustlosigkeit dazu. Gar nicht zu reden wenn Kinder mit ins "Spiel" kommen. Die Frau von heute hat meist mindestens einen Teilzeitjob, der nicht unbedingt erfüllend sein muss und dennoch stresst, ein oder mehrere Kinder die in ihrer Erziehung ihres dazu beitragen, gestresst und ausgelaugt zu sein bzw nicht immer DIE Zeit erlauben in der er/sie gerade Lust hast, UND dann noch der Haushalt der sich bekanntlich nicht von alleine macht. Auch der moderne Mann steuert bei Kind und Haus schon einen gewissen Part mit dazu und ist meist ebenso nicht immer soooo relaxed wenn er von der Arbeit heim kommt.
Man sieht also, nicht immer bleibt, trotz guter Vorsätze (Spielzeug, Kamasutra und CO.), die Zeit oder Lust um das Sexleben 365 Tage im Jahr pornomäßig am Laufen zu halten. Und das geht Frau wie Mann wohl ähnlich. In einer guten Beziehung ist das aber durchaus in Ordnung, denn den Sex den man dann hat, muss nicht zwangsläufig immer fad und öde sein. Er tritt auf eine andere Ebene die frischverliebte ganz sicher nicht haben.