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Kolumne: The Penis Diaries: Fuck you, Wolke 7!

von

Wieso es gefährlich ist, die Pille abzusetzen. Was das Ding mit Wolke 7 damit zu tun hat. Und ganz abgesehen davon: Bin ich jetzt Crazy in Love, oder was?!

The Penis Diaries: Fuck you, Wolke 7!

SexSophie Gotzmann alias Mörderpuppe(Wienerin)

Nach elf Jahren Beziehung und einer Trennung aus Liebe ist Sophie wieder Single. Und zwar mit Leib, Seele und Humor. 
In der letzten Ausgabe dieser Kolumne ging es um den Glauben an die große, wahre Liebe. Und prompt ist es da, das verrückte Verliebt Sein!

Und dann fängt es wieder an zu regnen. Die Tage werden kürzer, die Nächte wieder kühler. Manchmal verfluche ich diese Tage, jetzt muss ich wieder mehr als zwei Kleidungsstücke anziehen. Inklusive Schuhen. Schrecklich, sich da was auszusuchen. Wenn ihr meinen überdimensionalen Kleiderschrank kennen würdet, würdet ihr mich verstehen. Am liebsten würd ich entweder jeden Tag nackt rumlaufen oder eben lediglich in meine Bettdecke gewickelt. (Laut der letzten Ausgabe der Vogue ist das bei dem Label Comme des Garcons ja sogar schon wieder in Mode.) Ich hab aber solange in diesem Modezirkus mitgemacht, dass ich es langsam wirklich satt hab. Versteht mich nicht falsch, ich mach mich gern schick und ab und an, wenn mal was Besonderes ansteht, trag ich sogar Unterwäsche.

Kein Mangel an Angeboten, aber …

Aber das ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass ich, wenn es kühler wird, noch romantischer unterwegs bin als ohnehin schon. Die letzten zwei Wochen verbringe ich zwangsweise zusätzlich auch noch ohne Fernseher, weil mein neuer noch nicht geliefert wurde – in Verbindung mit meinem momentanen Romantikexzess ist das ein absolutes Todesurteil. Nicht, dass es mir an Angeboten zur Ablenkung fehlen würde, aber das Angebot, das ich gerne hätte, von dem, den ich gerne hätte, war noch nicht dabei. Denn der, den ich unvernünftigerweise gerne hätte, scheint an mir nicht so sehr interessiert zu sein. Und ich bin halt auch nicht die, die einem Typen nachläuft. Egal wie gut ich den finde. Hab ich nie gemacht, werde ich nicht machen. Schon erst recht nicht, weil ich ohnehin nicht weiß, was diesbezüglich mit mir los ist oder ob ich meinen „Gefühlen“ überhaupt noch irgendwie trauen kann. Bin ja schließlich fast zwölf Jahre aus der Übung. Und ich kenn den ja nicht mal wirklich. Und eigentlich ist er noch nicht mal mein Typ. Raucher auch noch. Biertrinker.

Und ich hab Bilder gesehen, auf denen er sogar skinny Jeans trägt. SKINNY JEANS!!!!! Für mich der absolute Horror. Aber irgendwie ist da was, so eine Art explosive Mischung. Wenn wir uns schreiben, hasse ich ihn sogar teilweise über alle Maßen. Und wenn wir nicht schreiben, verfluche und vermisse ich ihn gleichzeitig. Das ist dann so dieses „wenn er dir nicht schreibt und du ihm nicht schreibst, weil er dir nicht schreibt, du ihm aber eigentlich schreiben willst, aber aus Prinzip nicht schreibst, weil er dir nicht schreibt“. Ihr kennt das. Extrem kindisch. UND - so kenn ich mich auch gar nicht. Bin mir selbst zurzeit wirklich zu anstrengend. Und so sehr ich diese Spielchen eigentlich hasse, kann ich da stolztechnisch einfach nicht aus meiner Haut. Dabei wünsche ich mir eigentlich nur ein direktes „Hey, ich hätte dich gern bei mir, darf ich vorbeikommen?“ Oder „Hey, du Schlampe, wieso schreibst du mir nicht? Ich vermisse das“. (Dazu muss man wissen, dass ein von mir verwendetes „Pisser“ oder „Arschloch“ schon fast eine Liebeserklärung ist. Wenn der mir dann ein liebevolles „Bitch“ rüberschmeißt, bin ich praktisch schon fast auf Wolke 7).

Trotzdem bin ich diesbezüglich wirklich ein bisschen sehr von der Rolle. Denn dieses Gefühlsding kam mal wirklich komplett einfach so, ohne mich zu fragen. Das Gute daran ist, dass mich das alles dermaßen verwirrt, dass ich überhaupt nicht mehr an meinen Ex denke. Mir ist das Ganze mittlerweile so unglaublich egal, dass ich selbst total erstaunt bin. Weil das sah vor unserem Kontakt vor ein paar Wochen noch komplett anders aus. Deswegen bin ich schon allein deswegen sehr dankbar über diese Umstände. Kann ja auch sein, dass ich mich da komplett in was reinsteigere, aber was soll ich romantisches Ding machen? Mein Herz hat mich nicht gefragt!

Zusätzlich habe ich vor knapp drei Monaten auch noch die Pille abgesetzt und was da hormontechnisch abgeht, muss ich wohl niemanden erklären. Aus diesem Grund zweifle ich manchmal intensiv an meiner geistigen Gesundheit und weigere mich, meine Gefühle anzuerkennen. WEIL es nicht logisch ist. WEIL ich nicht verletzt werden will. Und WEIL der Zeitpunkt einfach mal gar nicht passt. Ich stehe kurz vor einem Umzug. Hab noch keine Ahnung, wohin, und muss zusätzlich gerade einiges Andere ordentlich zum Laufen bringen. Denn ohne festen Job ist das alles nicht so einfach. Denn nur von der Liebe zu dem, was du tust, kannst du halt auch nicht von heute auf morgen leben. Trotzdem werde ich definitiv in keinen Job mehr zurückgehen, den ich abgrundtief hasse. Bei dem ich Dinge machen muss oder vorgeben muss eine Person zu sein, die ich verabscheue. Vorher zieh ich mit meinen Katern in einem Einkaufswagerl auf die Donauinsel. Frische Luft ist ja gesund.

Sexentzug und „Basic Bitches“

Ich bin eine Kämpferin und habe bisher immer noch alles geschafft. Außerdem bin ich halt auch so verliebt in mich selbst, dass da ohnehin gar nix schief gehen kann. Trotzdem frag ich mich, was das soll. Wieso jetzt? Und wieso ausgerechnet dieser viel zu junge Pisser? Und vor allem: Verarsche ich mich gerade selbst komplett? Weil das alles einfach nur komplett irre ist. Und außerdem alles, aber mal auf jeden Fall nicht nachvollziehbar. Niemalsnicht. Nach mittlerweile acht Monaten Sexentzug befinde ich mich auch ohnehin nicht unbedingt im zurechnungsfähigsten Zustand. Aber mich interessiert sonst keiner. KEINE AHNUNG WIESO. So irre es auch ist, das zu sagen, im Hinblick darauf, dass wir uns noch nie im realen Leben getroffen haben. Dabei hätte ich Unmengen von Angeboten. Von Fußballern, Großindustriellen, irgendwelchen lokalen VIPs, die allesamt denken, dass sie nur mit ihrer scheiß Kreditkarte wedeln müssen und ich komme angetanzt.

Den richtigen Menschen an meiner Seite, mit genau der richtigen Prise Irrsinn, einen riesigen Hund und meine beiden Kater, EVENTUELL, wenns für „ihn“ unbedingt sein muss, noch so ein kleiner Diktator und das würde mir persönlich schon zu meinem absoluten Glück ausreichen. Aber finde mal jemanden, der das genauso sieht. Der bedingungslose Liebe, Loyalität und einen gewissen Größenwahnsinn mitbringt, der optimal mit meinem harmoniert. Man könnte jetzt einfach vorschlagen, dass wir uns doch einfach treffen sollten. Aber irgendwie bin ich dazu noch nicht bereit. Weil ich Angst davor habe, dass sich diese Illusion von vermeintlichen Charakter, den ich irgendwann gedacht habe in ihm erkannt zu haben, in Luft auflöst und ich ihn als das sehe, was er manchmal sehr überzeugend vorgibt zu sein. Eine „basic bitch“. Und mit einer solchen komme ich halt nicht klar und „sie“ auch nicht mit mir. Auch so ein „Typ Steuerberater" würde sich definitiv in NULL KOMMA NIX freiwillig erhängen nachdem die erste Sabberphase vorbei ist. Bei mir musst du halt erstmal den richtigen Knopf finden. Ich bin am Anfang halt eher so der obercoole Eisklotz mit einem äußerst massiven Schutzwall um mein Herz. Wenn du die Knöpfe allerdings erstmal gefunden hast, gibt’s für mich aber kein Zurück mehr. Deswegen bin ich immer so vorsichtig, weil ich weiß: Wenn ich es erst zulasse, dann komm ich da nicht mehr so schnell raus. Und unglücklich verliebt zu sein ist jetzt wirklich das allerletzte was ich gebrauchen könnte.

Ist Liebe Schicksal oder geht's nicht ohne Beharrlichkeit?

Deswegen ist mir das eher freundschaftlich dahinplätschernde, annähernd tägliche Verbalpingpong auch erstmal genug. Glaub ich. Vielleicht. Wobei ich ja schon neugierig bin. Irgendwie. Bin aber ohnehin eigentlich immer schon der Ansicht, dass die Dinge, die sich ergeben sollen, sich zum genau richtigen Zeitpunkt wie Puzzleteile ineinander fügen. Aber dann zweifle ich manchmal auch wieder dran. Denn hätte mein Ex damals nicht so äußerst massiv an meiner Mauer gerüttelt, tagelang wie ein moderner Romeo unter meinem Schlafzimmerfenster ausgehaart und mehrere Nächte telefonisch mit mir über das Leben philosophiert, dann wäre da auch nie was draus geworden. Weil ich damals in ungefähr der gleichen Situation war und mal überhaupt gar nicht an einen neuen Mann an meiner Seite nachgedacht habe. Abgesehen davon bestehe ich einfach darauf, dass ein Mann „um mich kämpft“ oder zumindest mehr als offensichtlich mein Interesse teilt.

Ich verbringe einfach lieber die nächsten Jahre allein und ohne Sex, bevor ich mich mit etwas zufrieden gebe, das nicht mal annähernd meinem Gedanken von unglaublicher, komplett wahnsinniger Liebe entspricht. Wobei ich mir im Grunde meines Herzens und von den ganzen Schutzwällen drumherum abgesehen, nichts anderes wünsche als genau das. Ich will wieder über den Rand malen. Komplett. (Zitat Carrie Sex and the City: „Wenn Big ausmalt… dann malt er fast immer über den Rand“)

Crazy in Love

Meine sehr verehrten Damen und Herren, es ist jedenfalls amtlich. Sophie ist verrückt geworden. Ja. Noch mehr als sonst. Und NEIN, ich kann mich nicht zusammenreißen. Schlussendlich ist das die einzige Erklärung, mit der ich mich abfinden will. Sogar gern. Weil, verrückt sein ist heutzutage ohnehin en vogue. Da kann man so tolle Sachen machen. Leute foltern, anschließend irgendwo lebendig vergraben und man wird trotzdem freigesprochen. Oder einfach nur nackt und sabbernd in der Gegend herumlaufen und man wird maximal ein bisschen dumm von der Seite angeguckt. Ja. Ich entscheide mich lieber für dieses Übel, alles andere ist erstens nicht möglich und zweitens nicht logisch UND DRITTENS SEH ICH DAS AUCH GAR NICHT EIN. NICHT JETZT. Weil, GEHT NICHT. NIEMALSNICHT. Oder doch? Hmm.
Bleiben Sie dran ….

To be continued.

 

Über die Autorin

Sophie Gotzmann alias „Mörderpuppe“ ist überzeugte Bandwurmsatzliebhaberin, mit einer Abneigung gegen korrekt gesetzte Kommata und lebt seit 2011 in ihrem über alles geliebten Exil in Wien. Seit Mitte diesen Jahres schreibt sie auf ihrem Blog „Mörderpuppe ungeschminkt - jetzt erst recht“ über alle möglichen und unmöglichen Erlebnisse einer wahnsinnig gut aussehenden und überhaupt nicht selbstverliebten Frau mit mindestens zwölf Persönlichkeiten, die ihr komplettes Leben, samt gut bezahltem Job und langjähriger Beziehung, über den Haufen geworfen hat, um das Glück zu finden. Trotz einer Vorliebe für Fäkalsprache und Riesenpenisse ist sie auf der Jagd nach dem Friedensnobelpreis. Ihre Mission, wie könnte es anders sein: der Weltfrieden.

 

VIDEO: Über Selbstliebe und den weiblichen Orgasmus

 

 

 

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