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Gastbeitrag: The Penis Diaries: Der Italiener

von

Tinder, Delphin-Vibratoren und die besten Schwiegermütter der Welt: Erlebnisse auf der Suche nach demperfekten Penis.

SexSophie Gotzmann alias Mörderpuppe(Wienerin)

Nach elf Jahren Beziehung und einer Trennung aus Liebe ist Sophie seit sechs Monaten wieder Single. Und zwar mit Leib, Seele und Humor. 


So als solo Frau hast du es wirklich nicht leicht heutzutage. Schon gar nicht, wenn du die letzten elf Jahre praktisch weg vom Fenster warst. Gut, bei mir war das Ende beim besten Willen nicht zu vermeiden und wenn der Idiot nicht um mich kämpft, sondern lieber anderen Leidenschaften fröhnt, dann muss man sich halt auch eigene suchen. Und ich war noch nie kein Kind von Traurigkeit, wenn auch immer ein treues. Und elf Jahre lang der gleiche Penis und das gleiche Paar Eier, ich finde, da hat man in meinem Alter schon das Bundesverdienstkreuz oder auch gern wahlweise den Friedensnobelpreis verdient. Seitdem ich dann aus gegebenem Anlass auch noch meine Pille abgesetzt habe, merke ich, wie meine Libido praktisch explodiert.

Der perfekte Penis - ein Traum

Zusätzlich zu dieser Tatsache, bin ich eine absolute Penisfetischistin und mein (mittlerweile durch meinen Blog ja nicht mehr so ganz) stiller Traum ist ein Mann, der noch vor dem Frühstück mit seinem perfekten Riesenpenis durch das Schlafzimmer propellert und voller Verzweiflung den Notstand ausruft, da er die Kontrolle über das Prachtstück verloren hat. Wenn man bei DIESER Morgenroutine nicht glücklich zusammen alt und runzlig werden kann, dann weiß ich aber auch nicht.
Auf die also brandaktuelle Gefahr hin, dass ich einsam sterben muss, galt es, zu handeln.

Mein Vibrator, der Delfin, ist schon so verzweifelt, dass ich dem schon rein aus arbeitsrechtlichen Gründen jetzt mal eine adäquate Aushilfe besorgen muss, sonst dreht der am Ende noch völlig durch und hetzt mir die Arbeiterkammer auf den Hals. Und das muss auch nicht sein, hab ja schon genug Stress am Hals. Ungevögelt erst recht. Ihr kennt das.

Rein ins Tinder-Vergnügen!

Ich habe mir also Tinder runtergeladen. Weil Tinder, so hab ich in meinem ehemaligen Exil für vergebene Frauen zumindest gehört, soll ja ein 1A Anbandlungstool für notgeile Ausschussware sein. Praktisch INKLUSIVE Besteigungsgarantie. Eigentlich hatte ich da zuerst doch noch ein paar Skrupel, weil diesen Typen so eine Art „Verzweiflungsgeschmack“ anhängt. Und das ist dann irgendwie so, als würde ich mich in der letzten Sale-Woche bei Zara auf dem Grabbeltisch umschauen. Denn auch wenn die Typen online noch so hübsch und gutaussehend sind, der Flair, den ich für so einen Flirt brauche,  kriegst du halt online leider niemals nicht hin. Bin da wahrscheinlich eher old school. Trotzdem. WAT MUSS, DAT MUSS.
Penisbilder hab ich dann unglücklicherweise zwar keine gefunden, aber dafür wie befürchtet einen ganzen Haufen ausrangierter, männlicher Ware. Gut, zwei, drei ansehnliche Kerle waren auch dabei und da ja niemand vorher erklärt, wie diese App funktioniert und wofür Blitze, Sternchen und Herzal so genau da sind, hab ich neben der Wischerei einfach mal interessehalber ein bissal herumgedrückt. Und DAS hätte ich mal lieber lassen sollen. Als ich nämlich am nächsten Morgen mein Handy eingeschaltet hab, hatte ich 32 neue Tindermatches. Leider waren sämtliche 32 dann doch irgendwie verstört, als ich quasi als Einstieg gleich mal nachgefragt habe und sehen wollte, auf was ich mich denn da, rein ausstattungsmäßig, so einlasse.
Denn seid mir echt nicht böse, aber wenn ich mich schon aufraffe und meine Couch mit den wunderbar drapierten Taschentüchern und den prall gefüllten Pizzakartons verlasse und dann hat der Typ einen Minipenis, dann schrei ich den ziemlich wahrscheinlich an. WEIL ER MEINE ZEIT VERSCHWENDET HAT. Und das muss ja jetzt nicht sein.

Frustrierte Ex-Ehemänner vs. junge Knackärsche

Mit der Zeit habe ich mich dann jedenfalls zu einer astreinen Pädophilen entwickelt. Dabei kann ich nicht mal was dafür, die Anfrage von dem Anfang 20-Jährigen kam irgendwann einfach. Wieso sich mit frustrierten, verschrumpelten, gwamperten Geschiedenen abgeben, wenn man die so rar gesäte (und zumindest optische) A-Ware noch haben kann? Aufgrund regelmäßiger Besuche in Bratislava bei meinen Lieblingspicassos kann ich mich halt noch ziemlich gut sehen lassen. Weiß ja keiner, dass unter der Fassade schon alles am Wegschimmeln ist und rein für die Gaudi ist mir so ein knackiger Hintern schon wirklich tausend mal lieber als einer, der sich bereits in Richtung Boden verabschiedet. (Reicht ja, wenn das bei mir der Fall ist.)

Allerdings hab ich ganz leicht Hemmungen, mich für ein Pantscherl mit einem Toy Boy herzugeben. Denn wenn man da mal zurückrechnet, dann war der, als ich bereits meine erste Verlobung hinter mir hatte, ja praktisch gerade mal so aus dem Kindergarten raus und noch ziemlich weit von den ersten Pickeln, Bartstoppeln und vor allem Sex entfernt.
Und das bringt mich dann schon irgendwie ein bissal ins Grübeln: Wohin geht man mit so einem Jungspund essen? Zu McDonalds - auf eine Junior Tüte? Und worüber rede ich da mit dem? Über die neueste X-Box? Und selbst wenn wir es direkt von der Junior Tüte in die Heia schaffen, stellt euch mal vor, ich schlafe in seiner Junggesellenbude ein und er wacht VOR mir am nächsten Tag auf. Und sieht dann mein ungeschminktes, vor Sorgen, Wodka und Erlebnissen diverser Arten zerfurchtes Anti-Baby-Face? Bei aller Selbstverherrlichung. Der bekommt doch einen Schock für sein Leben. Das war mir bei aller Liebe dann doch viel zu riskant.

Hab die Anfrage gelöscht und mich aufgerafft, fein ausstaffiert, drei Kilo Puder aufgelegt, ordentliche Nuttenschuhe angezogen und bin ganz old school mit meinen Freundinnen auf die Pirsch gegangen. Gut, es war mir dann schon auch irgendwie bewusst, dass ich die zweite Flasche Wodka nicht mehr hätte bestellen sollen.

Oldschool geht's halt immer noch am besten

Irgendwann habe ich mich dann, soweit ich mich erinnern kann, als Doktorandin ausgegeben, die dringend Probanden für ihre Studie benötigt. Dass diese Studie um Penisse ging, muss ich wohl nicht erst dazu sagen. Und zwar wollte ich die Jeansform ins Verhältnis zur Penislänge setzen. Rein aus wissenschaftlichen Gründen versteht sich. Hatte extra meine Brille auf, mit der kann ich nämlich unglaublich gut Intelligenz vortäuschen. Die an der Studie teilnehmenden Herren wurden jedenfalls dazu angewiesen, sich auf der Toilette zu vermessen, ein Beweisfoto zu schießen und mir dann beides zu präsentieren. Lief alles soweit hervorragend und ich und meine Mädels - ähm - ASSISTENTINNEN hatten ordentlich Spaß. Bis ich dann anscheinend soweit war, dass ich mir ein besonders gut bestücktes Studienobjekt gegriffen und mit ihm gewettet habe, dass er keinen hüpfenden Penispropeller mit diesem Ding hinkriegt, weil er sich damit ja selbst erschlagen oder rein aus physikalischen Gründen einfach umfallen würde. Er ist nicht umgefallen. Hat einen 1A Propeller hingelegt.


War wohl nicht das erste Mal, dass der das gemacht hat und ich fand das so toll, dass ich mich spontanverliebt hab. Der Rest ist Geschichte und für mich nicht mehr so wirklich nachvollziehbar. Ich weiß nur, dass ich dann heute morgen in einem Kinderzimmer aufgewacht bin. EINEM. KINDER.ZIMMER!!! Alleine zwar, aber ich traue diesem Frieden nicht. Der Schock saß jedenfalls so tief, dass ich so schnell wie mir irgend möglich geflüchtet bin. Ich rede mir auch schon, ziemlich erfolgreich übrigens, die ganze Zeit ein, dass der Typ mit seinen (hoffentlich) Anfang 30 einfach nur ein Loser ist und deswegen noch zuhause wohnt. Alkohol und ich sind jedenfalls seit diesem Zeitpunkt keine Freunde mehr. Schon erst recht nicht, weil ich, selbst WENN da was gelaufen ist, KEINE Ahnung mehr davon hab. UND WENN ich schon eine Einladung für eine Party gebe, dann will ich da auch dabei sein. Als VIP Gast nämlich.
Mit All YOU CAN FUCK-Bändchen.

Der Sex geht, die italienische Schwiegermutter bleibt

Anscheinend hab ich mich wohl mit einem Italiener eingelassen. Seine Mutter hat mich nämlich vorhin angerufen um mich zum Essen einzuladen. Und das hat mir dann erst so richtig Angst gemacht. Fabrizio, so hieß der Gute mit dem perfekten Propellerpenis anscheinend, sei seit meinem Besuch jedenfalls einfach nicht mehr wieder zu erkennen, so verstört und traurig sei er.

Und da ist sie mit ihren untrügbaren, mütterlichen Instinkten natürlich gleich auf mich gekommen. Weil so ein Verhalten kann ja auch nur am Liebeskummer liegen, bei den Italienern sowieso erst recht. L'amore è tutto und so. Hat mich anscheinend flüchten gesehen und ihrem Sohn
umgehend meine Handynummer abgenommen, die ich ihm, soweit ich weiß, eigentlich gar nicht gegeben habe. Sehr wahrscheinlich habe ich, in meiner durch die Propelleraction ausgelöste Spontanverliebtheitsphase, wieder mit meinen Visitenkarten herumgeschmissen. Möglich. So genau werde ich das wohl nie erfahren. Was tut man nicht alles für die Wissenschaft.

Jedenfalls war ich dann doch ein bisschen perplex wegen dieser unverhofften Essenseinladung und dachte mir deswegen, ich lass mal das mir angebotene Mahl entscheiden, ob ich mir das rein zum Vergnügen gebe. Weil, für Essen tu ICH ja alles. GOTT SEI DANK gab es dann aber nur irgendwas mit Meeresfrüchten. Und mit Meeresfrüchten kannst du mich als waschechte Niederbayerin nämlich jagen. (Bei mir geht halt nix über einen 1A Schweinebraten vom Papa, mit ordentlich Kümmel drauf und dazu mindestens zehn Reibeknödel, die glücklich in der Soße ersaufen.)

Meeresfrüchte hin oder her: Ich habe mich dann mit Fabrizios Mama noch ganz toll unterhalten, wir haben unsere Lebensgeschichten ausgetauscht, uns unsere immerwährende Liebe versichert und schlussendlich hab ich ihrem Sohn dann noch ausrichten lassen, dass ich meiner Wissenschaft versprochen bin und deshalb morgen wieder zurück nach Kopenhagen müsse und wir uns deshalb nie mehr sehen könnten.
Bisschen wehmütig bin ich aber schon, weil diese Schwiegermutter wär schon super gewesen, trotz Missbrauch ihres Sohnes haben wir uns gleich super verstanden und mit Essen, das muss ich einfach nochmal betonen, da kriegst du mich halt immer. Wenigstens bin ich jetzt wieder nüchtern.

Aber Fabrizio, wenn du das liest:
I love your penis.

To be continued.

 

Über die Autorin

Sophie Gotzmann alias „Mörderpuppe“ ist überzeugte Bandwurmsatzliebhaberin, mit einer Abneigung gegen korrekt gesetzte Kommata und lebt seit 2011 in ihrem über alles geliebten Exil in Wien. Seit Mitte diesen Jahres schreibt sie auf ihrem Blog „Mörderpuppe ungeschminkt - jetzt erst recht“ über alle möglichen und unmöglichen Erlebnisse einer wahnsinnig gut aussehenden und überhaupt nicht selbstverliebten Frau mit mindestens zwölf Persönlichkeiten, die ihr komplettes Leben, samt gut bezahltem Job und langjähriger Beziehung, über den Haufen geworfen hat, um das Glück zu finden. Trotz einer Vorliebe für Fäkalsprache und Riesenpenisse ist sie auf der Jagd nach dem Friedensnobelpreis. Ihre Mission, wie könnte es anders sein: der Weltfrieden.

 

VIDEO: Über Selbstliebe und den weiblichen Orgasmus

 

 

 

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