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Selbsttest: Warum dich dein Bauchgefühl täuschen kann

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Kann man Intuition lernen? Und stimmt es wirklich, dass unser Bauchgefühl immer richtig liegt? WIENERIN-Autor Ljubiša Buzić machte den Selbsttest, wühlte sich durch Intuitionsliteratur und sprach mit einer Expertin. In diesem Selbsttest erklärt er, wie er zum Intuitions-User wurde.

PsycheLjubiša Buzić(Wienerin)

„Wo bin ich da nur hineingeraten?“ Das ist mein erster Gedanke, als ich meine Onlinerecherche starte. Ich bin auf der Suche nach Methoden, mit denen man Intuition lernen kann, und die Ergebnisse sind erst mal wenig vertrauenerregend. Da wimmelt es nur so von Ratgebern über Schutzengel, sechste Sinne und „feinstoffliche Wahrnehmungen“. Ich beschließe, mich nicht abschrecken zu lassen, bestelle erst mal die Bücher, die am bodenständigsten wirken und starte meinen Selbsttest.

Orakelsprüche

Leider entpuppt sich der Einstieg mit dem Intuitions-Orakel für jeden Tag (Eigenverlag, € 4,99) nicht gerade als ideal. Statt der versprochenen täglichen „Impulse“ kreise ich mit meinem Finger über Tabellen mit Buchstaben und Zahlen. Danach blättere ich auf die entsprechende Seite, wo mir Wörter wie „Hoffnung“, „Humor“ oder „Ideen“ bei Entscheidungen helfen sollen. Tun sie nur leider nicht.

 

 


Beim nächsten Buch habe ich mehr Glück: Kopf aus, Bauch an? (GU-Verlag, € 13,40) von Anne Heintze. Die Autorin empfiehlt mir, aus meinen Routinen auszubrechen, kleine Alltagsdinge neu zu machen und so empfänglicher für meine Impulse zu werden. Die Übungen in dem Buch haben oft spielerischen Charakter: So werde ich losgeschickt, um intuitiv shoppen zu gehen, und fülle meine Einkaufswagen ohne groß nachzudenken und zu planen. Das ist ein sehr leichter und alltagstauglicher Zugang. (Und offenbar will meine Intuition, dass ich mich gesünder ernähre.)

Doch wieder der sechste Sinn?

Wenn ich schon im Supermarkt bin, kann ich gleich die nächste Übung probieren: Ich beobachte die anderen Kundinnen und versuche zu „erspüren“, was sie kaufen werden. Der Klischee-Faktor meiner Tipps ist zwar hoch, die Erfolgsquote aber gar nicht schlecht (Avocado-Esserinnen erkenne ich auf einen Blick).

 


Je länger ich daran arbeite, desto mehr wird mir klar, dass es gar nicht so sehr das „Erahnen“ ist, das ich übe, sondern das Vertrauen in mein Gefühl. Das fällt mir bei kleinen Dingen wie dem Gemüseeinkauf leicht. Aber wie ist das bei großen Entscheidungen? Woher weiß ich, ob die Stimme in meinem Bauch nicht etwas ganz anderes ist – etwa Angst vor Veränderungen, Vorurteile oder das Ego?

Falsches Bauchgefühl

Ich rufe bei Regina Obermayr-Breitfuß, Gründerin des Holistischen Instituts an, um mehr darüber zu erfahren. Und tatsächlich - ich liege gar nicht so daneben: "Die Leute verwechseln alle möglichen Gefühle mit Intuition – z. B. schlichte Einbildung oder Wunschdenken“, so Obermayr-Breitfuß. Aber es gibt eine Möglichkeit, das zu unterscheiden: „Die Intuition ist nicht aufdringlich und insistiert nicht. Alle anderen Formen von Dingen, die mir dann durch den Kopf schwirren, die so anhaften und laut sind, das alles ist nicht die Intuition.“


Um an seine Intuition heranzukommen, müsste man also erst einmal diese ganzen Dinge wegschieben und zur Ruhe kommen: „Die Intuition ist immer etwas, das aus der Stille kommt. Also muss ich lernen, abzuschalten und nach innen zu horchen.“

 

„Intuition ist nicht aufdringlich und insistiert nicht. Sie ist leise.“
Regina Obermayr-Breitfuß

Und Frau Obermayer gibt mir gleich noch einen guten Anhaltspunkt, wie ich bei Entscheidungen mit meiner intuitiven Seite in Verbindung komme, nämlich über die Art, wie ich über eine Problem überhaupt nachdenke: „Schon die Fragestellung hat einen Einfluss darauf, welche Bereiche in meinem Gehirn aktiviert werden“, erklärt mir Frau Obermayer. „Wenn ich frage ‚warum?‘ ist sofort der Verstand angesprochen. Weil der alles erklären will – das ist auch sein Job und gibt mir Sicherheit. Wenn ich die Frage stelle ‚Woher kennst du das‘, wird automatisch die Erinnerung aktiviert. Die Frage an die Intuition ist immer die Was-Frage - z.B. Was weiß ich über meine Verantwortung in dieser Konfliktsituation?“

Mein Fazit

Intuition lässt sich für mich auch nach den ganzen Büchern und Gesprächen immer noch schwer greifen. Ob sie funktioniert oder nicht, ob man die richtigen Entscheidungen getroffen hat oder nicht, kann man oft erst viel später sagen. Was man aber durchaus lernen kann, ist in diese Entscheidungen zu vertrauen. Daran kann ich zumindest arbeiten.

Was mir wohl am meisten weiterhilft, ist die Erkenntnis, dass fixe Ideen und zwanghafte Gedanken nichts mit Intuition zu tun haben, sondern eben das sind, was sie sind, nämlich zwanghafte Gedanken. Und das die Intiuition die Stimme ist, die sich meldet, wenn wir ganz ruhig werden. Auch dass kann man lernen. Und das Beste daran: Das alles funktioniert auch ganz ohne Schutzengel.

 

VIDEO: Die absurdesten Tipps für die Bikinifigur

 

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