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Lebensglück: Die heutige Jugend macht da was verdammt richtig

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Normalerweise wird die "heutige Jugend" eher geschimpft. Dabei gibt es einiges, was wir uns von ihr abschauen könnten. Zum Beispiel mehr auf das Jetzt fokussiert zu sein. Für unser Dossier in der aktuellen WIENERIN haben wir mit einem Generationenforscher darüber gesprochen.

Glückliche Jugend

PsycheUrsula Neubauer(Wienerin)

Carpe das Leben

Als eines DER Rezepte für ein glückliches Leben, wird einem immer wieder empfohlen im Jetzt zu leben. Können wir nicht alle so gut. Und dann gibt es da aber eine ganze Generation, an der wir uns diesbezüglich ein Beispiel nehmen könnten. Die Generation Z nämlich. Warum sie als glückliche Generation gilt und was wir uns von ihr abschauen können, haben wir mit Generationenforscher Christian Scholz besprochen:

 

Sogenannte Glücksexperten raten einem, im Jetzt zu leben. ­Inwieweit hat sich die Einstellung diesbezüglich zwischen den Generationen verändert?
Christian Scholz: Die Einstellung der jüngeren Generation dazu hat sich deutlich geändert. So hat die Generation Y, also die in etwa ab 1980 Geborenen, ein hohes Leistungs- und Karrierestreben: Man arbeitet heute viel – um nicht zu sagen: zu viel –, im Glauben, dass sich diese Investition auszahlen wird. Da werden Wochenenden und Urlaube für berufliche Zwecke umfunktioniert, um etwa Führungskräfte zu beeindrucken. Die Generation Z, geboren ab Anfang 1990, tickt anders: Sie ist auch leistungsbereit, aber nur innerhalb zeitlich und räumlich klar definierter Grenzen. Bis 17 Uhr? Gerne! Aber danach? Am Wochenende? Im Urlaub? Definitiv nicht. Diese Generation will auch keine Arbeit mit nach Hause nehmen oder dauernd per Mail in der Freizeit gestört werden. Jetzt auf Freizeit zu verzichten, nur damit das Ganze vielleicht irgendwann honoriert wird, das geht bei der Generation Z auf keinen Fall. Sie haben zu viele Beispiele gesehen, wo diese Gleichung nicht aufgegangen ist. Also lieber heute die Zeit zum maximalen Lebensgenuss nutzen.


Wie kam es zu dieser Entwicklung?
Die jungen Menschen haben teilweise eine beachtliche Grundversorgung, die sie über ihre Eltern und Großeltern bekommen. Gleichzeitig­ verlieren Dinge wie ein Firmen­wagen an Bedeutung, denn vielleicht ist eine Jahreskarte für die Öffis praktischer. Außerdem hat gerade die Generation Z erkannt, dass auf der Welt nichts gratis ist: Will ich ­einen Dienstwagen oder mehr Geld, muss ich dafür auch mehr arbeiten und mit Lebenszeit dafür bezahlen.


Was kann man sich von ihnen abschauen?
Die Generation Z stellt nicht so überzogene Ziele an sich selbst. Deswegen wird sie sich selbst nicht so leicht enttäuschen. Ihre überwiegend klare Trennung von Beruflichem und Privatem reduziert Stress und schafft Möglichkeiten zur Regeneration. Dazu kommt das etwas erhöhte Gesundheitsbewusstsein. Die Generation Z sieht Beruf und Privates als angenehm zu gestaltende Lebenszeit an. Das Büro ist also die Zweitwohnung, in der man gerne am eigenen Schreibtisch arbeitet – jedenfalls acht Stunden am Tag. Und zumindest eingeschränkt können sie uns den Verzicht auf Ellenbogen lehren: Hatte man früher an der Uni vor Prüfungen Bücher vor Studienkollegen versteckt, um notenmäßig­ besser abzuschneiden, hilft man sich jetzt in der Gruppe. Es gibt aber auch einen Punkt, wo sich die Generation Z etwas abschauen könnte: Wenn ich nur auf das Hier und Heute achte, werde ich mich nicht politisch engagieren. Genau das sieht man bei der Generation Z, die weitgehend politikfrei ist. Die Folgen dessen zeigt etwa die Brexit-Abstimmung, bei der die Jugend zwar mehrheitlich gegen den Brexit war, aber in weit geringerer Zahl als die Älteren zur Abstimmung ging.


Und welches Konzept macht was mit einer Gesellschaft? Wie wirkt es sich aus, wenn immer mehr Leute mehr Wert auf ihre Lebensqualität im Jetzt legen?
Das ist eine gefährliche Frage, weil sie eine reflexartige, aber vorschnelle Antwort nahelegt, die auf ein „Und wer macht dann die Arbeit?“ hinausläuft. So einfach ist es aber nicht. Das „Glücklichsein“ der Generation Z und ihr Streben nach einem gesunden Leben dürfte Kosten für die Krankenversorgung und für die psychologischen Beratungsstellen reduzieren. Vielleicht gibt es sogar weniger Scheidungen und zerbrochene Beziehungen; vielleicht sogar wieder mehr Kinder. Und für Unternehmen: Nicht immer leistet derjenige, der fast rund um die Uhr arbeitet, um irgendwann vielleicht Karriere zu machen, wirklich mehr als derjenige, der mit der „Nine to five“-Mentalität, aber durchaus engagiert und produktiv an seinen Job herangeht. So gesehen bleibt unter dem Strich die Hoffnung, dass uns allen das bisschen Mehr an Glücklichsein gut tun wird, das die Generation Z ansatzweise vorlebt.

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