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Studie: Der Anstieg an Kaiserschnitten verändert die menschliche Evolution

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28,8 Prozent aller Babys kommen mittlerweile per Kaiserschnitt auf die Welt, und das hat laut einer neuen Studie Auswirkungen auf die Menschheit.

Anstieg Kaiserschnitte humanbiologische Entwicklung

FamilieRed. (Wienerin)

Der Anteil an Kaiserschnittgeburten stieg in den letzten Jahren kontinuierlich. Wie eine britische Studie 2015 festgehalten hat, liegt Österreich mit 28,8 Prozent dabei im europäischen Mittelfeld. Dabei gibt es einen Nord-Süd-Kontrast: Die höchste Rate an Kaiserschnitt-Geburten hat Zypern 52,2 Prozent, in Island werden nur 14,8 Prozent per Kaiserschnitt geboren. Weit verbreitet ist die Meinung, dass ein Kaiserschnitt eine Notmaßnahme ist. Jedoch scheint diese Meinung nicht in allen Ländern gängig zu sein bzw. würden Ärzte die medizinische Notwendigkeit unterschiedlich bewerten, berichten Forscher um Alison Macfarlane von der City University London im Fachjournal "BJOG".

 

Eine neue Studie mit österreichischer Beteiligung hat herausgefunden, dass Kaiserschnitte nicht nur weiter verbreitet sind, sondern auch die humanbiologische Entwicklung beeinflussen.

 

Die menschliche Evolution hat große Köpfe und schmale Becken bevorzugt.

 

Es gibt einen grund dafür, warum die menschliche Geburt so ein langer, schmerzhafter und historisch gesehen auch gefährlicher Prozess ist. Der Kopf eines Neugebohren ist so groß konzipiert, dass er sich gerade noch durch das Becken der Mutter ausgehen soll. Das mach die Geburt von Menschem im Vergleich zu anderen Primaten gefährlicher, in ca. 3 Prozent der Fälle ist der Kopf überproportional groß im Vergleich zum mütterlichen Becken, und das kann für beide lebensgefährlich sein.

 

Man spricht hier auch vom Geburtsdilemma: Im Zuge der menschlichen Evolution haben sich unterschiedliche Selektionsprozesse dueliert. Es ist vorteilhaft für Menschen große Köpfe und schmale Becken zu haben, da wir so einen aufrechten, schnellen Gang haben und mehr Platz für das Gehirn. Gleichzeitig hat das zu einer komplizierteren Geburt geführt. Kaiserschnitte werden laut der Forschungsergebnisse beeinflussen, welche DNA weitergegeben wird und somit wie sich Menschen in Zukunft entwickeln.

 

Kaiserschnitte beeinflussen, welche DNA weitergegeben wird.

 

Der Grund dafür liegt darin, dass mehr Babys mit großen Köpfen geboren werden. Bevor Kaiserschnitte üblich waren, war die Wahrscheinlichkeit, dass Babys mit großen Köpfen und ihre schmalhüftigen Mütter bei der Geburt starben, größer. Daher wurden auch ihre Gene nicht weitergegeben.

 

Die Forscher gehen davon aus, dass die Anzahl der Geburten, bei denen die Proportion des Beckens und des Kopfes nicht zusammenpasst, daher steigen wird und in Folge der Bedarf an Kaiserschnitten weiter steigt. Zum jetzigen Zeitpunkt ist diese Theorie aber noch ein mathematisches Modell. Diese Entwicklung wurde noch nicht empirisch bestätigt, so Philipp Mitterücker von der Universität Wien gegenüber Vox.com. Die Ergebnisse seiner Forschung wurden im wissenschaftlichen Journal "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlicht.

 

Kaiserschnitte haben die Überlebenswahrscheinlichkeit bei Geburten verändert, und somit verändert sich auch der Selektionsdruck. Und wenn sich der Selektionsdruck ändert, entwickeln sich die Menschen.

 

Größere Köpfe und schwerere Babys

 

Die Daten sind nicht eindeutig, da selten dokumentiert wird, warum ein Kaiserschnitt ausgeführt wird und ob tatsächlich Lebensgefahr für Mutter und Kind bestanden hat. Aber auch andere Studien suggerieren, dass wir heute größere Köpfe haben als noch vor 150 Jahren und dass dass das durchschnittliche Geburtsgewicht bei Babys angestiegen ist, was bedeuten würde, dass wir heute mehr großköpfige Babys gebären als je zuvor.

 

Mitterücker glaubt nicht, dass unsere Köpfe unendlich wachsen werden. Die Selektion zugunsten größerer Babys ist vom Metabolismus der Mutter limitiert. Um die Theorie hunderprozentig bestätigen zu können, müssten die Daten von vielen Generationen an Geburten noch verglichen werden.

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