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Homo-Ehe: Kinder profitieren von Ehe-Öffnung für Homosexuelle

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Die Initiative „Ehe gleich!“ sammelt Unterstützungserklärungen für eine Ehe-Öffnung. Diese würde auch Kindern zugute kommen, meinen BefürworterInnen.

FamilieJelena Gučanin(Wienerin)

 

Im August 2015 wurden zwei lesbische Frauen in Wien brutal überfallen, nachdem sie sich geküsst hatten. Das berichtete im Sommer Mariella Müller, grüne Referentin im Parlament für LGBTI-Fragen. Den Berichten zufolge waren die beiden Frauen kurz nach 22 Uhr auf dem Weg zu ihrem Auto. Ein Mann habe dann eine volle Bierdose nach den Frauen geworfen. Die Angreifer näherten sich schließlich und schlugen einer der Frauen ins Gesicht. Die zweite wurde durch einen heftigen Schlag gegen ein parkendes Auto geworfen.

 

Die Zahl homophober Übergriffe ist in Wien gestiegen, meint Johannes Wahala, Psychotherapeut und Leiter der Beratungsstelle „Courage“ für LGBTI-Personen. Das liege vor allem daran, dass gleichgeschlechtliche Paare in der Öffentlichkeit sichtbarer werden. Offizielle Zahlen und Statistiken zu homophoben Übergriffen gäbe es jedoch kaum. Der Soziologe Patrick Hart, der gerade ein Forschungsprojekt zum Thema Hasskriminalität gegen LGBTI’s durchführt, zitiert eine EU-Studie: "45% aller LGBT in Österreich vermeiden es in der Öffentlichkeit Händchen zu halten, aus Angst vor Übergriffen." Und 87 Prozent aller Opfer zeigen Taten nicht an.

 

Viele Betroffene melden Übergriffe aus verschiedenen Gründen nicht, weiß Josef Hosp, stellvertretender Obmann des Vereins „GayCopsAustria“: „Es bestehen bei den Betroffenen sehr oft Ängste, sie vor den Polizeibediensteten als homosexuell, lesbisch zu outen und es bestehen große Ängste, dass die Polizeibediensteten ihr Anliegen nicht ernst nehmen oder sogar aus den Opfern Täter machen.“ 

Auftrag an die Politik

 

Solche Angriffe zeigen erneut: Homosexuelle in Österreich sind noch immer nicht gleichgestellt. Sie haben keinen gleichberechtigten Zugang zur Ehe und sind nicht genügend vor Diskriminierung außerhalb des Arbeitsplatzes geschützt. Zudem existiert ein Straftatbestand für Hassverbrechen nicht.

 

Die Initiative „Ehe gleich!“ fordert nun eine Öffnung der Ehe und hat Mitte August eine Unterstützungserklärung im Parlament eingereicht. Die „Parlamentarische BürgerInneninitiative zur Aufhebung des Eheverbots für gleichgeschlechtliche Paare“ wurde bereits von über 30.000 Menschen online unterzeichnet. Unterstützung sagten auch die Parteien SPÖ, Grüne und NEOS zu. FPÖ und ÖVP sind weiterhin dagegen.

„Das Wohl der Kinder vor Augen“

 

Barbara Schlachter, Obfrau des Vereins „FAmOs – Familien Andersrum Österreich“ – ist überzeugt: „Eine absolute Gleichstellung von homosexuellen Menschen gibt es erst, wenn die Ehe geöffnet wird.“

 

Ihr Verein setzt sich für Regenbogenfamilien – gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern – ein. „Wir haben vor allem das Wohl unserer Kinder vor Augen, wenn wir die Eheöffnung fordern“, sagt sie. Denn die Ehe sorge für mehr Sicherheit für die Kinder und ihre Familien. Die gesetzliche Lage ermögliche es homosexuellen Paaren zwar eine Familie zu gründen – Kinder dürfen mithilfe der Fortpflanzungsmedizin gezeugt werden und seit 1.1.2016 dürfen gleichgeschlechtliche Paare Kinder gemeinsam adoptieren – doch ehelich dürfen die Kinder nicht sein.

 

Die Expertin fragt sich: „Warum nicht? Österreich ist das einzige Land, indem die Adoption für gleichgeschlechtliche Paare möglich ist, aber die Eheschließung nicht. Solange homosexuelle Paare nicht heiraten dürfen, signalisiert man ihnen, dass ihre Verbindungen und ihre Liebe weniger wert sind, ihren Kindern vermittelt man das Gefühl, dass ihre Familien weniger wert sind.“ Diskriminierung und Mobbing aufgrund von sexueller Orientierung dürften in Österreich keinen Platz haben.

 

Die Eheöffnung würde auch in Schulen zu einer sachlicheren Diskussion führen. „Wenn bereits Kinder erfahren dürfen, dass zwei Frauen oder zwei Männer genauso gut eine Verbindung miteinander eingehen können, die von Liebe und gegenseitiger Verantwortung getragen wird und diese Verbindung genauso viel wert ist wie die Verbindung zwischen Mann und Frau, dann werden wir in Österreich in Zukunft weniger Homophobie und Hass und mehr Wertschätzung füreinander in unserer bunten Vielfalt haben“, so Vereinsobfrau Schlachter.

Österreich ist Nachzügler

 

Johannes Wahala, Psychotherapeut und Pädagoge, sieht in seiner Arbeit, dass es eine hohe Bereitschaft in Schulen und Kindergärten gibt, mit gleichgeschlechtlichen Eltern respektvoll umzugehen. Er sagt: „Je selbstbewusster und klarer gleichgeschlechtliche Eltern auftreten, desto weniger Diskriminierung erleben sie.“ Das wirke sich auch positiv auf die Kinder aus. „Aus meiner Praxis weiß ich, dass Kinder sehr gut damit umgehen, da in den Familien sehr offen darüber gesprochen wird.“

 

Helmut Graupner, Erstunterzeichner von „Ehe gleich!“ und Präsident des „Rechtskomitee Lambda“, fordert daher: „Drei Viertel der ÖsterreicherInnen befürworten die Aufhebung des Eheverbots. Es ist Zeit, dass nun auch die letzten Zweifler in der Politik auf das Volk hören. Ansonsten wird Österreich ab 1. Jänner 2016 das einzige Land der Welt sein, das gleichgeschlechtlichen Paaren die gleichen Familiengründungsrechte gewährt, ihre Kinder aber zwangsweise zu unehelichen Kindern macht.“

 

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