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#Instamoms: Mütter im Internet: Kein Leben ist so perfekt

von

So sieht kein echtes Leben aus: Mit Perfektionswahn inszenieren Mütter auf Instagram ihre Häuser, Kinder und Leben.

FamilieTeresa Havlicek(Wienerin)

 

Sie leben in wunderschönen Häusern, die wie von magischer Hand immer perfekt aufgeräumt scheinen. Sorgfältig ausgewählte Vintage-Möbel zieren die Holzdielen. Sie haben tolle Möbel, kochen ausgefallene Rezepte und haben mehrere, wunderschöne Kinder. Durch einen matten Weichzeichen-Filter dürfen wir in ihr Leben blicken. Was klingt wie eine Persil-Werbung aus dem Jahr 1955, beschreibt eines der zeitgenössischsten Phänomene überhaupt: Instamums.

 

my view tonight when folding tiny onesies and muslin swaddles, watching his round belly rise and fall 💛

Ein von Amanda Watters (@mamawatters) gepostetes Foto am


Ist das echt oder ist das Werbung?


Ob sie Mode, Selfies, Essen, Architektur oder ihr Mutterleben zeigen: Instagramer sind die Stars unserer Zeit, die erfolgreichen haben mehrere hunderttausend Abonnenten. Um so ein großes ‚Social Following‘, wie das genannt wird, zu bekommen, muss man sein Leben permanent selbst vermarkten. Jeder Aspekt wird inszeniert. Das Familienleben, das Essen vorbereiten, das Schlafen gehen: Alles wird zu einem wunderschönen Internet-Bilderbuch kuratiert, das den Zuseher manchmal daran zweifeln lässt, ob es sich hier noch um das echte Leben oder einen Ralph-Lauren-Katalog handelt.


Retro-Weibchen


Es ist eine kleines Lifestyle-Universum, in dem – abgeschottet von der großen weiten Welt, wo es Probleme, Politik und andere Menschen gibt – Frauen sich als ideale Mutter und Hausfrau inszenieren, deren durchgestyltes Leben sich komplett um Kinder und Haushalt dreht. Ihre Männer sind die hipsterfrisurtragenden Geldverdiener. Das erinnert uns alles an einen Frauentyp, der irgendwie schon vergangen geglaubt war. Ein bisschen so, wie die ehemalige Wienerin-Kolumnistin Angelika Hager es in ihrem Buch Schneewittchenfieber beschrieben hat: Mutter-Kult als Lifestyle-Trophäe.

 

on a very serious mission tonight 🍦

Ein von Amanda Watters (@mamawatters) gepostetes Foto am


Konsum statt Meinung


Genau wie in den 1950er Jahren lebt man zurückgezogen im Privaten, enthält sich politischer Meinung, weil der Alltag mit Konsumentscheidungen zugemüllt ist. Früher war es die Mikrowelle, heute sind es die regionalen Bio-Erdbeeren.

 


Fragen werden hier keine gestellt. Fragen danach, worum sich das Leben dreht, wenn man kleine Menschen mehr, die einmal ihre eigenen Menschen sein werden, zum Lebensmittelpunkt machen kann. Danach, ob man sich komplett in finanzielle Abhängigkeit eines anderen Menschen begeben möchte. Und wie kann man mit 4 Kindern so ein aufgeräumtes, durchgestyltes Haus haben? Gibt es vielleicht noch eine mexikanische Haushälterin, die sich unterbezahlt und unversichert um das Haus kümmert, während sie ihre eigenen Kinder vernachlässigt? Wo ist die auf den Bildern?

 

dreams do come true 😴 #CCace2015

Ein von elizabeth antonia (@thelittlest) gepostetes Foto am


Realität geht anders


Wo sind die Kinder, die grölend durch’s Haus rennen, weil sie heute keine Schuhe anziehen wollen? Erschöpfte Eltern, die nach einem anstrengenden Tag einmal nicht aufräumen, sondern müde ins Bett fallen? Socken im Klo, Handy unauffindbar, Schmutz auf den Kinderwangen… auch das ist Alltag. Mittlerweile hat sich aber schon eine Gegenbewegung etabliert: Unter #assholeparents und #parentingforreal posten Eltern lebensnahe, chaotische und ziemlich lustige Bilder und Geschichten mit ihren Kindern.

 

 

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