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Beziehungsregeln: 5 gängige Beziehungsregeln, die man brechen sollte

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Das haben wir doch immer so gemacht! Über sinnvolle und sinnlose Abmachungen in einer Beziehung - und warum es sich manchmal lohnt, die Regeln zu brechen.

BeziehungAndrea Burchhart(Wienerin)

Kennen Sie die Urban Legend von dem Ehepaar, das sich jahrelang gegenseitig die "falsche" Semmerlhälfte zum Frühstück gönnte? Sie wollte immer die obere, verzichtete aber und bestrich sich selbst die untere. Er wollte immer die untere, dachte aber, seine Frau bevorzugt diese und begnügte sich mit der oberen. Am 50. Hochzeitstag kommen die Vorlieben ans Tageslicht und zum ersten Mal bekommen beide die Hälfte, die sie immer schon wollten. Halleluja! "Man hätte in einem halben Jahrhundert Ehe auch mal den Mund aufmachen können!", möchte man brüllen. So kann's also gehen, wenn man sich selbst Regeln auferlegt - und vergisst, sie dann von Zeit zu Zeit zu hinterfragen. Auch Beziehungsregeln sind nämlich da, um ab und zu gebrochen zu werden.

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"Jede Beziehung folgt ihren eigenen Spielregeln", sagt Psychotherapeutin (i. A. u. S. *) Michaela Laber (psychotherapie-nonntal.at) und rät grundsätzlich dazu, diese möglichst am Beginn abzustecken. "Man darf da ruhig mutig sein und den eigenen Vorstellungen folgen. Was für die einen unmöglich ist, kann für die anderen wunderbar passen. Wer für sich stimmige Vereinbarungen getroffen hat, schafft Klarheit, Sicherheit und Respekt."

 

Coachin Susi Bartmann (mentallove.at) hält nichts von gesellschaftlich vorgeschriebenen Beziehungsrichtlinien. "Sie setzen einen unnötig unter Druck. Wenn es für dich und deinen Partner passt, dass ihr getrennt auf Urlaub fahrt, dann ist das doch wunderbar! Wer sagt, dass man alles gemeinsam machen muss? Wichtig ist nur: reden, reden, reden. Wer andere Erwartungen hat und die nicht kommuniziert, ist selbst schuld."

Wir haben die gängigsten Beziehungsregeln unter die Lupe genommen - und geschaut, welche davon man ruhig mal brechen darf:

 

1: Nie im Streit einschlafen

"Ich habe oft mitbekommen, wie meine Eltern abends gestritten haben. Mein Vater ist dann ins Bett schlafen gegangen, meine Mutter ist wach im Wohnzimmer gesessen. Für mich stand fest: So möchte ich das niemals haben", erzählt Katharina. Sie und ihr Partner haben sich fest vorgenommen, Beziehungsstreits immer auszudiskutieren. "Es klappt leider nicht immer, dann bin ich doppelt gefrustet. Neben dem Streit kommt noch der Verstoß gegen unsere Prinzipien dazu."

 

Kein Stress, beruhigt Coachin Susi Bartmann:"Man darf ruhig auch mal eine Nacht drüber schlafen, ohne die Beziehung in Gefahr zu sehen." Der Vorsatz, nie im Streit schlafen zu gehen, sei prinzipiell gut, aber nicht leicht umzusetzen. Warum, ist einfach erklärt: Es gilt als wissenschaftlich erwiesen, dass die neuronale Verarbeitung in den Gehirnen von Männern und Frauen unterschiedlich abläuft. Das weibliche Gehirn ist immer aktiv, Frauen switchen mühelos zwischen Ideen, Erinnerungen, Gefühlen und Einsichten hin und her, assoziieren und sehen alles in Verbindung. Herrscht Stress, wollen sie reden und Anknüpfungspunkte suchen. Vom Gegenüber werden Verständnis und eine Umarmung, aber zunächst meist keine konkreten Lösungsvorschläge erwartet.

 

Anders das männliche Gehirn: Männer benutzen einen ganz spezifischen Teil im Gehirn, wo sie die Probleme durchdenken. Sie können, abgeschirmt von Stress und Aktivität, Ruhephasen nehmen. Der US-amerikanische Speaker und Beziehungsexperte Mark Gungor beschreibt diesen Zustand als "Rückzug in die 'Nothing Box'". Trotz Streits also ist es für Männer ein Leichtes, abzuschalten - und einzuschlafen. Mit dem Wissen um die "Nothing Box" kann man die Regel in einem neuen Licht sehen: Es ist eine romantische Vorstellung, immer ohne Streit auseinanderzugehen. Es kann aber ruhig auch mal anders ausschauen.

 

2: Mindestens einmal am Tag küssen

"'Wer nicht mehr küsst, ist nicht mehr in einer Beziehung', hat mir mein Opa mitgegeben." Seit elf Jahren ist Barbara mit ihrem Freund zusammen - das Einhalten von Großvaters Regel fällt nicht schwer und wird auch im Freundeskreis von vielen befolgt. Für Menschen in Fernbeziehungen ist sie schwierig umzusetzen -"da muss ein 'Chat-Bussi' her" -, aber wer den / die PartnerIn schon greifbar hat, der sollte ihn / sie auch wirklich täglich küssen, so die gängige Meinung. "Intimität und Sexualität gehören zu einer Beziehung dazu. Auch wenn es im Alltag oft schnell geht, dass man sich voneinander entfernt, sollte man täglich daran arbeiten, auch das Körperliche nicht zu kurz kommen zu lassen", gibt Expertin Michaela Laber zu bedenken. "Von Regeln wie 'Mindestens einmal in der Woche Sex!' halte ich persönlich nicht so viel. Mal mehr, mal weniger, je nach Bedürfnis, ist doch fein. Man sollte sich keine Gedanken über die Häufigkeit machen müssen; ich interpretiere das 'Muss' als Lustkiller, da ist doch Spontanität gefragt!", meint Trainerin Bartmann. Aber auch hier gilt: Jedes Paar tickt anders.

 

Katja und ihr Mann sind mit der "Einmal in der Woche Sex"-Regel in den vergangenen 27 Jahren gut gefahren. "Auch wir hatten Krisen. Gerade die Zeit, wo unsere Kinder klein waren, war nicht immer leicht für die Beziehung. Aber wir haben uns nie aufgegeben und uns an unsere Abmachung gehalten."

 

3: Keine Geheimnisse voreinander haben

Vertrauen ist wichtig, Kontrolle ist besser? Liebesbeziehungen, die nach diesem Motto geführt werden, haben ein Ablaufdatum. Denn: "Ohne Vertrauen können Beziehungen nicht funktionieren", meint Michaela Laber. Trotzdem kann man ehrlich sein und dennoch Dinge für sich behalten. Für Nina war es am Anfang ihrer Beziehung komisch, dass ihr Partner nicht über den Job reden wollte. "Ich dachte mir zunächst: 'Was will er mir nur verheimlichen?' Mittlerweile genieße ich es, dass das Thema Arbeit nicht in unserer Beziehung ist." Bei wirklich wichtigen Themen sollte es keine Geheimnisse geben, ist Susi Bartmann überzeugt. "Was Frauen im Bad so treiben oder warum die beste Freundin eine Krise hat, das kann man allerdings schon für sich behalten."

 

Wer dem / der PartnerIn generell misstraut, muss sich genau anschauen, was dahintersteckt - und das auf zwei Ebenen. Zunächst einmal: Warum fällt es mir schwer, zu vertrauen? Wurde mein Vertrauen schon einmal enttäuscht? Was kann ich tun, dass ich wieder Vertrauen finde? Und zum anderen: Was für ein Gefühl gibt mir mein/e PartnerIn?

 

4: Immer als Team auftreten

Der blöde Kommentar über die unzulänglichen Autofahrkünste der Liebsten sei ihm rausgerutscht, versucht er sich zu verteidigen. Schulterklopfen der Freunde. In der Küche haben sich die Damen versammelt. "Wenn er abgeholt werden will, bin ich gut genug. Nie, nie wieder spiel ich für den Idioten Taxi!" Der Abend ist gelaufen.

 

Jeder kennt das Paar, das gerne in der Öffentlichkeit diskutiert und dabei respektlos - im schlimmsten Fall verletzend - wird. Den/die PartnerIn vor anderen zu kritisieren oder gar lächerlich zu machen ist selbstverständlich ein großes No-Go. "Man sollte vielmehr darauf schauen, dass es dem anderen gut geht", sagt Coachin Susi Bartmann. Egal, ob allein, zu zweit oder vor Publikum: Wertschätzung ist immer wichtig!

 

Es ist aber absolut keine Schande, nicht ständig und überall als ein "Wir" aufzutreten - im Gegenteil. "Wir sind schwanger. Uns schmeckt das Essen bei XY. Wir mögen dies und jenes" kann zum Problem werden. "Es ist auf keinen Fall gesund, wenn zwei Menschen glauben, immer dasselbe denken zu müssen", erklärt Michaela Laber. "Viele haben diese Idealvorstellung, aber: Man muss nicht gleich sein, um das Gleiche zu wollen - eine gute Beziehung nämlich."

 

Was man bei allem Teamgeist nämlich bleiben muss, ist eine eigenständige Person mit eigenen Interessen, Fähigkeiten - und vor allem seinen eigenen Meinungen und Überzeugungen! "Die wichtigste Beziehung überhaupt ist die zu mir selbst. Ich bin für mein Wohlbefinden verantwortlich", bringt es Trainerin Susi Bartmann auf den Punkt. Vor allem, wenn Beziehungen auseinandergehen, wird vielen schmerzlich bewusst, wie sehr man sich selbst, seine Interessen, oftmals auch FreundInnen und Familie vernachlässigt hat.

 

5: Wer sich räumlich trennt, hat ein Problem

Manchmal gibt es total profane Gründe für den Auszug aus dem gemeinsamen Schlafzimmer. "Ich schlafe seit geraumer Zeit bei meinem 16 Monate alten Sohn. Es ist nicht optimal, aber momentan die einzige für uns mögliche Lösung", sagt Jungmama Iris. "Er wacht so oft auf, das hat überhaupt keinen Sinn, und mein Mann muss frühmorgens raus, das tu ich uns allen nicht an. Wir haben trotzdem eine Beziehung und wir haben trotzdem Sex", stellt sie klar. Für Iris' Eltern ist diese Lebensweise unvorstellbar, sie machen Druck und fragen: Was kommt als Nächstes? Ein getrennter Urlaub? Scheidung?

 

"Wer in getrennten Betten schläft, wird wissen, warum. Einmal mehr gilt: Wenn es für alle Beteiligten passt, warum nicht? Ein unerwarteter nächtlicher Besuch im anderen Bett kann auch seinen Reiz haben. Es gibt schließlich auch Paare, die in unterschiedlichen Wohnungen, ja in verschiedenen Städten wohnen. Man kann sich nahe sein, ohne in der Nähe zu sein", sagt Susi Bartmann. Auch getrennten Urlauben steht die Expertin positiv gegenüber. "Gemeinsame Zeit ist wichtig, es muss definitiv aber auch Zeiten geben, in denen man sich wirklich auch vermissen kann." Das stärkt die Beziehung, und in der Ferne wird einem erst recht bewusst, wie gerne man eigentlich mit dem/r anderen zusammen ist.

 

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