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Micro-Cheating: Jemanden anderen attraktiv zu finden, ist noch kein Betrug

von

Was ist Betrug? Dieser Frage widmet sich der Psychologe Justin Lehmiller, und findet eine spannende Antwort.

Beziehungred.(Wienerin)

Wer in einer (langen) Beziehung ist, kommt nicht umhin, irgendwann einmal an eine andere Person zu denken. Sich auszumalen, wie es wäre, mit jemandem anderen Sex zu haben, oder einfach nur kleine Flirts zu genießen. 

Dieses Verhalten wird gemeinhin als "Micro-Cheating" bezeichnet. Der Psychologe Justin Lehmiller erklärt im Magazin "Science of Us", dass es jedoch nicht gleich als Betrug gelten muss, nur wenn man an jemanden anderen denkt. 

 

"Was man als Betrug definiert, das machen sich beide Partner untereinander aus. Die Regeln und die Grenzen", schreibt er in einem aufschlussreichen Aufsatz über Betrug und alles, was wir hineininterpretieren. 

 

Was ist "Micro-Cheating"?

 

Dieses "Micro-Cheating" bedeutet, dass man seine Aufmerksamkeit kurzzeitig jemand anderem schenkt, und für den Paarexperten ist das absolut ungefährlich. "Das ist normales, harmloses Verhalten", schreibt er. Etwa das Fantasieren über eine andere Person. "Die meisten dieser ,kleinen Betrügereien' sind keine Anzeichen für Probleme in der Beziehung. Aber die Tatsache, dass das bereits als Betrug gilt, sagt aus, dass wir von unserem Partner verlangen, einzig und allein uns seine ganze Aufmerksamkeit zu schenken. Immer. Das ist besitzergreifend, und ein unrealistischer, ungesunder Zugang zu Liebe", so der Experte.

 

Denn es sei einfach unmöglich, alle Bedürfnisse in einer einzigen Person erfüllt sehen zu wollen, und dass diese sie auch abdeckt. "Menschen sind nicht so gemacht, dass sie nur eine Person attraktiv finden, ihr Leben lang." Und das Interesse an anderen könnte auch positive Auswirkungen auf die Beziehung haben - der "Coolidge Effekt" beschreibt, dass das sexuelle Interesse am Partner so neu entdeckt wird. 

 

"Wir werden eben vom Unbekannten erregt"

 

Abwechslung tut eben gut, und hält die Beziehung frisch. "Wir werden eben vom Unbekannten erregt", schreibt auch der Paartherapeut Lehmiller. "Nur weil wir von Zeit zu Zeit an andere Personen denken, heißt das noch lange nicht, dass wir unseren Partner nicht mehr lieben oder dass unsere Beziehung bald zerbricht. Es ist einfach menschlich."

 

Wer darauf besteht, dass der eigene Partner nie wieder jemanden anderen attraktiv finden darf - "eine sehr unrealistische Erwartung" - der werde einfach nur sehr viel Spannung und Streit in der Beziehung erzeugen. Der Tipp vom Experten: "Wer möchte, dass lebenslange Monogamie und Leidenschaft sich nicht ausschließen, muss ein wenig Neues in sein Sexleben bringen." 

 

Und auch wer in der Beziehung manchmal eigene Wege geht, bleibt glücklich. "Kontrollierend und besitzergreifend zu sein, ist nicht der Schlüssel zu einer gesunden Beziehung. Stattdessen sollte man früh und ehrlich über Regeln und Grenzen reden - und dem Anderen Raum zum Atmen geben." Amen. 

 

 

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