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Gastbeitrag: Wie es sich anfühlt, wenn deine Ehe zerbricht

von

Eine WIENERIN-Leserin erzählt von den Aufs und Abs, den Widersprüchen und Schuldgefühlen, wenn man sich vom Ehepartner trennt. Und einer hoffnungsvollen Erkenntnis.

So fühlt es sich an, wenn eine Ehe in die Brüche geht

Beziehunganonym, Protokoll: Red.(Wienerin)

Mein Ehemann und ich hatten Jahre Zeit, uns an die Tatsache zu gewöhnen, dass unsere Ehe nicht halten wird. Es war eine lange Reise, wir haben gekämpft, geleugnet, geweint und getrauert.
Wir sind unseren eigenen Weg gegangen und haben es lange für uns behalten. Mittlerweile leben wir getrennt und in Scheidung und versuchen, mit einem neuen Alltag umzugehen.

 

Was für die einen genug ist, ist für die anderen zu wenig

Für Außenstehende sehen wir aus wie zwei glückliche Menschen, die mit all dem gut klarkommen. Aber das ist allein der Tatsache geschuldet, dass wir uns sehr früh dazu entschieden haben, die Privatsphäre des anderen während dieses Alptraums zu jeder Zeit zu respektieren. Wir haben mit unseren engsten Freunden darüber gesprochen, aber nicht mit unseren Eltern, Nachbarn oder Verwandten. Sie haben nichts gemerkt, genauso wenig wie der Postbote oder die Kassiererin in unserem Supermarkt. Unsere Kinder haben natürlich etwas gemerkt - das tun Kinder immer - aber sie wussten nicht, was.

Dieses Versteckspiel war anstrengend. Den Menschen, die du liebst, vorzumachen, du würdest glücklich einen gemeinsamen Weg gehen, wenn du in Wahrheit schon längst gestolpert und hingefallen bist, ist verdammt anstrengend.

Für Beziehungen gibt es keine Regeln und für Trennungen schon gar nicht. Erstere verändern sich, genauso wie die zwei Menschen, die sie miteinander führen. Manchmal werden sie mit der Zeit immer besser, manchmal verstehst du nach Jahren gar nicht mehr, warum du sie mal wolltest. Und was für ein Paar genügen mag, ist einem anderen viel zu wenig.

 

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Meine Antwort auf die Frage "Wie ist es? Geht es dir jetzt besser?", die mir nach unserer Trennung oft gestellt wurde, ist deshalb keine klare: Ja und nein. Wir scheinen glücklich, weil wir uns bereits lange vor der offiziellen Trennung damit und mit uns auseinander gesetzt haben. Dafür haben wir uns entschieden, das war unser Weg.
Trotzdem kommt und geht der Schmerz immer wieder, eine Trennung ist der Beginn eines neuen Abschnittes, von dem man sich nicht immer sicher ist, ob man ihn wirklich wollte. Aus Gewohnheit, aus Sentimentalität, aus der Liebe, die da mal war und in anderer Form immer noch da ist.

 

Freiheit, Trauer und ein Plan B, mit dem du nicht gerechnet hast

Es ist Freiheit und Bedauern gleichzeitig. Es ist unglaublich befreiend, eine Beziehung zu beenden, die einem nicht mehr gut tut. Und im selben Moment trauerst du und vermisst eine Person, mit der du nicht mehr zusammen sein möchtest. Das ist unglaublich verwirrend. Und du glaubst es nicht, bis du es selbst erlebst.

Es ist immer wieder ein Gefühl des Gescheitert Seins, Schuldgefühle. Dass man es nicht geschafft hat, wo es doch so viele andere auch schaffen. Dass man nicht alles getan hat, ein Sich-den-Kopf-Zerbrechen, was man nicht alles noch hätte tun können.

Der Punkt ist: Du weißt, das es richtig war. Und dass du den Gedanken aus dem Kopf bekommen musst, dass Plan B schlechter ist als Plan A. Du hast nicht mit Plan B gerechnet, du hast dir nie überlegt, wie er aussehen könnte, und auf einmal musst du damit klarkommen. Aber das ist auch Freiheit. Und das fühlt sich gut an.

Wir sind zwei Menschen, die beschlossen haben, eine Beziehung zu beenden, die nicht funktioniert hat. Und wir haben beschlossen, dieses Ende Hand in Hand zu meistern, jeder für sich und gemeinsam. Und dafür bin ich sehr dankbar.

Wir werden unser Leben lang eine unzertrennliche Beziehung haben, denn wir haben drei großartige Menschen geschaffen. Daran kann nichts etwas ändern. Wir haben uns versprochen, diese Veränderung für jeden von uns schön zu gestalten, als einen Weg, der gut ist, der seine Berechtigung hat, nicht als eine (schlechtere) Alternative - das ist manchmal leicht und manchmal anstrengend.

Eine Ehe zu beenden ist nicht schwarz oder weiß, sondern für jeden anders. Und bevor man sich besser fühlt, fühlt man sich ziemlich scheiße. Man kämpft, zerbricht sich den Kopf, ist unsicher und sicher im Wechsel von Sekunden, man fühlt sich, als wäre man in zwei Hälften zerbrochen und fragt sich Tag für Tag, wie man den vorherigen überhaupt geschafft hat.

Aber tief drinnen weiß man: Es ist okay. Es ist gut. Und es wird immer besser.

 

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